Ruhig schlafen unter Daunendecken?

Gänse auf dem Hof von Margit Paschen

Ruhig schlafen unter Daunendecken?

Viele Menschen wollen nachts nicht auf ihre Daunendecke verzichten. Den Preis für die Gemütlichkeit zahlen die Gänse: Werden ihnen die Daunen bei lebendigem Leib ausgerupft, ist das für die Tiere eine Tortur. Kommt man überhaupt an Bettdecken, die ohne den grausamen "Lebendrupf" hergestellt wurden?

Was ist das Problem mit Daunen?

Wenn es darum geht, frierende Menschen warmzuhalten, sind Daunen im Prinzip unschlagbar: Sie bilden eine optimale Isolations-Schicht, halten den Körper warm, die Kälte draußen - und das meist, ohne dass sich Feuchtigkeit aufstaut. Problematisch ist aber die Herkunft der Daunen: Vielfach werden sie lebenden Gänsen ausgerupft, was für die Tiere eine Tortur ist.

Eine Daune

Füllen viele Kopfkissen und Jacken: Daunen

Eigentlich ist der sogenannte "Lebendrupf" in der EU verboten. Erlaubt ist nur der "Schlachtrupf", also das Ausrupfen nach dem Tod des Tieres. Es gibt aber eine Ausnahme: Während der Mauser dürfen die Federn und Daunen, die den Tieren ohnehin ausfallen würden, "gerauft", also aus dem Gefieder gestrichen werden. Tierschützer kritisieren, dass die Gänse einer Herde nie gleichzeitig in der Mauser sind, aber der Einfachheit halber trotzdem gleichzeitig gerauft werden. Das habe zur Folge, dass auch das Raufen sehr schmerzhaft für einige Gänse sein könne. Doch angesichts des höheren Gewinns ist es eben verlockend, wenn man das Gefieder einer Gans nicht nur einmal, sondern mehrmals nutzen kann.

Das führt zum Problem der Verfügbarkeit: Daunen sind begehrt - aber für eine einzige Bettdecke mit 600 Gramm Füllung aus Gänsedaunen braucht man laut Lorenz Eskildsen, dem Vorsitzenden des Bundesverbands Bäuerliche Gänsehaltung, das Gefieder von etwa 20 Gänsen. Federn und Daunen sind hier in Deutschland in der Regel nur ein Nebenprodukt der Fleischproduktion - und da deutlich weniger Gänse verzehrt als für Daunen gebraucht werden, sind die Hersteller auf Importe angewiesen.

Was für Daunen sind also in den Bettdecken, die man in Deutschland kaufen kann?

Die genaue Herkunft der Daunen - beziehungsweise die "Lebensgeschichte" der Gänse, von denen sie stammen - ist oft unklar. "Das Problem ist die komplexe Lieferkette," erklärt Martina Stephany von der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten". "Es ist aufwändig, die ganze Kette zu kontrollieren. Aber nicht unmöglich." Allerdings dürften sich die Kontrollen nicht nur auf Deutschland beschränken, denn laut Lorenz Eskildsen importiert Deutschland 9.000 Tonnen Daunen pro Jahr - und Lebendrupf sei im Ausland längst nicht immer auszuschließen.

Juliane Hedderich, Geschäftsführerin des Verbands der Deutschen Daunen- und Federnindustrie, macht eine andere Rechnung auf: Bei den Herstellern ihres Verbands bestehe das Füllmaterial gegenwärtig zu 75 bis 80 Prozent aus Entenfedern und -daunen. "Es werden mehr Entenfedern und -daunen angeboten als Gänsefedern und -daunen, weil mehr Enten gegessen werden. Enten werden grundsätzlich schon vor der ersten Mauser geschlachtet. Und bei Enten werden keine Federn vom lebenden Tier gewonnen", versichert Hedderich.

Wie verlässlich sind die Siegel, mit denen Hersteller ihre Ware versehen?

Ein Gans wird gerupft.

Eine Gans wird gerupft

Der "Traumpass" sei ein Zertifikat, das eine exakt definierte Qualität der Daunen und Federn garantiert, mit denen eine Bettdecke gefüllt sei, erklärt Hedderich. Gleichzeitig belege das Siegel, dass das Füllmaterial nur von geschlachteten Tieren stammt. Darauf baut der "Downpass", ein international anerkannter Standard, auf, der laut Hedderich weltweit Stationen der verzweigten Lieferkette überwacht. Verbraucher finden den Traumpass schwerpunktmäßig im deutschsprachigen Raum. Die Stiftung Warentest hat in einem umfangreichen Bettdecken-Test 2013 allerdings kritisiert, dass die Herkunft der Daunen nicht belegt werde. So sieht es auch Martina Stephany von "Vier Pfoten": "Der Traumpass steht nach wie vor nur für Daunenqualität, aber nicht für Tierschutz," bemängelt sie.

Auch den "Downpass" sieht die Tierschützerin sehr kritisch. Für sinnvoller hält Stephany den "Responsible Down Standard" (RDS) und den noch etwas strengeren "Traceable Down Standard" (TDS), bei deren Entwicklung "Vier Pfoten" als Berater beteiligt war. Sie werden bislang allerdings nur von den Herstellern von Outdoor-Kleidung und einigen Modemarken genutzt. Beide Standards verbieten auch die Stopfmast, bei denen den Tieren mit einem Rohr Futterbrei in den Magen gepumpt wird, damit ihre Leber stark wächst. Zumindest am RDS gebe es aber auch einen Kritikpunkt: "Die Elterntiere, die die Eier für die Mastbetriebe ausbrüten, werden nicht kontrolliert. Gerade die Elterntiere werden aber besonders häufig gerupft, daher ist dieser Punkt für uns besonders wichtig."

Noch etwas unübersichtlicher wird die Lage dadurch, dass viele Händler ihre eigenen Tierschutz-Richtlinien haben, nach denen sich die Hersteller, deren Produkte die Händler ins Sortiment nehmen, richten müssen. Im Zweifel muss der Verbraucher also nachfragen beziehungsweise selbst recherchieren, welche Standards gelten.

Gibt es sonst noch Möglichkeiten, an "unbedenkliche" Daunen zu kommen?

Martina Stephany von "Vier Pfoten" meint: Eigentlich nicht. "Wir raten im Moment dazu, kein Daunen-Bettzeug zu kaufen." Es gibt auch recycelte Daunen - bislang allerdings nur als Zugabe in neuen Decken. Eine denkbare Alternative: Omas alte Daunendecken aufarbeiten lassen. Ansonsten bietet möglicherweise auch der aktuelle Trend zum regionalen Erzeuger neue Möglichkeiten: Einige Gänsehöfe produzieren selbst Bettdecken mit den Daunen, die als Nebenprodukt der Fleischproduktion anfallen. Kostenpunkt für eine normal große Bettdecke von Lorenz Eskildsens Hof: 250 bis 350 Euro, je nach Füllmenge. Allerdings gibt es laut Eskildsen noch nicht viele Betriebe in Deutschland, die selbst Bettdecken herstellen. "Aber wir denken, dass das ein Wachstumtsmarkt ist."

Welche Alternativen gibt es, wenn ich in Zukunft sicherheitshalber auf Daunen verzichten möchte?

Es gibt zum Beispiel auch gute Tierhaardecken. Wer es aber mit dem Tierschutz ernst meint, verzichtet ganz auf tierische Produkte - also auch auf Decken aus Schafwolle, Kamelhaar oder Kaschmir. "Es gibt sehr gemütliche synthetische Bettwäsche, mit der Sie aus Tierschutzsicht auf der sicheren Seite sind", rät Stephany. Synthetik-Decken schnitten beim Test der Stiftung Warentest 2013 zwar schlechter ab als die Daunendecken: Unter anderem hielten sie die Testschläfer nicht so warm und nahmen weniger Feuchtigkeit auf. Aber vielleicht nimmt man das zumindest dann, wenn man kein großer Schwitzer ist, in Kauf - wenn man sich dafür mit ruhigerem Gewissen zudecken kann.

Pflegetipps für Tierhaardecken

Tierhaardecken bringen gute wärmende und klimatisierende Eigenschaften mit. Um diese zu erhalten, sollte man

  • die Decken nicht übermäßig häufig waschen, besser nur lüften.
  • die Decken nicht mit Weichspüler waschen. Das Vlies kann sich sonst verschieben.
  • genau die Pflegeanweisungen auf dem Etikett beachten.
  • die Decken nicht in der prallen Sonne oder Heizung trocknen, das macht das Tierhaar spröde.

Stand: 10.02.2016, 00:00