Beschwerden über Telefon-Abzocke nehmen zu

Betrug am Telefon

Beschwerden über Telefon-Abzocke nehmen zu

Von Martin Rapp

Lästige Werbung am Telefon ist nach wie vor an der Tagesordnung. Bei der Bundesnetzagentur gehen immer mehr Beschwerden ein. Und die Maschen werden immer dreister.

Beschwerden nehmen zu

Im ersten Quartal 2017 registrierte die Bundesnetzagentur mit fast 4200 schriftlichen Beschwerden pro Monat annähernd eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. Damit gingen von Januar bis März jeden Tag durchschnittlich 140 Beschwerden ein – obwohl das Verfahren recht aufwändig ist. Datum, Uhrzeit, Rufnummer, Unternehmen, möglichst ein Gesprächsprotokoll – wer das macht, hat sich wirklich geärgert und wenn sich die Zahl verdoppelt, spricht das für Zunahme solcher Versuche.

Die neue Masche

Das Telefon klingelt, am Apparat ist ein leichtes Rauschen zu hören und die Frage „Hören Sie mich?“. Oder es wird gefragt: „Sind Sie der Hausbesitzer?“ In jedem Fall geht es um Fragen, bei denen man üblicherweise reflexartig „Ja“ sagt.

Dieses Ja, so warnen Verbraucherschützer, zeichnen die Betrüger auf und montieren die Antwort in ein fingiertes Verkaufsgespräch. Damit könnte es so klingen, als habe man einer teuren Bestellung zugestimmt. Damit soll anschließend Geld eingetrieben werden, mitunter wohl auch über Inkassobüros. Diese Methode ist offenbar in den USA und Kanada aufgetaucht; offenbar gibt es aber auch erste Fälle in Deutschland.

Wie sollen Betroffene reagieren?

Wenn es ein völlig unbekannter Anrufer ist, der offenbar unbedingt ein "Ja" von mir hören will: Vorsicht! Idealerweise antwortet man im ganzen Satz wie „Ich höre Sie" oder so ähnlich.

Wenn Betroffene die Nummer im Display sehen können, sollten sie Zeit und Nummer notieren und im Fall eines unseriösen Anrufs an die Verbraucherzentrale, die Bundesnetzagentur oder unter Umständen bei der Polizei als Betrugsversuch melden.

Wichtig: Firmen müssen ihre Nummer im Display anzeigen und dürfen sie nicht unterdrücken. Wenn Anrufer die Nummer nicht sehen, können sie den Anrufer nach dem Namen und den der Firma fragen - das schreckt Abzocker vermutlich ab. Ansonsten einfach auflegen.

Was tun, wenn Rechnungen eintreffen?

Kunden müssen solche betrügerische Rechnungen nicht bezahlen. Ganz abgesehen davon, dass es strafbar ist, vertrauliche Gespräche ohne Erlaubnis mitzuschneiden.

Wenn eine Rechnung eintrifft, sollten Kunden sie aber nicht ignorieren, sondern sich schriftlich wehren. Dazu gibt es kostenlose Musterbriefe, zum Bespiel auf den Internetseiten der Verbraucherzentrale NRW.

Stand: 16.06.2017, 12:55