Videoschnitt für Anfänger

Eine Frau fotographiert mit ihrem Smartphone einen See im Grand Teton National Park, Wyoming, USA

Videoschnitt für Anfänger

Von Nico Rau

Filmen war noch nie so einfach: Das Smartphone zücken und draufhalten. Gerade im Urlaub machen wir ja gerne unzählige Filmchen vom Strand, dem Nachwuchs oder von Stadtbesichtigungen. Und dann?

Filmen war noch nie so einfach: Das Smartphone zücken und draufhalten. Gerade im Urlaub machen wir ja gerne unzählige Filmchen vom Strand, dem Nachwuchs oder von Stadtbesichtigungen. Und dann? Dann schauen wir uns die Filme nie wieder an. Man könnte natürlich die Highlights zu einem kleinen Film zusammenschneiden. Damit den noch jemand anderes außer uns hinterher sehen möchte, helfen ein paar Tipps.

Das Backup zuerst

Smartphones sind nicht der sicherste Ort, die Urlaubserinnerungen aufzubewahren. Mittlerweile bieten viele Hersteller einen Cloud-Service an, um Bilder und Videos direkt nach der Aufnahme im Netz zu sichern. Eine andere Möglichkeit ist, das Smartphone via USB an den Computer anzuschließen und die Daten darauf zu kopieren. Hierfür gibt es von den Smartphone-Herstellern entsprechende Apps oder Programme.

Die Qual der Wahl

Der größte Fehler zu Beginn ist immer, direkt anzufangen. Meist hat der Urlauber unzählige Videos im Urlaub abgedreht und darunter sind nicht nur Perlen der Filmkunst. Also erst einmal in Ruhe hinsetzen und das Material sichten. Schlechte Videos direkt aussortieren und nur die wirklich guten behalten! Das spart hinterher beim Zusammenschneiden sehr viel Zeit. Das Ziel ist ein kurzer Film und kein 30-Minuten-Epos. Das will nämlich keiner freiwillig anschauen.

„Kill your darlings“

Ist ein Spruch aus der Journalistenwelt und heißt schlicht: Trenne dich von dem, was dir besonders lieb ist. Denn viele Videos aus dem Urlaub sind mit den Emotionen, die der Urlauber vor Ort empfunden hat, verbunden. Für jemanden, der nicht dabei war sind sie aber oft uninteressant. Ein guter Film lebt nicht nur davon, dass die besten Bilder und Videos miteinander kombiniert werden. Sondern vor allem auch davon, die schlechten wegzulassen. Es ist sehr hilfreich, sich ein kleines Drehbuch aufzuschreiben. Welche Szene kommt an den Anfang, welche Szenen in die Mitte, wie soll das Ende aussehen? So baut man sich eine kleine Dramaturgie für den Film.

Apps für den Schnitt

Es gibt diverse Apps für den Videoschnitt auf dem Smartphone. Viele sind in einer einfachen Version kostenlos erhältlich und manche sogar bereits vom Smartphone-Hersteller vorinstalliert. Die Kostenlos-Versionen haben oft Einschränkungen wie Wasserzeichen im fertigen Video, Werbeeinblendungen oder eine Registrierungspflicht. Sie verschwinden, wenn die App gekauft wird. Für den einfachen Videoschnitt reichen die kostenlosen Versionen aber in der Regel aus. 

Der Schnitt

Mit den Apps kann der Nutzer die Videos auswählen, die hinterher im fertigen Film vorkommen sollen. Per Drag & Drop lassen sie sich einfach in die gewünschte Reihenfolge - wie im Drehbuch überlegt - bringen. Zum Schnitt selber: Profis schneiden immer im Moment der größten Bewegung: Wenn beispielsweise ein Mann auf die Kamera zuläuft und sich auf einen Stuhl setzen will: genau in dem Moment, wo er sich hinsetzt. Die nächste Szene würde ihn dann im Sitzen zeigen. So wird der Schnitt quasi unsichtbar. Viele YouTuber allerdings schneiden extra hart: Sie nutzen so genannte Jumpcuts. Der Protagonist ist erst links im Bild und im nächsten Moment taucht er rechts auf. Dadurch entsteht Dynamik und ein Überraschungseffekt.

Musik, Kommentar und Effekte

Die Apps bieten verschiedene Zusatzfunktionen. Der Nutzer kann Musik in das Video einbauen, Kommentare via Smartphone-Mikro einsprechen, Text einbinden oder sogar kleine Effekte wie Blitze und Sternschnuppen. Goldene Regel: „Weniger ist mehr“ ist sehr hilfreich, um den Film nicht zu überfrachten.

Effekte erst am Ende

Auch wenn es großen Spaß macht, Effekte und Blenden in den Film einzubauen: Beides sollte erst zum Ende geschehen. Denn wenn der Nutzer sich doch noch überlegt, dass das eine Video nicht im Film vorkommen soll und es herauslöscht, dann müssen die Blenden und Effekte wieder mühevoll angepasst werden. Das kostet Zeit und Nerven.

Einfache Bedienung

Die Apps sind in der Regel sehr einfach zu bedienen. Zum Start gibt es meist ein Tutorial, in dem die verschiedenen Schritte bei der Videobearbeitung erklärt werden. Wenn das Video dann fertig ist, kann der Nutzer es „rendern“. Es wird dann mit allen Schnitten, Blenden und Effekten auf dem Smartphone gespeichert. Dann lässt es sich - meist direkt in der App - bequem über verschiedene Kanäle wie etwa Facebook oder YouTube teilen.

Videoschnitt für Anfänger

WDR 2 Servicezeit | 18.08.2017 | 02:41 Min.

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Stand: 17.08.2017, 13:00