Sim-Karten: Es geht immer noch billiger

Das Bild zeigt mehrere Sim-Karten.

Sim-Karten: Es geht immer noch billiger

Von David Zajonz

Sie heißen WinSIM, Smartmobil oder Congstar und buhlen mit bunter Werbung um Handynutzer. Anbieter von Billig-Sim-Karten unterbieten sich gegenseitig mit ihren Preisen: Gut für die Kunden?

Hinter vielen der Billig-Marken steckt ein- und dasselbe Unternehmen – die Drillisch AG. Ihr gehören unter anderem die Marken WinSIM, Smartmobil, Discotel, Simply und Yourfone. Die Strategie von Drillisch: Durch ausdifferenzierte Angebote möglichst zielgenau "preissensible" Nutzer ansprechen. Dafür mietet Drillisch Netzkapazitäten von O2 an. Wer lieber günstig im Netz der Telekom surfen und telefonieren will, für den gibt es die Telekom-Billigtochter Congstar. Vodafone bietet die Billigmarke otelo an. Die Preise sind hier aber nicht ganz so niedrig wie bei den Drillisch-Marken.

Sim-Karten: Es geht immer noch billiger

WDR 2 Quintessenz | 20.04.2017 | 03:14 Min.

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Viel Datenvolumen für wenig Geld

Telefonieren und mobil surfen kann bei den großen Marken schnell ins Geld gehen. Bei Vodafone gibt es ein Paket mit Telefon- & SMS-Flat und 4 GB Datenvolumen für 37,79€ im Monat - bei zwei Jahren Laufzeit. Bei der Telekom kostet ein Paket mit 3 GB sogar 38,20€ monatlich. O2 lockt mit 4 GB und einem Monatspreis von 24,99€ (Telefon- & SMS Flat und 4 GB Datenvolumen). Allerdings steigt der Preis ab dem 7. Monat auf 29,99€ und ab dem 13. Monat auf 34,99€. Kleine Billiganbieter versprechen da deutlich günstigere Angebote.

Unschlagbare Preise

In der Tat halten die Billiganbieter, was ihr Name verspricht: Die Preise sind wesentlich niedriger als bei der Konkurrenz. Für Telefon- und SMS-Flat mit 4 Gigabyte Datenvolumen zahlt man bei WinSIM 13,99€ im Monat – weniger als halb so viel wie bei der etablierten Konkurrenz. Bei PremiumSIM kostet ein Paket mit 3 Gigabyte Datenvolumen 12,99€, bei Yourfone gibt es das für 14,99€. [Alle Preise Stand April 2017].

Die noch billigere Billigmarke

Dass es immer noch billiger geht, zeigt netzclub. Die Tochter des O2-Konzerns Telefónica verschenkt Sim-Karten inklusive monatlichem Datenvolumen von 100 Megabyte. Einen Haken gibt es natürlich: Das Angebot ist werbefinanziert. Kunden bekommen bis zu 30 Mal im Monat unverbindliche Werbung zugeschickt. Viele Handynutzer dürften das nervig finden. Außerdem zahlt man pro SMS und pro telefonierte Minute 9 Cent. Für Kunden, die wenig Geld haben und wenig telefonieren, ist netzclub aber durchaus eine Alternative.

Nachteil Netzabdeckung

Nicht alle, aber viele der Billigmarken, nutzen das Netz von O2. Das O2-Netz schneidet in Tests deutlich schlechter ab als die Netze von Telekom und Vodafone. In vielen Ballungsräumen in NRW ist das kein großes Problem. Da surft man auch mit O2 im schnellen LTE-Netz. In bestimmten ländlichen Gegenden sollte man aber die Finger von O2 lassen. Am besten probieren potentielle Kunden das mobile Surfen mit der Sim-Karte eines Bekannten in der eigenen Heimatregion selbst aus. Darüber hinaus gibt es im Internet diverse Kartentools, mit denen sich die Netzabdeckung in verschiedenen Regionen anzeigen lässt.

Probleme beim Service

Im Gegensatz zu den großen Anbietern haben viele Billigmarken keine eigenen Filialen. Der Kundenkontakt findet online statt. Eine Ausnahme ist die Drillisch-Marke Yourfone, die auch eigene Shops betreibt. Ein weiterer Nachteil in Sachen Service: Die Billiganbieter fallen mitunter durch wenig kundenfreundliche Verhaltensweisen auf. WinSim, eine der Drillisch-Marken, hat vor einigen Wochen für Ärger gesorgt, als das Unternehmen ankündigte, dass bei einigen Kunden die Grundgebühr in allen laufenden Verträgen um zwei Euro steigen soll. Allerdings: Selbst nach der Preiserhöhung sind die Tarife von WinSim noch deutlich günstiger als viele vergleichbare Angebote.

Surfgeschwindigkeit gedrosselt

Ein weiteres Ärgernis ist die extreme Reduzierung der Surfgeschwindigkeit, wenn das Datenvolumen einmal aufgebraucht ist. Bei WinSIM surft man dann nur noch mit 16 kBit/s. Das ist etwa ein Dreitausendstel der maximalen Surfgeschwindigkeit! Damit ist das mobile Internet praktisch unbrauchbar. Allerdings machen es die großen Mobilfunkanbieter teilweise kaum besser. Die Telekom drosselt in ihrem MagentaMobil M Vertrag auf 64 kBit/s, Vodafone im Red M Vertrag auf 32 kBit/s. Nur O2 fällt positiv auf: Nach Aufbrauchen des Datenvolumens wird auf 1Mbit/s gedrosselt - genug für das Aufrufen von Websiten, Musikstreaming und die Nutzung von Messenger-Diensten.

Kündigen kann sich lohnen

Wer einen Vertrag bei einem der großen Anbieter hat, für den lohnt es sich zu kündigen, sobald es möglich ist. Denn häufig folgt dann ein Anruf vom Anbieter, der plötzlich mit einem viel besseren Angebot um die Ecke kommt. Treue Kunden will man schließlich behalten.

Fazit

Wem Service nicht besonders wichtig ist und wer nicht auf das starke Netz der Telekom oder von Vodafone angewiesen ist, für den sind die Billig-Sim-Karten eine echte Alternative. Sie bieten Telefonflatrates und relativ großzügige Datenpakete zum kleinen Preis. Auch wer nicht zu einem Billiganbieter wechseln will, sollte versuchen mit seinem aktuellen Anbieter über bessere Konditionen zu verhandeln.

Stand: 20.04.2017, 10:26