Syrischer Praktikant Nabil Dekki: Nichts ist unmöglich

Nabil Dekki, syrischer Praktikant

Syrischer Praktikant Nabil Dekki: Nichts ist unmöglich

Von Christoph Pierschke

"Ich muss fleißig Deutsch lernen, das ist der Schlüssel für alles hier", sagt Nabil Dekki. Der 36 Jahre alte Flüchtling aus Syrien war eine Woche lang als Praktikant bei der "Sendung mit der Maus". Nach dem Abitur in Syrien spielte Dekki professionell Basketball und wollte Schauspiel und Regie studieren. Ein Unfall aber zerstörte alle seine Träume. Querschnittsgelähmt sitzt er seitdem im Rollstuhl.

"In Syrien gibt es nicht sehr viele Möglichkeiten für Behinderte. Aber ich finde die Bezeichnung 'people with special needs' besser", sagt Nabil. Also etwa "Menschen mit besonderen Bedürfnissen". Kaum jemand von ihnen gehe in Syrien arbeiten - und das nicht erst seit Beginn des Bürgerkriegs.

Nabil aber wollte unbedingt etwas machen, arbeiten gehen, ein möglichst normales Leben, wenn auch im Rollstuhl führen. So kümmerte er sich viele Jahre als Online-Redakteur in Aleppo um die Website der syrischen Behindertenorganisation "Special Needs People", berichtete über deren Veranstaltungen. Außerdem gründete er mit zwei Freunden ein Webradio, sendete via Internetstream von zu Hause aus und kooperierte mit einer lokalen Rundfunkstation in Aleppo.

Der Bürgerkrieg aber setzte seinen Ambitionen ein Ende. Er flüchtete zunächst in den Libanon, von wo aus er durch die UN-Flüchtlingshilfe offiziell nach Deutschland gebracht wurde. "Am 25. April 2015 bin ich in Hannover gelandet", weiß Nabil noch ganz genau. In Deutschland kann er schon bald nach Rösrath ziehen, wo seine Cousine mit ihrem Ehemann seit Jahren lebt.

"Nabil und ich haben uns bei einem Konzert in der Kölner Philharmonie kennengelernt", erinnert sich Bergit Fesenfeld, Schwerbehindertenbeauftragte des WDR, an ihre Begegnung mit Dekki im vergangenen Jahr. "In der Pause hat er mir die Geschichte seiner Flucht aus Syrien erzählt und auch über seinen tragischen Unfall gesprochen. Sein Wunsch war es, jemanden zu treffen, der in den Medien arbeitet. Da habe ich ihm meine Visitenkarte gegeben."

Sendung-mit der Maus-Redaktion mit Nabil Dekki, syrischer Praktikant

Am Ende der Woche ist Nabil Dekki viele Erfahrungen reicher. Außerdem ist er begeistert, wie er von den Kolleginnen und Kollegen im WDR aufgenommen wurde. "Ich werde hier wie ein normaler Mensch behandelt", sagt er. Dekki hat die Redaktion bei der Sendungsplanung begleitet, den Maus-Zeichnern über die Schulter geguckt und die Sendung als Ganzes kennen gelernt.

"Ich habe viele neue Anregungen beim WDR dafür bekommen, was ich in Zukunft machen könnte", blickt Dekki auf seine Praktikumswoche zufrieden zurück. Und vielleicht ergibt sich schon bald eine Gelegenheit für ihn, bei "WDR for you" mitzuarbeiten. Bis dahin trainiert Dekki sein Deutsch – getreu seinem Lebensmotto: "Es ist schwierig für mich, aber wenn man sich Ziele steckt und daran arbeitet, ist nichts unmöglich."

Stand: 20.02.2017, 17:44