Unser täglicher Datenschutz

zwie Mädchen mit Smartphone

Unser täglicher Datenschutz

Ein Leben ohne Smartphone, Internet und digitalen Helfern ist für die meisten kaum noch vorstellbar. Doch noch fehlt vielen Verbrauchern die "digitale" Mündigkeit - zur Freude von Datensammler und Cyberkriminellen. Ein Überblick über Datenschutz für den Alltag.

"Digitale Gesellschaft zwischen Risikobereitschaft und Sicherheitsbedürfnis", lautet der Titel des 15. Deutschen IT-Sicherheitskongresses, der am Dienstag (16.05.2016) in Bonn beginnt. Während sich Experten mit der Digitalisierung, dem Internet der Dinge und der Industrie 4.0 befassen, sind sich nach Einschätzung von Verbraucherschützern noch immer viele Nutzer nicht der täglichen Risiken ihrer Smartphone- und Netznutzung bewusst. "Noch bleibt dem Nutzer nichts anderes übrig als sich selbst um seinen Datenschutz zu kümmern", sagt Julian Graf, Jurist der Verbraucherzentrale NRW mit Blick auf den digitalen Verbraucherschutz.

Alexa, Siri & Co:

Digitale Assistenten wollen uns per Spracherkennung das Leben erleichtern: Musik hören, Informationen abrufen, Licht dimmen und Einkaufslisten schreiben. Das Problem: Damit die Sprachsteuerungstechnik auf unsere Befehle reagieren kann, hört beispielsweise der Amazon-Lautsprecher "Echo" permanent mit. "Das betrifft auch andere Familienmitglieder und Gäste, die sich dadurch gestört fühlen können", sagt Graf. Das Dauerlauschen kann durch Betätigen einer "Mute" bzw. "Mikrofon aus"-Taste am Gerät ausgeschaltet werden - allerdings kann dann auch die Sprachsteuerung nicht genutzt werden. Unbedingt ausschalten sollte man die sprachgesteuerte Kauffunktion, damit man nicht ungewollte Pakete erhält.

Cookies beim Surfen löschen

Viele Webseiten verlangen die Einwilligung, dass Cookies verwendet werden dürfen und damit letztlich genau festgehalten wird, wo man sich im Netz aufgehalten hat. Wer dies nicht möchte, sollte regelmäßig über die Browsereinstellungen die gespeicherten Cookies auf den Geräten löschen oder festlegen, dass Cookies nach jeder Sitzung gelöscht werden. Zudem kann man in den Browsereinstellungen festlegen, dass Drittanbieter nicht zum Cookie-Setzen berechtigt sind. Sicherheitslücken in der Software sollte man durch regelmäßige Updates schließen, rät das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Soziale Netzwerke

Je mehr Informationen man bei Facebook, Instagram & Co. preisgibt, desto leichter lassen sich Profile anfertigen. "Der Verlust der Anonymität birgt das Risiko, dass sich daraus Nachteile bei Vertragsabschlüssen ergeben könnten", erklärt Verbraucherschützer Graf die potenzielle Gefahr der fortschreitenden Digitalisierung. Um diese Risiken möglichst gering zu halten, sollte man möglichst wenig Daten bei der Anmeldung in Sozialen Netzwerken preisgeben. "Die Frage ist, ob ich unbedingt meinen Klarnamen nennen muss", so Graf. Außerdem rät er, dass man nicht mit eingeloggtem Account parallel im Netz surfen soll. Sonst mache man es den Datensammlern besonders einfach. Vorsicht ist nach Angaben des BSI auch bei Links in Direktnachrichten geboten. Auch hier könnte Schadsoftware versteckt sein.

WhatsApp, Snapchat & Co

Mit der seit April 2016 initiierten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sind die versendeten Nachrichten und Bilder über WhatsApp nun vermeintlich besser gesichert. Wer den Dienst nutzen will, kommt auch über die Angabe der Telefonnummer nicht umhin. "Hier muss man sich nur noch überlegen, wie viel man von sich durch das Profilbild, was nicht geschützt ist, preisgeben will", so der Verbraucherschützer.

Emails genau prüfen

Die Masche ist immer die Gleiche: Empfänger sollen dazu gebracht werden, Kontodaten, PIN-Nummern oder andere Daten freizugeben, damit sich Betrüger den Zugang zu Konten verschaffen können. Andere Mails wollen Viren einschleusen und man wird gebeten, Dateien zu öffnen oder auf einen Link zu klicken. "Niemals einen Link in einer Mail nutzen", warnt Verbraucherschützer Graf. Auch sollten keine Dateien geöffnet werden, wenn man den Absender nicht zu 100 Prozent zuordnen kann. Das BSI rät generell dazu, neben technischen Hilfsmitteln für mehr Sicherheit "stets seinen gesunden Menschenverstand" zu nutzen, wenn man im Netz unterwegs ist oder Emails erhält: "Ist ein Angebot zu gut um wahr zu sein, ist es meistens auch nicht wahr", so BSI-Sprecher Joachim Wagner.

Online-Banking

Ob man sicher Geldgeschäfte online ausführen kann, ist nach Ansicht der Verbraucherzentrale vor allem eine Sache der verwendeten Hard- und Software. "Bei alter Software werden keine Sicherheitslücken mehr geschlossen", sagt Graf. Da sollte man sowohl bei Smartphones als auch bei PCs vorsichtig sein. "Wird das Online-Banking auf dem gleichen Gerät ausgeführt, mit dem auch die TAN empfangen wird, sei es per SMS oder über entsprechende App, muss der Kriminelle nur noch auf einem Gerät Schadsoftware installieren, um Überweisungen manipulieren zu können", so das BSI. Die Experten empfehlen daher, immer zwei Geräte zu nutzen. Am sichersten sei der Einsatz hardwaregestützter TAN-Generatoren.

Online-Shopping

"Kunden sollten sich einen Online-Shop vor der Bestellung genau anschauen", empfiehlt das BSI. Kriterien sind zum Beispiel eine Anbieterkennzeichnung, das Impressum und die Einsehbarkeit der Allgemeinen Geschäftsbedingungen. "Auch hier gilt: Vorsicht vor auffällig guten Angeboten!", so das BSI. Die Auswahl der Zahlungsmethode sollte ebenfalls gut bedacht sein. Wer seine Kontodaten nicht bei mehreren Anbietern hinterlegen möchte, kann einen Bezahlsystem-Anbieter nutzen. Der Vorteil: die Kontodaten sind nur an einer Stelle hinterlegt. "Empfehlenswert ist dann, diesen Account besonders gut abzusichern. Wichtig ist zudem der Aufbau einer verschlüsselten Verbindung (httpS) beim Bezahlvorgang, damit die übermittelten Daten nicht abgefangen werden können", so die Sicherheitsexperten.

Stand: 16.05.2017, 06:00