FAQ zur Doku "Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa"

Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa

FAQ zur Doku "Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa"

Von WDR Presse und Information

Weitere Informationen des WDR zur Dokumentation "Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa" als FAQ.

Wie wichtig ist dem WDR das Thema Antisemitismus?

Die journalistische Aufarbeitung von Antisemitismus ist uns ein wichtiges Anliegen. Der WDR berichtet seit Jahren über Antisemitismus. In dieser Tradition haben wir ARTE den Film "Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa" angeboten und ihn für ARTE produzieren lassen. Ganz aktuell ist beispielsweise für den Herbst 2017 eine Dokumentation im WDR Fernsehen über Antisemitismus aus der Perspektive jüdischer Gemeinden in NRW geplant.

Um welche Dokumentation geht es?

Der deutsch-französische Kultursender ARTE hat im April 2015 eine vom WDR angemeldete Produktion mit dem Titel "Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa" genehmigt. Es handelte sich um eine reine Auftragsproduktion des WDR für ARTE. Die ARTE-Redaktion im WDR hat die Dokumentation betreut.

Die 90-minütige Dokumentation sollte einen Überblick über den erstarkten Antisemitismus in Europa geben und dabei den Blick auf verschiedene europäische Länder werfen.

Der Film ist ARTE im Dezember 2016 vorgelegt worden. Der Sender hat sich nach Sichtung entschieden, ihn nicht in seinem Programm auszustrahlen.

Warum hat ARTE den Film zunächst nicht ausgestrahlt?

Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit der verschiedenen Mitgliedsanstalten gibt es für ARTE besondere Regeln – so muss das Projekt einer ARTE-Redaktion von der so genannten Programmkonferenz bei ARTE genehmigt werden.

In diesem Fall war von der ARTE-Programmkonferenz ein Film zum Antisemitismus in Europa genehmigt worden, bei dem ein Querschnitt verschiedener europäischer Länder vorausgesetzt war. Geliefert wurde jedoch ein Film, der das Thema Antisemitismus in Europa nur in Teilen behandelt und stattdessen einen Schwerpunkt auf die Situation im Nahen Osten legt. Damit weicht die Dokumentation deutlich von dem angemeldeten Programmvorschlag ab und erfüllt den von ARTE genehmigten Auftrag nicht. ARTE hat die Ausstrahlung vor diesem Hintergrund abgelehnt.

Nach der Entscheidung des WDR und der ARD, den Film am 21. Juni im Abendprogramm zu zeigen, gab  ARTE am 20. Juni bekannt, den Film am selben Abend wie das Erste zeitversetzt ausstrahlen zu wollen.

Warum hat der WDR den Film zunächst nicht ausgestrahlt?

Der Film war zunächst einmal eine Auftragsproduktion für ARTE und nicht für das WDR-Programm konzipiert. Die Erstausstrahlungsrechte lagen deswegen exklusiv bei ARTE. Nun liegen sie bei uns.

Nach der Ablehnung durch ARTE haben wir den Film einer erneuten Sichtung unterzogen. Dabei sind journalistisch handwerkliche Mängel entdeckt worden. Es folgte eine intensive Prüfung, in der wir zu dem Schluss kamen, dass die Dokumentation den journalistischen Standards des WDR nicht entspricht.

Beispielsweise wurden Personen oder Organisationen, gegen die im Film Vorwürfe erhoben wurden, nicht um Stellungnahmen gebeten.  Darüber hinaus sind in der ursprünglich gelieferten Fassung Persönlichkeitsrechte verletzt worden.

Wird der WDR die Dokumentation dann später veröffentlichen?

Selbstverständlich haben wir ein großes Interesse, die Dokumentation zu veröffentlichen, sofern die darin getroffenen Behauptungen und Informationen belegt und journalistisch sorgfältig geprüft sind. Ob und in welcher Form eine solche Veröffentlichung möglich ist, werden wir nach gründlicher Prüfung entscheiden.

Warum senden Sie den Film jetzt doch?

Die Diskussion um den Film hat ein großes öffentliches Interesse ausgelöst. Wir wollen mit unserer Ausstrahlung allen ermöglichen, sich ein komplettes Bild zu machen. Wir wollen auch transparent darlegen, warum wir diesen Film bislang nicht gesendet haben. Auf alle aus unserer Sicht kritischen Punkte weisen wir begleitend im Netz hin: doku-faktencheck.wdr.de.

Warum wird jetzt ein bearbeiteter Film gezeigt?

Der Film wird im Ersten nun in einer durch den Produzenten leicht gekürzten Fassung ausgestrahlt, da es Passagen gab, die das Persönlichkeitsrecht verletzten. Wir haben sichergestellt, dass juristisch problematische Passagen des Films bearbeitet und eingeordnet wurden. Wir thematisieren im Rahmen des Fernsehabends unsere Bedenken, die das journalistische Handwerk betreffen. Auf alle Fragestellungen weisen wir im Netz hin.

Warum wurde der Film in seiner ursprünglichen Fassung im WDR so abgenommen?

Wir arbeiten momentan auf, wie es dazu kommen konnte. Nach der Ablehnung durch Arte wurde der Film vom WDR erneut begutachtet. Wir bedauern, dass der Film in dieser Form Arte angeboten wurde.

Stand: 21.06.2017, 21:51