Rauchen darf nicht wieder zur Gewohnheit werden

Ein Junge raucht E-Shisha

Keine E-Shishas mehr für Kinder

Rauchen darf nicht wieder zur Gewohnheit werden

Was haben E-Zigaretten und Schokolade gemeinsam? Kinder können sie problemlos kaufen. In der kommenden Woche will der Bundestag ein Verkaufsverbot beschließen. Warum das selbst bei nikotinfreien E-Zigaretten sinnvoll ist, erläutert Karin Franke von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung in NRW.

"Leben ohne Qualm" heißt das Projekt, das Karin Franke für die Landeskoordinierungsstelle NRW leitet. Gemeinsam mit ihren Kollegen klärt die Diplom-Sozialwissenschaftlerin Kinder und Jugendliche im Land auf, welche Gefahren von Tabak und anderen Drogen ausgehen. Auch die elektronischen Alternativen zur Zigarette und Shisha werden von ihnen thematisiert.

WDR: Warum muss der Verkauf von E-Zigaretten und E-Shishas an Kinder und Jugendliche verboten werden, denn diese Produkte enthalten doch keinen Tabak?

Karin Franke

Karin Franke

Karin Franke: Es gibt vom deutschen Krebsforschungsinstitut Studien, die belegen, dass die E-Produkte nicht ungefährlich sind, vor allem wenn Kinder und Jugendliche mit Asthma vorbelastet sind oder andere chronische Atemwegserkrankungen haben. Die Zusammensetzung der flüssigen Aromen, die Liquids, ist unklar und Inhaltsstoffe sind oft nicht hinreichend deklariert. Gefährlich sind unter anderem die Propylenglykol-Dämpfe, die bei den E-Produkten entstehen. Deshalb muss man bei dieser Altersgruppe die Augen besonders gut aufmachen. Das Propylenglykol gibt es zwar auch in Diskotheken, wo es als Nebel zum Einsatz kommt, aber in einer ganz anderen Konzentration.

WDR: Zurück zu den E-Produkten. Da arbeiten Sie ebenso präventiv wie beim Tabak. Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen beiden?

Franke:  Bei der Prävention geht es uns darum, das Nichtrauchen zu fördern. Das heißt, dass wir nicht nur die medizinischen Folgen im Blick haben, sondern wir gucken, warum Kinder und Jugendliche zur Zigarette greifen, oder auch zu E-Shishas oder zu E-Zigaretten. Die elektronischen Zigaretten sind bei Kindern weniger beliebt als bei älteren Jugendlichen. Insgesamt befürchten wir aber, dass durch die E-Produkte das Rauchen durch die Hintertür wieder etabliert wird, wo wir doch gerade in der Situation sind, dass die Zahl der Raucher stark rückläufig ist.

WDR: Wie funktioniert dieser Mechanismus aus Ihrer Sicht?

Franke: Es schleicht sich eine automatisierte Verhaltensweise ein, den Kinder und Jugendliche meist mit Unterstützung von Vorbildern erlernen, wenn sie beispielsweise ihre Gefühle regulieren möchten. Wenn es um Nervosität oder Anspannung geht, werden gezielt die Zigarette und der Tabak eingesetzt, um diese Gefühle zu kontrollieren. Dies ist ein wichtiger Teil des Problems.

WDR: Wird durch ein Verbot der E-Zigaretten und Shishas deren Gebrauch für Jugendliche und Kinder nicht gerade besonders reizvoll?

Franke: Ja, Verbote alleine befördern das Nichtrauchen bei Jugendlichen nicht. Ich selbst arbeite ja in der Prävention. Unsere Fachleute informieren dort die Kinder gezielt zum Thema Tabak aber auch über E-Zigaretten und E-Shishas. Uns ist es deshalb ganz wichtig, dass wir nicht nur über Verbote sprechen.

WDR: Wie genau erklären Sie Kindern und Jugendlichen die Gefahren der E-Zigaretten und Shishas?

Katja Franke: Das versuchen wir hauptsächlich auf spielerische Art und Weise. Als Einstieg in das Thema benutzen wir auch mal eine Aging-Software, die den Kindern und Jugendlichen zeigt, wie sie in zwanzig Jahren aussehen würden, wenn sie rauchen. Die Kids finden das dann auch ganz dramatisch und sind erst mal geschockt. Sie durchlaufen einen Parcours, wo sie etwa über die Schadstoffe aufgeklärt werden. Meine Kollegen stehen bereit, um das alles zu erklären. Dann gibt es eine Entspannungsstation, die den Kindern deutlich macht, dass sie aus eigener Kraft entspannen können und dazu nicht zur Zigarette greifen müssen.   

WDR: Nun wird der Verkauf an Jugendliche untersagt, aber die Verlockungen durch die Werbung sind weiter gegeben. Was unternehmen Sie dagegen?

Katja Franke: Eine umfassende Beschränkung der Werbung wäre sicherlich sinnvoll, ist aber gerade dort nicht möglich, wo E-Zigaretten und E-Shishas verkauft werden. Im Kino oder im Fernsehen sehen die Kinder und Jugendlichen nichts davon, aber im Kiosk neben der Schule hängt die ansprechende, bunte Reklame. Das ist nicht gut. Das Thema Werbung wird von uns in der Prävention mit behandelt. So lassen wir die Kids vor einer Plakatwand ohne Marke bewerten, was ihnen da vermittelt wird. Welche Gefühle und Sehnsüchte über die Reklame bei ihnen angesprochen werden. Das ist ein Teil unserer Aufklärung.

WDR: Heißt das für Sie, es muss bei E-Zigaretten und E-Shishas die gleichen Werbeverbote geben, wie sie in den nächsten Jahren für den Tabak geschaffen werden?

Katja Franke: Ja, das sehe ich eindeutig so. Das wird sicherlich schwierig werden, weil es schon bei den strengeren Werbebeschränkungen für Tabakprodukte große Widerstände gab. Bei den neuen E-Produkten ist zwar kein Tabak im Spiel, aber eine ganze Reihe von anderen Stoffen, wie Aromen. So sollen Geschmacksrichtungen, wie etwa Cappuccino gezielt Kinder und Jugendliche ansprechen, weil sie gut bei ihnen ankommen. Da muss sich auch beim Jugendschutz etwas tun, wo ja bislang nur der Begriff Tabak in diesem Zusammenhang auftaucht. Ich glaube, dass tabakähnliche Produkte wie E-Zigaretten und E-Shishas künftig auch Eingang ins Jugendschutzgesetz finden werden.

Das Interview führte Robert Franz.

Stand: 23.01.2016, 06:00