Deutscher Kamerapreis für perfekte Bildgestalter

Preisträger des Deutschen Kamerapreises

Deutscher Kamerapreis für perfekte Bildgestalter

Von Tobias Zihn

Neun Kameramänner und zwei Editoren sind am 24. Juni 2017 in Köln in den Studios des Westdeutschen Rundfunks mit dem Deutschen Kamerapreis ausgezeichnet worden.

Einer der Höhepunkte der diesjährigen Preisverleihung in den Studios des WDR in Bocklemünd war der Auftritt des Sängers Tim Fischer. Zum Gedenken an den kürzlich gestorbenen Kameramann Michael Ballhaus, erster Ehrenpreisträger des Deutschen Kamerapreises, sang er zwei  Lieder aus den Filmen "Lili Marleen" und "Die fabelhaften Baker Boys". Insgesamt wurden beim von Thomas Hermann moderierten 27. Deutschen Kamerapreis neun Kameramänner und zwei Editoren ausgezeichnet.

Ehrenpreis für Jo Heim

Diesjähriger Ehrenkameramann ist der Wahlkölner Jo Heim, der alle Genres virtuos beherrscht, vom Thriller über die Komödie bis hin zum Musik- oder Dokumentarfilm. Mit einer ebenso unglaublichen Vielfalt in der Gestaltung gebe er "den Geschichten seiner Filme Raum für die Fantasie ihrer Betrachter", so das Kuratorium des Deutschen Kamerapreises in der Begründung.

Ehrenkameramann Jo Heim

Ehrenkameramann Jo Heim

Die Preisträger haben die Jury unter dem Vorsitz von Filmemacher Adolf Winkelmann mit ihren herausragenden Leistungen in der Bildgestaltung überzeugt und sich gegen mehr als 400 Mitbewerber durchsetzen können. Adolf Winkelmann: "Dieser Preis ist einzigartig, weil er ohne Rücksicht auf Markt und Moden, auf kommerziellen Erfolg und Quoten einfach nur die künstlerische Leistung und Phantasiearbeit der Bildgestalter und Editoren auszeichnet."

Mit Bilderwelten berühren

Christoph Augenstein, Geschäftsführer des Deutschen Kamerapreises, ergänzt: "Vor 35 Jahren ist der Preis zum ersten Mal verliehen worden - um jene Bildgestalter in den verdienten Mittelpunkt zu stellen, die uns mit ihren Bilderwelten auf besondere Weise berühren und faszinieren. Exzellenz auszeichnen und Talente fördern - diese Grundidee der Auszeichnung ist so aktuell wie am ersten Tag."

Christoph Augenstein, Geschäftsführer des Deutschen Kamerapreises

Christoph Augenstein, Geschäftsführer des Deutschen Kamerapreises

Für seine Bildgestaltung im Kinospielfilm "Manifesto" (BR) ehrte die Jury Christoph Krauss, der einer Videoinstallation des Künstlers Julian Rosefeldt zum Sprung auf die Kinoleinwand verhilft. Börres Weiffenbach bekam die Auszeichnung für seine Kameraführung im Fernsehfilm "Dead Man Working" (hr/ARD Degeto). Attila Boa ist es laut Jury beim Dokumentarfilm "Untitled" (Lotus Film/Razor Film) mit seiner Arbeit gelungen, Situationen zu verdichten und auf das Wesentliche zu reduzieren.

Ehrlicher Blick auf Protagonisten

Das Leben der Irish Travellers und ihre Beziehung zu Pferden zeigt Maximilian Pittner in "Urban Cowboiz" (Filmakademie Baden-Württemberg). Pittner gelingt in diesem Outdoor-Film ein ehrlicher Blick auf die Protagonisten. Johannes Louis vermittelt beim Kurzfilm "Berlin Metanoia" (DETAiLFILM) mit seinem Blick durch die Kamera den Eindruck, selbst erstaunt zu sein, über das was er sieht.

In der Reportage "Weltreisen: Indonesien - Die Kinderjockeys von Sumba" (NDR) brilliert die Kamera von Wolfgang Schick. Seine Arbeit überzeugte die Jury in der Kategorie "Journalistische Kurzformate".

Bester Schnitt

Chris Wright wird für seinen humorvollen und empathischen Schnitt im Fernsehfilm "Fighter" (Corso Film/ZDF/3Sat) ausgezeichnet. Auch der Schnitt von David Wieching bei einer besonderen Ausgabe des Jan Böhmermann-Talks "Neo Magazin Royale - Talk mit Anne Will" (btf/ZDF) überzeugte die Jury. Wieching habe die Erwartungshaltungen der Zuschauer gebrochen und gekonnt mit Fernsehzitaten und -klischees gespielt.

Nachwuchspreise

Beim 27. Deutschen Fernsehpreis wurden zudem mehr als 80 Produktionen für die diesjährigen mit jeweils 5.000 Euro dotierten Nachwuchspreise, die von der Film- und Medienstiftung NRW sowie von Panasonic gestiftet werden, eingereicht. Ausgezeichnet wurden der 1982 in München geborene Joe Berger für "Cigarbox Blues" (Hamburg Media School) und der 1979 in Erlenbach am Main geborene Felix Striegel für "Watu Wote" (Hamburg Media School).

WDR- Studios Bocklemünd

Die Preisverleihung des 27. Deutschen Kamerapreises fand in den WDR-Studios in Bocklemünd statt

Stärkere Förderung von Frauen

Angesichts der Tatsache, dass beim diesjährigen Fernsehpreis nur Männer ausgezeichnet worden, betonte Jurypräsident Winkelmann, dass er sich von den Hochschulen eine stärkere Förderung von Frauen wünsche.

Stand: 23.06.2017, 11:55