Handyversicherungen zahlen nur selten bei Diebstahl

Ein Dieb greift ein Handy aus einer Handtasche

Handyversicherungen zahlen nur selten bei Diebstahl

Von Jörg Marksteiner

Für viele gehört das offenbar zusammen: Mit dem neuen, teuren Smartphone wird auch gleich eine Handy-Versicherung abgeschlossen. Doch Vorsicht: Bei Diebstählen haben Kunden oft Probleme, an ihr Geld zu kommen.

Das Projekt "Marktwächter Finanzen“ der Verbraucherzentralen hat eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben, wie Kunden auf ihr Handy aufpassen und es bei sich tragen. Ergebnis: 77 Prozent würden bei einem Diebstahl wohl keine Leistung einer Handyversicherung erhalten.

Tatsächlich meldeten sich zunehmend Kunden, die sich darüber beschweren, dass ihre Versicherung Leistungen verweigere, heißt es von den Verbraucherschützern. Für die Fachleute keine Überraschung: Tatsächlich sind die Vorgaben der Versicherungen in der Regel sehr viel strenger, als viele ahnen.

So sind Kunden bei den meisten Versicherungen verpflichtet, ihr Mobiltelefon "im persönlichen Gewahrsam“ mitzuführen. Das klingt logisch, bedeutet aber praktisch, dass selbst ein in der Hosentasche steckendes Handy in einem vollen Bus schon als zu leichtsinnig gelten kann. Ein Smartphone, dass aus einem Rucksack in einer Umkleidekabine gestohlen wurde – auch das war nach einem Gerichtsurteil nicht versichert, weil die Tür zur Umkleide nicht abgeschlossen war. Mitunter reicht es nicht einmal, wenn ein Handy in der mitgeführten Handtasche steckt – wenn die Handtasche kein zusätzliches Schloss hat oder nicht ständig die Hand darauf liegt. "Ein solches Verhalten ist realitätsfern“, urteilen die Verbraucherschützer.

Damit die Versicherung anstandslos bei einem Diebstahl zahlt, müsse der Kunde sein Handy im Grunde so eng bei sich führen, dass es faktisch kaum gestohlen werden kann. Dazu kommt eine weitere Kostenfalle: Selbst wenn eine Versicherung zahlt, dann ersetzet sie häufig nicht den Kaufpreis, sondern nur den aktuellen Zeitwert des Smartphones.

Lohnen sich Handyversicherungen?

WDR 2 Quintessenz - Tipps und Trends | 08.03.2017 | 03:08 Min.

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Immerhin: Wenn jemandem das Handy mit Gewalt abgenommen wird, es sich also um einen Raub handelt, dann springt üblicherweise eine andere Versicherung, die Hausratversicherung, ein. Gleiches gilt bei Einbruchdiebstahl. Diese übernimmt in der Regel dann auch den Neuwert, also den Anschaffungspreis.

Ein anderer Grund für Handyversicherungen sind mögliche Schäden durch Bruch, Herunterfallen usw. Auch hier ist aber nicht automatisch jeder Schaden zu hundert Prozent versichert. Die Erstattungen und Leistungen variieren. Kunden müssen nachlesen, ob eine Selbstbeteiligung fällig wird, ob bei "grob fahrlässiger“ Handlung Zahlungen gekürzt werden, ob es ein Ersatzgerät gibt usw.

Am Blick in das Kleingedruckte führt kein Weg vorbei, wenn Kunden im Schadensfall nicht leer ausgehen wollen. Wichtig zu wissen: Entscheidend sind nicht die Aussagen und Versprechen der Verkäufer beim Handykauf, sondern nur die gedruckten Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) im Vertrag.

Weitere Informationen:

Stiftung Warentest. Handyversicherung (Stand 2014)
https://www.test.de/Handyversicherung-Wenig-Schutz-fuer-viel-Geld-4762056-0/ (kostenpflichtiger Link)

Stand: 08.03.2017, 15:00