Allergien bei Kindern

Es wird ein Allergietest auf einem Arm gemacht

Allergien bei Kindern

Von Nico Rau

Allergien nehmen seit der Mitte des letzten Jahrhunderts deutlich zu – weltweit, aber vor allem in den westlichen Industrienationen. Woran das genau liegt, kann die Wissenschaft bisher nicht sagen.

Als Gründe werden übertriebene Hygienestandards, zunehmende Umweltverschmutzung, aber auch falsche Ernährungsweisen vermutet. Die richtige Ernährung kann deshalb das Allergierisiko beeinflussen. Aber wie sieht die aus? Die Empfehlungen haben sich für Babys und Kleinkindern in der letzten Zeit verändert.

Kinder und Jugendliche sind stark betroffen

18 Prozent der Kinder und Jugendliche sind von Allergien wie Heuschnupfen, Neurodermitis, Asthma, aber auch verschiedenen Nahrungsmittelallergien betroffen. Dabei entwickeln Kinder aus Risikofamilien (in denen Eltern ebenfalls Allergiker sind) deutlich häufiger eine Allergie: jedes vierte Kind erkrankt hier. Bei nicht Risikofamilien ist jedes zehnte Kind betroffen (Quelle: Allergieatlas DGAKI, 2009).

Empfehlungen für das Stillen

Stillen ist grundsätzlich die optimale Ernährung für Babys in den ersten Monaten, weil die Muttermilch perfekt auf die Nährstoff-Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt ist. Jüngste Studien zeigen darüber hinaus, dass durch das Stillen das Risiko für bestimmte Allergien reduziert werden kann. Eine zentrale Rolle kommt dabei der Entwicklung des Immunsystems des Babys zu. Dieses muss erst lernen, welche körperfremden Substanzen harmlos und welche gefährlich für den Körper sind. Allergien sind Überreaktionen des Systems gegen eigentlich harmlose Substanzen (Allergene wie Nüsse, Weizen oder Fisch). Durch die Muttermilch bekommt das Baby so genannte Immunglobuline, die ihm beim Aufbau des Immunsystems helfen. Sie sorgen beispielsweise für eine raschere Reifung der Darmflora, die wiederum eine entscheidende Rolle für das Immunsystem und die Abwehrkräfte spielt.

Allergien bei Kindern vorbeugen

WDR 2 Quintessenz | 17.05.2017 | 03:39 Min.

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Positiv: Allergene über die Muttermilch

Zudem kommt das Baby über die Muttermilch mit verschiedenen Allergenen in Berührung, die die Mutter zu sich genommen hat. Diese Reize wirken sich aber offenbar nicht negativ, sondern positiv aus. Isst die Mutter beispielsweise Erdnüsse, dann lernt das Immunsystem des Babys diese Allergene kennen und kann trainieren, mit ihnen umzugehen. Mütter sollten sich deshalb ausgewogen und vielfältig ernähren und nicht auf bestimmte Lebensmittel verzichten.

Empfehlungen für die Beikost des Babys

Die Beikost sollte frühestens zu Beginn des fünften und spätestens zu Beginn des siebten Monats eingeführt werden. Denn zu diesem Zeitpunkt entwickelt das Baby einen erhöhten Nährstoffbedarf, der durch die Muttermilch allein nicht abgedeckt werden kann. Außerdem geht die Forschung davon aus, dass Babys in dieser Phase ein so genanntes Toleranzfenster haben. In dieser Zeit kann das Immunsystem des Babys lernen, mit allergieauslösenden Substanzen umzugehen, ohne dabei eine Überreaktion hervorzurufen. Neuere Studien haben gezeigt, dass – entgegen der früheren Auffassung - der Verzicht oder die verzögerte Einführung bestimmter allergener Lebensmittel bei Risiko-Kindern keine präventive Wirkung haben. Es gibt also keine gesonderten Empfehlungen bei der Ernährung von Kindern mit höherem Allergierisiko.

Gesund und abwechslungsreich

Generell gilt: Die Beikost sollte ausgewogen und gesund sein und auch schon fettreichen Fisch enthalten (grätenfrei und püriert), denn hier gibt es Hinweise auf schützende Effekt vor Allergien. Neue Nahrungsmittel sollten Schritt für Schritt mit einwöchigem Abstand eingeführt werden, um die Verträglichkeit beobachten zu können. Das Baby sollte zudem zuerst mit gut verträglichen Lebensmitteln in Kontakt gebracht werden. Zeigt das Baby Symptome wie juckende rote Haut, Ausschlag oder Husten, sollte in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden, um eine Allergie auszuschließen.

Stand: 17.05.2017, 00:00