Nur Spielzeug

Alkohol-Selbsttest

Alkohol-Selbsttester

Nur Spielzeug

Autofahren und Alkoholkonsum – für viele ist dieser Konflikt in der Karnevalszeit besonders groß. Manch Autofahrer glaubt, beides – im Sinne der Verkehrstauglichkeit – durch Promilletester kontrollieren zu können. Doch was taugen diese kleinen Geräte? Und helfen sie wirklich?

"Bitte mal pusten!"

In dem Fall nicht in der Verkehrskontrolle, sondern direkt in der Kneipe oder auf der Party. Die kleinen Messgeräte lassen sich bequem in die Hemd- oder Jackentasche stecken. Will man die Promillezahl überprüfen, pustet man in das Mundstück an dem kleinen Gerät. In der Regel mindestens zwanzig Minuten nach dem letzten Getränk. Auf dem Display steht dann, wie viel Promille aktuell im Blut sind.

Ab 10 Euro

Die Preise für die Geräte sind sehr verschieden – sehr! Es geht los bei wenigen Euro, zum Beispiel in Form von Schlüsselanhängern mit integrierter Testfunktion. Tester, die auch wirklich nach Testern aussehen – also etwa so, wie man sie vielleicht schon aus der Polizeikontrolle kennt – gibt es dann ab etwa zehn Euro. In der Preisspanne zwischen zehn und fünfzig Euro tummeln sich ganz viele Geräte. Mehr Geld wollen viele dafür auch nicht ausgeben. Obwohl sie es durchaus könnten: Die Preisspanne der frei käuflichen Promilletester geht im Internetverkauf bis über 400 Euro. Dann hat man Geräte, die zum Beispiel als "der kleine Bruder des Polizeimessgeräts" angepriesen werden. Wenngleich die Polizei selbst für ihre Geräte mitunter auch vierstellige Summen ausgibt.

Eher ein Spielzeug

Bei dieser Preisspanne ist die Frage "Was taugen die eigentlich?" mehr als berechtigt. Johann Markus Hans vom Polizeitechnischen Institut der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster hat vor allem die billigeren Geräte mal unter die Lupe genommen. "Die Geräte sind im Grunde alle meistens ungenau", so sein ernüchterndes Fazit. Die Tests mit den Geräten hätten teilweise enorme Abweichungen ergeben, im Vergleich zu den Messgeräten der Polizei. "Viele, die da gemeint hätten, sie seien unterhalb der Promillegrenze gewesen, wären locker drüber gekommen", fasst Hans seinen Test zusammen. Auch viele Käufer solcher Geräte berichten in ihren Rezensionen im Internet von diesen Ungenauigkeiten. Außerdem geben einige von ihnen an, dass die Geräte in der Preislage unter 50 Euro gerne auch mal zwei ganz unterschiedliche Promillezahlen innerhalb weniger Sekunden zeigen würden. Oder immer wieder null Promille, trotz Alkoholkonsum unmittelbar davor.

Wartungskosten bei teuren Geräten

Die teureren Geräte, wie sie zum Beispiel die Hersteller ACE, Datech oder TrendMedic verkaufen, sind da schon präziser in ihren Angaben, wie verschiedene Tests ergaben. Aber eine hundertprozentige Genauigkeit gibt es auch hier nicht. Ein Manko zudem bei den teureren Geräten: Sie müssen regelmäßig neu eingestellt, also kalibriert werden. Dazu muss man sie beim Hersteller einschicken. Das Kalibrieren kostet dann auch nochmal um die 40 Euro.

Mehr Promille dank Tester?

Ungenauigkeiten und hohe Kosten für halbwegs gute Promilletester sind für die Polizei, die Verkehrswacht NRW und auch für den ADAC ohnehin nur nebensächlich. Sie alle raten vom Gebrauch dieser Geräte ab – egal wie gut sie sind. "Diese Tester verführen Autofahrer nur dazu, sich an eine Promillegrenze heranzutrinken", so Peter Meintz vom ADAC Westfalen. Generell – und so formulieren es alle Experten – bleibe es bei der Generalregel: Wer Auto fährt, lässt die Finger vom Alkohol. So sagen es auch Verkehrsrechtsexperten, die zudem darauf aufmerksam machen, dass die Ergebnisse der Promilletester keinerlei juristische Bedeutung hätten. Am Ende gilt nur der Wert, den die Polizei misst. Egal wie hochwertig der Promilletester ist.

Stand: 27.01.2016, 00:00