Wunderbare Fußballwelten

Arnd Zeigler vor einer Weltkugel aus Fußballrasen

Wunderbare Fußballwelten

Die 30-minütige Jubiläumsausgabe am 10. September um 22.15 Uhr im WDR Fernsehen zeigt die schönsten Highlights aus zehn Jahren. Zu sehen sind die spaßigen Fake-Interviews mit Jürgen Klopp, Zeiglers knallharte Trainingseinheiten unter dem früheren Werder-Trainer Thomas Schaaf sowie die ewige Suche nach dem heiseren Peter-Meyer-Fan aus dem Jahre 1966 („Ei, ei, ei, ei, ei!“). Vom 20. August an nehmen Arnd Zeigler und sein Team wie gewohnt die Fußball-Bundesliga aufs Korn.

Der WDR betrat Fernsehneuland, als Arnd Zeigler am 13. August 2007 erstmalig in seine wunderbare Welt des Fußballs eintauchte: Der Lieblingssport der Deutschen mal aus ganz anderer Perspektive abgebildet – humorvoll, provokant, fanorientiert und gesendet aus seinem privaten Arbeitszimmer in Bremen – das war zunächst ein Wagnis. Christian Schyma sprach mit Moderator Arnd Zeigler über zehn erfolgreiche Fußballjahre.

323 Sendungen – bedeutet das auch 323 schlaflose Nächte?

Arnd Zeigler: Eigentlich nicht. Das grobe Gerüst der Sendung erarbeiten wir unter der Woche – mit ein oder zwei Fixpunkten. Den letzten Feinschliff gibt es dann am Sonntag. Manche Ideen haben wir oft erst eine Stunde vor der Sendung. Vieles wird noch umgeworfen, nichts ist in Stein gemeißelt, wir improvisieren viel. Glücklicherweise ticken wir in unserem Team alle ähnlich. Das ist zuweilen schon etwas schrullig und "nerdig". Permanent lese ich alte skurrile Fußballzeitschriften, jage auf Flohmärkten oder im Internet alten Erinnerungsstücken nach. Schlaflos sind dann eher die Nächte nach der Sendung. Dann geht’s mit den Kollegen zum Flippern in die Kneipe, um nach dem oft sehr intensiven Sendetag gemeinsam runterzukommen.

Wie sieht der Tagesablauf an einem Zeigler- Sonntag aus?

Aktenzeigler Leverkusen

Aktenzeigler Leverkusen

Zeigler: Sehr ritualisiert mittlerweile. Vor allem wichtig: Viel schlafen, man muss ausgeruht in den Tag gehen. Wenn alle Zuschauer schläfrig werden und ins Bett gehen, müssen wir fit sein. Am Nachmittag geht es in die heiße Phase der Vorbereitung, inklusive Telefonaten mit dem Redakteur und Rechercheteam in Köln. Und dann fangen wir an, richtig zu spinnen. Geistiger Vater des Formats war Christian Wagner, das aktuelle Redaktionsteam vor Ort bilden Dominik Dünwald, Boris Inanici, Alexander Reker und Amelie Herberg, unterstützt vom Social-Media-Team mit Nora Hespers und Lovis Binder. Nicht zu vergessen mein Techniker Frank Jacobsen, der sich um Set, Ton, Bildschnitt, Leitungsaufbau und vieles mehr kümmert und sehr viele tolle Leute, die in Köln zum Gelingen beitragen. Ganz wichtig ist dabei auch unser wundervolles Social-Media-Team. Inzwischen ist die Sendungsvorbereitung aber deutlich entspannter als früher:

Anfangs haben wir das Studio in meiner Wohnung aufgebaut, sind auf Socken durch die Zimmer gelaufen, um meinen kleinen Sohn nicht aufzuwecken. Als wir vor fünf Jahren wegen Eigenbedarfs ausziehen mussten, haben wir um die Ecke ein ganzes Haus gefunden, in dem man sich entspannt ausbreiten konnte. Da kann jetzt unten die Technik dauerhaft stehen bleiben.

Was waren Ihre persönlichen Highlights in den zehn Jahren?

Zeigler: Da gibt es natürlich einige. Wie das nachgespielte Aílton-Tor, der Besuch von Diego in der Sendung oder die Interviews mit Jürgen Klopp. Der enge und persönliche Umgang mit Leuten, die Fußballgeschichte geschrieben haben, hat etwas sehr Heimeliges.

Sie sind Mitglied in der Deutschen Akademie für Fußballkultur. Wie hat sie sich in den vergangenen zehn Jahren verändert? Und wie sieht die Fußballkultur im Jahre 2027 aus?

Arnd Zeigler mit Remscheid-Schal

Zeigler: Es ist immer eine Gratwanderung: Man sollte den Fußball ernst nehmen, aber niemals wie eine Religion behandeln. Ein Abstieg ist etwas Schlimmes, aber letztendlich geht es dann doch "nur" um Fußball. Zuletzt war in Sachen Fußball medial zuweilen eine Übersättigung erkennbar, deshalb muss man im Kopf beweglich bleiben und mit diesem tollen Spiel phantasievoll und nach Möglichkeit sinnlich umgehen.

Unser Anspruch ist es, jede Woche aus dem Fußball all das herauszuholen, was daran schön ist, anrührend, skurril, emotional, widersprüchlich, atemberaubend, erschütternd, euphorisch. Wenn man dem Fußball Raum für seine Emotionalität lässt, kann man sich als Sendung auch behaupten. Schlimm wird es, wenn man den Fußball nach einem Schema überroutiniert und lieblos abwickelt, mit Phrasen und Klischees hantiert, ein Produkt verkauft, statt den Fans ins Fußballherz zu schauen und bei alledem hofft, der Zuschauer merkt es nicht. Der merkt es aber doch.

Dies ist eine gekürzte Fassung. Das komplette Interview mit Arnd Zeigler finden Sie in der aktuellen Ausgabe von WDR print.

Stand: 11.08.2017, 15:54