Ausgerechnet Brille: Was kostet eine Brille?

Ausgerechnet

Ausgerechnet Brille: Was kostet eine Brille?

Über 40 Millionen Menschen in Deutschland tragen eine Brille. Aber was kostet eine Brille und ist teuer auch immer gleich besser? Reporter Daniel Aßmann hat es ausgerechnet.

Den über 40 Millionen deutschen Fehlsichtigen stehen rund 12.000 augenoptische Fachgeschäfte zur Verfügung. Die Auswahl an Modellen ist erschlagend: Hornbrillen, Kunststoffbrillen, Metallbrillen, ohne Rand, halber Rand, oval, eckig, bunt oder einfarbig – alles ist möglich. Augenoptikerin Kerstin Herter aus Bornheim hat Modelle für 150 Euro, aber auch eine exklusive Unikatbrille für 3.000 Euro. Nur wie kommt dieser Preisunterschied zustande? Im Allgemeinen beeinflussen drei Faktoren den Preis einer Brille:

  1. das verwendete Material
  2. die Fertigungsart, denn Handarbeit „Made in Germany“ kostet mehr als Massenware aus Asien
  3. die produzierten Stückzahlen: Je höher die Stückzahl der produzierten Brillen, desto günstiger wird sie in der Regel

Ist teuer immer auch besser?

Im Netz kann man deutlich preisgünstigere Brillen bestellen. Noch billiger wird es beim Discounter. Diese Modelle sind zumindest aus preislicher Sicht unschlagbar. Aber wie sieht es aus medizinischer Sicht aus? Wir lassen Brillen vom Discounter und aus dem Internet von der Kölner Augenärztin Dr. de Ruiter unter die Lupe nehmen. Ergebnis: alle Brillen bestehen den Test. Es kommt hauptsächlich darauf an, für was die Brille benutzt wird. Geht es nur um eine Sehhilfe beim Lesen erfüllen die preisgünstigen Modelle aus dem Discounter und dem Internet absolut ihren Zweck. Probieren geht hier über studieren. Wenn die billigen Lesebrillen also helfen, hat die Augenärztin nichts dagegen. Aus medizinischer Sicht sind diese Modelle jedenfalls vollkommen unbedenklich. 

Wie werden Brillengläser hergestellt?

Produktionsleiter Manfred Popp aus dem hessischen Langen stellt seit über 30 Jahren Brillengläser her. Dabei gibt es folgende Arbeitsschritte:

  1. Schleifen
  2. Polieren
  3. Gravieren
  4. Reinigen

Auch bei den Gläsern gibt es verschiedene Wahlmöglichkeiten: Brillengläser mit nur einer Stärke oder Gleitsichtgläser. Letztere sind in der Herstellung deutlich aufwendiger und deshalb teurer. Die Dioptrienzahl beeinflusst den Preis einer Brille dagegen nicht. Da der Fertigungsschritt immer der gleiche ist, schlägt eine höhere Dioptrienzahl nicht preislich zu Buche. Anders sieht es natürlich bei Spezialanfertigungen aus.

Ein Brillenglasrohling vor der Bearbeitung

Ein Brillenglasrohling vor der Bearbeitung.

Made in Germany: Das Brillengestell

Jens Heinzerling ist gelernte Augenoptiker und Geschäftsführer einer Brillenmanufaktur in Köln und fertigt individuelle Brillengestelle von Hand. Dabei gibt es folgende Arbeitsschritte:

  1. Fräsen
  2. Schneiden
  3. Schleifen

All diese Arbeitsschritte kosten Zeit und damit Geld. Neben den verwendeten Materialien müssen natürlich auch die Arbeitsstunden gezahlt werden. Der Preis für das handgefertigte Brillengestell beträgt am Ende 398 Euro. Ein stolzer Preis, aber unter Berücksichtigung der aufwendigen Herstellung absolut gerechtfertigt. Viele Brillen werden aber in Fernost produziert. Da hier die Stückzahlen hoch sind, können die Brillen auch zu niedrigen Preisen verkauft werden. Ob man bereit ist für qualitativ hochwertige Materialien und die Produktion in Deutschland mehr zu zahlen oder sich für die preisgünstigere Variante aus Fernost entscheidet, ist letztlich jedem selbst überlassen.

Endergebniss

Daniel Aßmanns Beispielbrille hat 81 Euro gekostet. Der Materialwert liegt aber nur bei 10 Euro für die Gläser und 15 Euro für das Gestell.

Fazit

Die Preisunterschiede bei Brillen sind riesig. Von wenigen Euro bis mehreren tausend ist alles möglich. Nach oben hin gibt es keine Grenzen. Auswahlmöglichkeiten gibt es bei nahezu allem und das macht sich in aller Regel beim Preis bemerkbar. Aber wie Reporter Daniel Aßmann von einer Augenärztin erfahren hat, muss es nicht immer teuer sein, denn bereits die günstigen Modelle aus Discounter und Internet erfüllen ihren Zweck. Aus medizinischer Sicht sind die Billigbrillen vollkommen unbedenklich. Laut Statistik stammt fast die Hälfte aller augenoptischen Produkte aus Asien. Ob Sie sich für eine handgefertigte Brille „Made in Germany“ entscheiden oder für Massenware aus Fernost ist ihnen selbst überlassen.

Stand: 30.05.2016, 17:03