Computerspiele „Made in Germany"?

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Computerspiele „Made in Germany"?

Von Tobias Nowak

  • Deutschland ist ein Gamer-Land
  • Deutsche Spiele sind nicht sehr erfolgreich
  • Die Games-Branche fordert öffentliche Förderung

Deutschland ist das Land der Dichter, der Denker und der Gamer“, behauptete Bundesverkehrsminister Dobrindt jüngst bei der Verleihung des Deutschen Computerspielepreises. Dobrindt ist als Verkehrsminister auch verantwortlich für digitale Infrastruktur, und dazu gehören Games.

Tatsächlich ist Deutschland „Gamer-Land“, denn hierzulande werden jedes Jahr etwa drei Milliarden Euro Umsatz mit digitalen Spielen erwirtschaftet, Tendenz steigend. Aber nur sechs Prozent der verkauften Titel kommen aus heimischer Produktion.

Zum Vergleich: Bei Musik werden fast 50 Prozent des Umsatzes mit deutschen Produktionen gemacht. Hinzu kommt, dass deutsche Games oft nicht sehr innovativ sind, bzw. nicht auf dem technischen Niveau der internationalen Blockbuster, deren Herstellung meist aber auch hunderte Millionen Euro verschlingt.

Computerspielpreis als Industrieförderung?

Deutschland, das sich so gerne als innovativer Industriestandort sieht ist in Sachen Games weit abgeschlagen von der internationalen Konkurrenz. Um auf diesem Markt bestehen zu können, fordert die deutsche Games-Industrie deshalb seit Jahren eine strukturelle Förderung – die Berlin auch regelmäßig verspricht.

Immerhin wurde der Deutsche Computerspielpreis eingerichtet, in dessen Rahmen dieses Jahr aber gerade einmal 550.000 Euro ausgelobt wurden, die sich auch noch auf 12 Sparten verteilen. Bei dieser Summe handelt es sich um die gesamte öffentliche Förderung der deutschen Games-Industrie.

Dorothee Bär

Staatssekretärin Dorothee Bär reicht die Games-Förderung nicht


Selbst der im Bundesverkehrsministerium für Computerspiele zuständige Staatssekretärin - und Gamerin - Dorothee Bär ist das nicht genug: „Wir brauchen losgelöst vom Computerspielepreis eine echte Gamesförderung“.

Das Ausland zeigt: Förderung lohnt sich

Bereits jetzt werden mit Computerspielen mehr Steuern eingenommen als mit Musik und Filmen zusammen. Dass eine Förderung der Games-Branche sich also auch für den Fiskus lohnt, liegt auf der Hand. Dafür gibt es mit Polen, Großbritannien oder Kanada konkrete, erfolgreiche Beispiele.

Felix Falk

Felix Falk: Förderung der Gamesbranche lohnt für den Fiskus

Felix Falk, Geschäftsführer des „Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware“ (BIU) rechnet vor, dass beispielsweise in Frankreich jeder Fördereuro in der Gamesbranche zu 1,80 Euro zusätzlichen Steuereinnahmen und 8 Euro zusätzlichen Investitionen führe.

In Deutschland gibt es bisher nur eine Handvoll Studios, die die technologischen, personellen und vor allem finanziellen Ressourcen haben, einen sogenannte „Triple-A“-Titel − die Blockbuster unter den Spielen – zu produzieren. Aber auch sehr kleine Teams können oft nicht die Mittel aufbringen, um beispielsweise experimentelle, künstlerische Titel entwickeln zu können.

Alle fordern Förderung - aber nichts passiert

Kreativität, Innovation, Ausbildung sind wichtige Grundlagen, um die Deutsche Games-Branche nach vorne zu bringen, aber ein tragendes Förderkonzept braucht es auch. Staatssekretärin Bär betont: „Das muss dringend angegangen werden und meines Erachtens nach auch sofort nach der Bundestagswahl, damit es im nächsten Koalitionsvertrag steht, sonst wird’s wieder nix.

Stand: 23.08.2017, 06:00