Hohe Kosten nach Skiunfall

Rettungshubschrauber landet nach einem Skiunfall

Hohe Kosten nach Skiunfall

Von Anne Debus

Aktuell fahren viele in den Skiurlaub. Der kann aber in einem finanziellen Desaster enden, wenn man einen Unfall hat. Die Behandlungskosten können sich schnell auf Tausende Euro summieren. Was zu tun ist, um gut abgesichert skizufahren.

Endlose sonnige Abfahrten, aufstiebender Tiefschnee – aus dem Traum des Skifahrers kann schnell ein Alptraum werden. Allein in Österreich erleiden jedes Jahr bis zu 60.000 Skifahrer einen Unfall. Das ist nicht nur gefährlich, sondern kann auch extrem teuer werden. Denn Verletzte können aus den Bergen oft nur per Hubschrauber geborgen werden. Solche Einsätze kosten aber schnell einige tausend Euro, und sie werden von der gesetzlichen Krankenkasse oft nicht übernommen.

Besser zusätzlich vorsorgen

Die Regelungen für die Kostenübernahme für den Einsatz von Pistenraupe, Hubschrauber oder gar einer Suchmannschaft sind kompliziert. Sie hängen davon ab, ob etwa ein Hubschraubereinsatz aus medizinischen Gründen notwendig war, oder weil das Gelände schlecht zugänglich ist. Außerdem kommt es darauf an, in welchem Land der Unfall passiert ist, und welche Regelungen dort gelten. Gesetzlich Krankenversicherte sollten besser generell davon ausgehen, dass sie nach einem Skiunfall auf einem Teil der Kosten für Bergung und Behandlung sitzen bleiben können. Das Gleiche gilt natürlich für Wanderunfälle. Auch Privatversicherte sind nicht automatisch gut abgesichert. Deshalb sollte man am besten vor dem Urlaub bei seiner Krankenkasse nachfragen, welche Kosten sie übernimmt. Und entsprechende Zusatzversicherungen abschließen.

Unterschied zwischen Bergung und Rettung

Muss jemand aus medizinischen Gründen mit dem Hubschrauber abtransportiert werden, spricht man von "Rettung". Ist der Hubschraubereinsatz aber nötig, weil der Unfallort anders nicht zu erreichen ist (Beispiel Skipiste), läuft der Einsatz unter "Bergung". Ein wichtiger Unterschied, der oft über die Kostenübernahme entscheidet. In Deutschland zum Beispiel ist der Rettungsflug eine Kassenleistung. Im Ausland hängt die Kostenübernahme für den Rettungsflug unter anderem von den Regelungen im Land selbst ab. Denn eine deutsche gesetzliche Krankenkasse übernimmt auch im Ausland nur Kosten für die Leistungen, die dort als Kassenleistung gelten. Das kann zum Beispiel beim Urlaub in Österreich zum Problem werden, dort ist ein Rettungsflug nämlich keine Kassenleistung. Bei der Bergung ist die Lage einfach: Sie ist generell meist keine Kassenleistung, eben so wenig wie ein Krankenrücktransport aus dem Ausland.

Empfehlenswerte Zusatzversicherungen

Stiftung Warentest empfiehlt für den Skiurlaub eine private Unfallversicherung, im Ausland zusätzlich auch noch eine Auslandskrankenversicherung. Oft (aber längst nicht immer) übernehmen beide Versicherungstypen die Kosten für eine Bergung. Die Unfallversicherung zahlt aber zusätzlich auch bei dauer­haften Gesundheitsschäden. Und die Auslandskrankenversicherung übernimmt Behandlungskosten, die die eigene Krankenkasse eventuell nicht trägt. Eine gute Unfallversicherung gibt es laut Stiftung Warentest für um die 130 Euro im Jahr, eine Auslandskrankenversicherung für unter 10 Euro. Unbedingt zu empfehlen ist in jedem Fall auch eine Privathaftpflichtversicherung, da man bei einem Skiunfall auch leicht einen anderen Skifahrer verletzten kann. Das bedeutet eine mögliche Haftung für Behandlung, Schmerzensgeld und Folgeschäden.

Wofür man eine Auslandskrankenversicherung braucht

Viele Auslandskrankenversicherungen kommen für Bergungskosten auf. Sie können aber selbst innerhalb Europas auch wichtig für Behandlungskosten sein. Eigentlich zahlt für eine Notfallbehandlung im europäischen Ausland ja die eigene gesetzliche Krankenversicherung. Man legt beim Arzt oder im Krankenhaus nur seine elektronische Versichertenkarte vor und füllt ein Formular aus. Allerdings gibt es trotzdem Einschränkungen. Die deutsche Krankenkasse zahlt nämlich nur die Leistungen, auf die die Versicherten in dem betreffenden Land ebenfalls Anspruch haben. Selbstbehalte und Zuzahlungen, die im Ausland üblich sind, müssen gesetzlich krankenversicherte Deutsche deshalb aus eigener Tasche zahlen. Noch teurer kann es werden, wenn am Urlaubsort nur ein Privatarzt oder eine Privatklinik verfügbar ist. Für deren Behandlung zahlt die deutsche Krankenkasse nicht, wohl aber die Auslandskrankenversicherung. Erst recht braucht man die Zusatzversicherung für Reisen außerhalb Europas, in Länder, mit denen kein Sozialversicherungsabkommen existiert. Hier ist die deutsche Kasse generell nicht zuständig.

Tipps für den Abschluss einer Auslandskrankenversicherung

Laut dem aktuellen Test von Stiftung Warentest kommt etwa die Hälfte der untersuchten Auslandskrankenversicherungen für Such- und Bergungskosten auf – allerdings in sehr unterschiedlicher Höhe. Fachleute empfehlen eine Deckungssumme von 10.000 Euro. Auch bei den Klauseln für einen Rücktransport sollte man genau hinschauen. Im Vertrag sollte stehen, dass die Versicherung die Kosten übernimmt, falls er "medizinisch sinnvoll und vertretbar" ist. Zahlt die Versicherung nur, falls der Rücktransport "medizinisch notwendig" ist, kann das problematisch werden. Denn die "medizinische Notwendigkeit" ist schwer nachzuweisen. Aus diesen Gründen sollte man den Anbieter sorgfältig auswählen. Versicherungen, die auf Reisebuchungsseiten im Internet quasi nebenbei angeboten werden, sind oft nicht die beste Wahl. Im höheren Alter werden oft auch die Versicherungsprämien teurer, oft um ein Mehrfaches. Es gibt auch Versicherungen ohne Alterszuschlag. Im Vordergrund sollten bei der Auswahl aber immer die Leistungen stehen.

Stand: 02.02.2016, 00:00