Deutscher Sozialpreis würdigt drei WDR-Produktionen

Anhalter "Heinrich" raucht.

Deutscher Sozialpreis würdigt drei WDR-Produktionen

Die Feature-Serie "Der Anhalter", die Webdoku "Nordstadtkinder" und die Handy-Video-Montage "MyEscape" sind mit dem Deutschen Sozialpreis, einem der wichtigsten Journalistenpreise in Deutschland, ausgezeichnet worden.

Die WDR 5-Feature-Serie "Der Anhalter" von Sven Preger und Stephan Beuting erhält den Deutschen Sozialpreis 2017 in der Sparte Hörfunk. "Die Serie zeigt exemplarisch den Lebensweg eines Mannes, der nach seiner Kindheit in der Jugendpsychiatrie nicht mehr ins Leben zurück findet", so die Begründung der Jury.

Stephan Beuting trifft am Kölner Verteilerkreis den Anhalter Heinrich, der ihm erzählt, er sei auf dem Weg nach Zürich zu Dignitas, um sich das Leben zu nehmen. Sven Preger kennt den Anhalter, hat ihn vor einem Jahr mitgenommen – mit der gleichen Geschichte. Die beiden Autoren beschließen, ihn zu suchen. Hat Heinrich wirklich seine Kindheit in der Psychiatrie verbracht? Und trampt er seitdem durch Deutschland? Preger und Beuting machen sich auf die Suche nach den Fakten hinter Heinrichs Erzählungen. In fünf aufeinander folgenden Teilen erzählt die Feature-Serie "Der Anhalter" nicht nur Heinrichs Leben, sondern sucht auch engagiert nach den Verantwortlichen für die Missstände in den Psychiatrien seit den 50er Jahren. Am Ende bekommt Heinrich sogar eine Entschädigung. Leslie Rosin hat die Reihe redaktionell betreut.

"My Escape / Meine Flucht"

Szene aus der Doku: Flüchlinge klettern aus einem Zug.

Der Dokumentarfilm „My Escape / Meine Flucht“ ist eine Montage aus Handy-Videos von Flüchtlingen.

Der Dokumentarfilm "My Escape / Meine Flucht" - eine Montage aus Handy-Videos von Flüchtlingen – wurde in der Sparte Fernsehen prämiert. Der Film schildert ihre lebensgefährliche Flucht nach Deutschland und lässt sie selbst sprechen. Für viele ist das Mobiltelefon ein unverzichtbares Mittel zur Organisation ihrer Flucht und zur Kommunikation mit anderen, die schon unterwegs sind oder denen, die zurückbleiben mussten. Darüber hinaus ermöglicht es den Menschen, Bilder aus der Heimat festzuhalten und ihre riskante Route zu dokumentieren. Im Netz kursieren zahllose Clips, - gedreht nicht aus sicherem Abstand, sondern aus unmittelbarer Nähe. Elke Sasse hat für "My Escape / Meine Flucht" solche Fluchtgeschichten gesammelt: Immer wieder geht es um die Ausweglosigkeit in der Heimat, den Abschied, die gefährlichen Zwischenstationen auf der Flucht, die ersehnte Ankunft in Deutschland und schließlich die ersten Eindrücke hier. "My Escape / Meine Flucht" ist eine WDR-Koproduktion mit Berlin Producers und Deutsche Welle. Regie und Projektleitung: Elke Sasse, Produzent: Stefan Pannen, Redaktion: Jutta Krug (WDR), Hanne Kehrwald, Frauke Sandig (DW).

"Nordstadtkinder"

Iris, Lutwi und Stefan aus der Dortmunder Nordstadt

Die Webdoku "Nordstadtkinder" aus der WDR-Reportageredaktion „Hier und Heute“ erzählt das Leben in der Dortmunder Nordstadt aus der Sicht der drei Kinder Iris, Lutwi und Stefan.

Die Webdoku "Nordstadtkinder" aus der WDR-Reportageredaktion "Hier und Heute" ist in der Kategorie Online mit dem deutschen Sozialpreis ausgezeichnet worden. Sie erzählt den sozial schwierigen Raum der Dortmunder Nordstadt im Netz konsequent aus der Sicht der drei Kinder Iris, Lutwi und Stefan. Die Nutzer können sich selbst entscheiden, wie sie die Nordstadt entdecken wollen - aus der Sicht der Kinder - oder auch mit allen zusammen. Dabei ist die Nordstadt-Webdoku das Ergebnis und der Schlusspunkt einer großen dokumentarischen Reihe über diesen Sozialraum, den die WDR-Reportageredaktion "Hier und Heute" über mehrere Monate hinweg in zehn Filmen erzählt hat. Die Autoren sind Jürgen Brügger, Jörg Haaßengier und Rainer Nigrelli, die Redaktion hatte Sophie Schulenburg.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) verleiht den Deutschen Sozialpreis jährlich seit 1971 für herausragende Arbeiten zu sozialen Themen. Dabei steht die Wirkung auf das gesellschaftliche Bewusstsein im Mittelpunkt. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird am 22. November 2017 in Berlin verliehen.

Stand: 09.10.2017, 10:32