Schlechte Apfelernte: Das sind die Folgen

Neukirchen-Vluyn, Obstbaubetrieb in Blömersheim.

Schlechte Apfelernte: Das sind die Folgen

  • Apfelernte in NRW in etwa halbiert.
  • Obstbauern fürchten massive Einbußen.
  • Apfelpreise steigen.

Die Befürchtungen der Obstbauern sind eingetreten: Die Apfelernte in NRW ist durch den Frost im Frühjahr um etwa die Hälfte eingebrochen. Manche Apfel-Anbauer bangen um ihre Existenz. Das NRW-Landwirtschaftsministerium will Hilfszahlungen prüfen.

Die Situation hat auch Auswirkungen für die Verbraucher. Fragen und Antworten zum Thema.

Warum fällt die Ernte geringer aus?

Die Apfelblüten wurden im April durch Frost zerstört. "Entstanden sind die Schäden durch eine ungewöhnlich frühe Blüte", sagte Bernhard Rüb von der NRW-Landwirtschaftskammer dem WDR. "Ursache war also nicht Spätfrost, sondern es war vorübergehend ungewöhnlich warm für die Jahreszeit." Er gehe davon aus, dass es sich bei diesem Wetterereignis um eine Auswirkung des Klimawandels handele.

Auch das NRW-Landwirtschaftsministerium erkennt direkte Zusammenhänge: "Die Trendanalyse zeigt, dass sich die Apfelblüte in Nordrhein-Westfalen von 1951 bis 2015 um fast 14 Tage verfrüht hat. Dies entspricht etwa zwei Tagen pro Jahrzehnt."

Über den Zeitraum 1951 bis 2015 habe die Apfelblüte in NRW im Mittel am 120. Tag des Jahres (30. April) begonnen. 2014 sei das erste Jahr der Messreihe gewesen, in dem die Apfelblüte bereits vor dem 10. April (100. Tag im Jahr) begonnen habe, so das Ministerium.

Wie hoch ist der Schaden?

"Die Ernteschätzung für NRW geht von 58 Prozent Verlust aus", sagte Peter Muß vom Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauern dem WDR. Genaueres könne erst Ende Oktober gesagt werden. Verluste gebe es in ganz Deutschland. In der EU werde mit rund 20 Prozent Verlust gerechnet.

Gibt es regionale Unterschiede in NRW?

Die größten Einbußen habe der Westen von Nordrhein-Westfalen zu beklagen. "In der Region um Meckenheim bei Bonn wachsen nicht nur die meisten Äpfel, dort ist es auch wärmer als im Osten des Landes", sagte Bernhard Rüb von der NRW-Landwirtschaftskammer dem WDR. Deshalb seien die Verluste in Westfalen geringer.

"Die Höhe der Verluste sind zudem von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich", ergänzte Peter Muß vom Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauern. Nicht alle Betriebe seien mit Frostschutzanlagen ausgestattet, weil es nicht überall genügend Grundwasser gebe, um die Apfelbäume mehrere Nächte in Folge zu besprühen. Besonders im Raum Meckenheim fehle es an Grundwasser.

Eine Alternative zu den Frostschutzanlagen seien sogenannte Windmaschinen. "Propeller transportieren wärmere Luftschichten von oben nach unten", erklärt Muß. Weil diese Maschinen aber laut seien, dürften sie wegen Lärmschutzes nicht überall eingesetzt werden, etwa in der Nähe von Wohngebieten.

Wie wirken sich die Frostschäden auf das Apfelangebot aus?

"Durch den Ernte-Ausfall wird es schwieriger, im Handel bestimmte regionale Sorten zu erhalten", sagte Bernhard Rüb von der NRW-Landwirtschaftskammer dem WDR.

Der Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauer beruhigt: "Auch wenn einige Sorten in diesem Jahr knapp sind, kann in den kommenden Wochen aus dem Vollen geschöpft werden", sagte Peter Muß. "Dabei ist von knackig bis eher weich und von süß bis säuerlich alles zu haben."

Allerdings würden einzelne Sorten früher ausverkauft sein als in anderen Jahren. "Bei den Sorten Gala und Pinova hingegen dürfte kein Engpass entstehen", sagte Muß. "Diese bilden Blüten nach, deshalb ist der Rückgang nicht so massiv."

Werden Äpfel nun teurer?

"Die Preise werden steigen - wie stark ist allerdings noch nicht absehbar", sagte Bernhard Burdick von der Verbraucherzentrale NRW dem WDR. Das kleinere Angebot in NRW könne zum Beispiel durch internationale Importe ausgeglichen werden.

Bei Lebensmitteln herrsche in Deutschland ein verhältnismäßig geringes Preisniveau. "Eine Steigerung wird voraussichtlich nicht so dramatisch, dass man keine Äpfel mehr kaufen kann", sagte Burdick.

"In NRW wird ein großer Teil der Apfelernte von den Obstbauern direkt an die Verbraucherinnen und Verbraucher verkauft", teilte das NRW-Landwirtschaftsministerium dem WDR mit. "Bei dieser Direktvermarktung werden Preisaufschläge erfahrungsgemäß eher moderat weitergegeben, um die langjährige Bindung an die Kundinnen und Kunden nicht zu beeinträchtigen."

Erhalten die Apfel-Anbauern Unterstützungszahlungen?

Das NRW-Landwirtschaftsministerium hat Ende September nach eigenen Angaben bei der Agrarministerkonferenz einen Beschlussvorschlag eingebracht. Darin werde der Bund gebeten, den Frostschaden als "außergewöhnliches Naturereignis nationalen Ausmaßes" anzuerkennen und sich an Hilfen der Länder zu beteiligen.

"Unabhängig davon prüft das NRW-Landwirtschaftsministerium eigene Hilfen des Landes und strebt hierzu zeitnahe Entscheidungen an", heißt es in der Antwort an den WDR. Wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, wurde nicht mitgeteilt.

Stand: 10.10.2017, 14:10