Messe in Krefeld: Analoge akustische Männerspielzeuge

Messe in Krefeld: Analoge akustische Männerspielzeuge

Manchmal ist es besser, wenn die Liebste nicht alles weiß. Zum Beispiel, dass der Plattenspieler 15.000 und die Boxen 200.000 Euro kosten. Beim Analog-Forum Krefeld gibt es aber auch Günstigerers zu bestaunen und kaufen.

Andreas Donner auf dem Analog Forum Krefeld

HiFi-Sammler Andreas Donner aus Bochum hat die Schätzchen aus seinem Wohnzimmer mit nach Krefeld gebracht: einen "Micro"-Plattenspieler und einen "Yamaha"-Verstärker: "Beide sind aus den 1970er Jahren. Die Geräte sind absolut robust und haben eine exzellente Klangqualität", erklärt Donner und legt zum Beweis eine Platte von David Gilmour auf. Der kleine Raum füllt sich ruckzuck mit Neugierigen.

HiFi-Sammler Andreas Donner aus Bochum hat die Schätzchen aus seinem Wohnzimmer mit nach Krefeld gebracht: einen "Micro"-Plattenspieler und einen "Yamaha"-Verstärker: "Beide sind aus den 1970er Jahren. Die Geräte sind absolut robust und haben eine exzellente Klangqualität", erklärt Donner und legt zum Beweis eine Platte von David Gilmour auf. Der kleine Raum füllt sich ruckzuck mit Neugierigen.

Natürlich spielt Musik die Hauptrolle beim Analog-Forum in Krefeld. Die zweitägige Veranstaltung (29. - 30. Oktober 2016) ist eine Mischung aus Messe, Museum, Plattenbörse, Plattform für Erfinder, Treffpunkt für die Analog-Szene. Es sind mit rund 100 Händler vertreten und es gibt zahlreiche Workshops.

Zum 30. mal findet das Event statt, das jedes Jahr rund 2.000 Besucher aus ganz Deutschland und den Nachbarländern an den Niederrhein lockt. Es wird gefachsimpelt, gehandelt und viel Musik gehört - von Jazz und Klassik bis hin zu Elektronik und Heavy Metal. Der Eintritt ist frei.

Charmant: Das Forum findet in einem Hotel statt und die Aussteller präsentieren ihre Produkte in den Zimmern. Das sorgt zwar schon mal für kleine Staus, aber auch für eine gemütliche Atmosphäre. Ausrichter des Forums ist der in Oberhausen ansässige Verein Analogue Audio Association (AAA), der rund 900 Mitglieder hat.

Rainer Bergmann, hier im Gespräch mit Thea Riemann, ist der Vorsitzende des Vereins und kennt die Szene bestens: "Analog-Liebhaber sind bereit, viel Geld auszugeben. Das ist ein männerdominiertes Hobby, wobei es bei den Herstellern einige sehr erfolgreiche Frauen gibt." Zum Beispiel Thea Riemann, die sich auf sogenannte audiophile Architektur spezialisiert hat.

"Der Raum entfaltet den Klang - manche sagen bis zu 80 Prozent. Wir stimmen Klang, Mensch und Raum individuell aufeinander ab", sagt Thea Riemann, die Wände, Decken und Böden mit Absorbern, Diffusoren und Resonatoren für den optimalen Klang gestaltet. Übrigens nicht nur für Musikliebhaber: "Wir richten gerade das Restaurant eines Mainzer Sternekoches ein".

Ebenfalls am optimalen Sound tüftelt Norbert Gütte seit 1990. In seiner Bochumer Schreinerei produziert er Lautsprecher und HiFi-Möbel. Sein Steckenpferd sind historische Lautsprechergehäuse aus Frankreich.

Diese beiden schicken Boxen gibt es schon für 20.000 Euro, die unscheinbare Endstufe - der schwarze Klotz in der Mitte - kostet stolze 39.000 Euro. Das alles zusammen vermittelt laut Hersteller dem Zuhörer das absolute Konzert-Live-Gefühl vom Sofa aus.

Boxen alleine klingen nicht - man braucht auch einen Plattenspieler. Rainer Horstmann ist Plattenspielererfinder aus Lippstadt. Er hat unter anderem den teuersten Plattenspieler der Welt für 500.000 Euro entwickelt. "An dem arbeite ich immer noch. Die Erfahrungen, die ich bei der Entwicklung gemacht habe, sind in diesen Tangentialarm eingeflossen", erklärt Horstmann. Dieser Plattenarm kostet auf der Messe 32.000, sonst 42.000 Euro - also nur der Arm!

Ein solch kleines Gerät zum Drehen des Plattentellers - eine sogenannte Antriebseinheit - kostet 4.900 Euro und ist nicht mehr ganz analog, sondern am Computer programmierbar.

Tolle neue Technik, aber Michael Fehlauer vom Verein AAA hat sein Herz an die Designklassiker des vergangenen Jahrhunderts verloren. "Die sind um einiges günstiger als die neuen Geräte und sie haben einen fantastischen Klang", sagt Fehlauer.

Sein Plattenspieler der Marke Micro aus den 1970er Jahren ist unter Kennern "eine Ikone" - steht sogar im Museum of Modern Art in New York. Es ist der erste Plattenspieler ohne Gehäuse, an dem drei Tonarme befestigt werden können.

Alte und neue analoge Technik lässt sich übrigens bestens miteinander kombinieren - wie hier das alte Tonbandgerät und der neue Verstärker.

Apropos Tonbänder: "Die sind wieder absolut im Kommen", weiß Uli Apel, Urgestein in der Analog-Szene, Rundfunk- und Fernsehtechniker, Diplom-Ingenieur und Mitglied des gastgebenden Vereins AAA.

Apel: "Ganz günstig sind die allerdings nicht. Schon das Leerband kostet etwa 50 Euro, die Gema-Abgaben sind um ein Vielfaches höher als bei Platten oder CDs und die Herstellung erfolgt in Echtzeit." Auf der Messe werden Bänder zu "Schnäppchenpreisen" von rund 100 Euro angeboten.

Um einiges günstiger sind die hier angebotenen Schallplatten. Das Stöbern in den Boxen ist eine beliebte Beschäftigung bei den Herren. Und wo sind die Damen? Tatsächlich ist der überwiegende Teil der Besucher hier männlich und mittleren bis höheren Alters.

Maria Donner und Astrid Schwäbe haben sich für die "mitgeschleppten" Damen etwas besonderes ausgedacht: eine besinnliche musikalische Auszeit mit schöner Musik, gespielt auf absoluten Spitzengeräten - ganz ohne technisches Gequatsche. Schwäbe: "Mein Mann stellt uns an beiden Tagen für je eine Stunde seinen Ausstellungsraum zur Verfügung. Unter dem Motto 'Listening for Ladies' können sich die Frauen hier gemeinsam entspannen."

Stand: 29.10.2016, 16:45 Uhr