Das selbstfahrende Auto

Das selbstfahrende Auto

Von Dennis Horn

Es ist ein alter Traum: Sie steigen in Ihr Auto, geben ins Navi ein, wohin Sie möchten, und das war's. Fahren müssen Sie nicht mehr - das übernimmt das Auto selbst. Das klingt nach Science-fiction, ist aber Realität: Auf deutschen Straßen sind schon selbstfahrende Autos unterwegs.

Schritt für Schritt zum selbstfahrenden Auto

Der große Wurf bleibt wohl aus: Keiner der großen Automobilkonzerne möchte das selbstfahrende Auto von heute auf morgen auf den Markt bringen. Stattdessen werden wir in den kommenden 10 bis 15 Jahren wohl erleben, wie die Hersteller ihre Modelle immer weiter hochrüsten werden. "Teilautomatisiertes Fahren" nennt sich das dann.

Viele Funktionen, die dabei eine Rolle spielen, kennen wir heute schon: den Tempomaten oder Stau- und Einparkassistenten zum Beispiel. Universitäten und Autohersteller forschen außerdem an Warnsystemen, die uns zum Beispiel alarmieren, wenn Autofahrer vor uns abrupt bremsen oder mit einer Panne liegen bleiben - auch dann, wenn wir sie selbst noch nicht sehen können. Autos, die mit Ampeln kommunizieren, können uns in Zukunft außerdem den Moment der nächsten Grünphase vorhersagen und damit ein umwelt- und energiebewusstes Fahrverhalten fördern.

Mit dem selbstfahrenden Auto über die Autobahn

Je mehr solcher Systeme und Assistenten im Auto vorhanden sind, desto näher dran sind wir am selbstfahrenden Auto. So gut wie alle Hersteller arbeiten daran: Die Google-Schwester Waymo testet in den USA schon länger selbstfahrende Autos im Stadtverkehr. BMW nutzt die Autobahn zum Münchener Flughafen als Teststrecke. Weitere Hersteller sollen ihre Technik bald sogar im Düsseldorfer Stadtgebiet testen dürfen.

Trotzdem: Bis das selbstfahrende Auto in Serie gehen kann, stehen die Entwickler noch immer vor großen Herausforderungen. Eine davon ist der Stadtverkehr mit seinen Unwägbarkeiten von Fußgängern über Baustellen bis zu Zweite-Reihe-Parkern. Waymo zeigt mit seinem selbstfahrenden Auto zwar, dass man auch diese Herausforderung lösen kann - klagt dagegen aber über Probleme mit den Sensoren, sobald es regnet.

Auch die Software stellt die Ingenieure vor Herausforderungen. BMW zum Beispiel räumt ein, dass es in Deutschland kaum Entwickler gibt, die eine Bordsoftware fürs selbstfahrende Auto auf dem Niveau von US-Software entwickeln können - was nötig wäre, denn die Bedienung vieler "smarter Autos" krankt noch daran, dass man sich umständlich durch Menüs navigieren muss und damit vielleicht sogar das Unfallrisiko erhöht.

Offene Fragen vor allem zur Sicherheit

Die Sicherheit selbstfahrender Autos ist allgemein das Thema, zu dem noch die meisten Fragen offen sind. Wer trägt die Schuld an einem Unfall? Der Fahrer, auch wenn das Auto im Moment des Unfalls selbst gefahren ist? Der Hersteller, auch wenn man ihm keinen Fehler nachweisen kann? Und wie reagiert ein selbstfahrendes Auto in Situationen, in denen ein Unfall unausweichlich ist? Entscheidet ein Zufallsgenerator, was zu tun ist? Oder muss dann wieder der Mensch übernehmen?

Und auch Datenschutz und Privatsphäre werden zum Thema: Intelligente Autos erheben personenbezogene Daten. Sie wissen, wo man wann und wie lange unterwegs war. In den USA nutzt die Polizei solche Daten, um Alibis zu untersuchen. In Europa sehen Datenschützer das elektronische Notrufsystem eCall kritisch, das 2018 zur Pflicht in Neuwagen wird und an dessen Daten auch Unternehmen und Behörden interessiert sein dürften.

Stand: 24.01.2017, 18:15