Berufsunfähigkeits-Versicherung - Je früher, desto günstiger

Berufsunfähigkeits-Versicherung - Je früher, desto günstiger

Von Martin Rapp

Statistisch kann jeder vierte Arbeitnehmer schon vor Erreichen der Altersrente nicht mehr voll arbeiten. Zumindest die finanziellen Folgen lassen sich absichern. Und das ist auch nötig.

Wer braucht eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Im Prinzip jeder, der auf seine Arbeitskraft und das damit erzielte Einkommen angewiesen ist. Nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW kann statistisch jeder vierte Arbeitnehmer schon vor Erreichen der Altersrente nicht mehr voll arbeiten. Der Staat zahlt dann bestenfalls eine kleine Erwerbsminderungsrente, die in voller Höhe auch erst dann greift, wenn man gar keinen Job für mehr als drei Stunden täglich machen kann. Eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung springt schon ein, wenn die bisherige Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausgeübt werden kann - unabhängig davon, ob man noch für andere Tätigkeiten tauglich wäre. Und sie zahlt mehr, wenn man den richtigen Tarif gewählt hat.

Was kostet so eine Versicherung?

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab: Dem Anbieter, dem Alter bei Abschluss des Vertrags, der Laufzeit, der versicherten Rentenhöhe, der Tätigkeit, den Vorerkrankungen, den Hobbys.

Die Verbraucherzentrale NRW kalkuliert als Richtschnur für einen kerngesunden 30-jährigen kaufmännischen Angestellten, der bis zum 65. Lebensjahr eine monatliche Rente von 1.000 Euro absichern will, einen Jahresbeitrag von 400 bis 600 Euro im günstigsten Fall und bis zu 1.300 Euro bei teuren Anbietern.

Je später man einen Vertrag abschließt, je gefährlicher der Beruf oder manches Hobby ist, je mehr Vorerkrankungen man mitbringt, je länger die Versicherung läuft, desto teurer wird es. Da sich die Tätigkeit kaum und die Hobbies meist nur ungern ändern lassen, gilt also: Je früher eine Versicherung abgeschlossen wird, desto besser.

In welcher Höhe soll man sich absichern?

Die Stiftung Warentest empfiehlt, die zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben zu kalkulieren und die Lücke, die durch die Berufsunfähigkeit entsteht, abzusichern. Die Verbraucherzentrale NRW nennt als Faustformel einen Wert von zwei Dritteln bis drei Vierteln des letzten Nettolohns.

Servicezeit vom 16.09.2015

Was muss man vor Vertragsabschluss preisgeben?

Die Versicherer wollen ihr Risiko so genau wie möglich einschätzen. Deshalb fragen sie in der Regel neben dem Berufsbild und möglichen gefährlichen Hobbys auch nach Vorerkrankungen der zurückliegenden fünf Jahre und chronischen Erkrankungen. Die Antragsteller sind zu vollumfänglichen und wahrheitsgemäßen Angaben verpflichtet. Wenn der Versicherer später bei Eintritt der Berufsunfähigkeit Lücken nachweist, kann er die Zahlung der Rente verweigern.

Ein Mann mit Armschlinge steht vor einer Bücherwand.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte im Prinzip jeder abschließen, der auf seine Arbeitskraft und das damit erzielte Einkommen angewiesen ist.

Wie vermeidet man bei den Angaben zur Gesundheit späteren Streit?

Indem man genaueste Nachforschungen anstellt. Bei der Krankenkasse können Antragsteller in Erfahrung bringen, wo und weshalb sie im vergangenen Jahr behandelt wurde. Für weiter zurückliegende Behandlungen müssen Zeitpunkt und Arztnamen genannt werden. Dabei können alte Terminkalender schon vergessene Arztbesuche in Erinnerung rufen.

Oder man wendet sich direkt an den Arzt und nimmt Einblick in die Patientenakte. So erfährt man, was im Ernstfall auch den Versicherern vorgelegt wird. In Rücksprache mit dem Arzt können so auch möglicherweise kritische Vermerke wie Verdachtsdiagnosen rückwirkend relativiert und dem Versicherer erklärt werden.

Wie vermeidet man die Ablehnung durch die Versicherung?

Jedenfalls nicht durch falsche Angaben zur Gesundheit, weil die im Ernstfall den Versicherer berechtigen, die Rentenzahlung abzulehnen. Da aber die Versicherungen untereinander Daten austauschen und auch vermerkt wird, wenn jemand als Versicherungsnehmer aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt wurde, kann sich dies negativ auf spätere Anfragen nach Versicherungsschutz auswirken. Verbraucherschützer und Stiftung Warentest empfehlen deshalb, gleich mehrere Anträge auf einmal zu stellen.

Wer hilft bei der Auswahl der richtigen Versicherung?

Die Verbraucherzentralen bieten Beratungsgespräche zur Berufsunfähigkeitsversicherung an. Dort können grundsätzliche Fragen zur versicherten Rentenhöhe und zum Ausfüllen des Gesundheitsbogens gestellt werden. Einzelne Angebote werden dort aber nicht bewertet. Dabei kann ein unabhängiger Versicherungsberater helfen, der gegen Honorar beim Abschluss einer Versicherung berät.

Was ist zu tun, wenn die Berufsunfähigkeit eintritt?

Auch wenn der Versicherungsfall eintritt, sollten Betroffene sich beim Umgang mit ihrer Versicherung Beratung holen. Wichtig für den Rentenantrag sind die exakte Beschreibung des Berufsbilds und eine genaue Begründung der Berufsunfähigkeit. Viele stellen einen ungenügenden Antrag und nehmen eine Ablehnung klaglos hin. Dabei können Verbraucherzentralen oder unabhängige Versicherungsberater helfen – und zur Not eine Rechtsschutzversicherung, die den Gang vor Gericht finanziert.

Stand: 15.09.2015, 11:31