Was ist schon normal?

Was ist schon normal?

Psychische Störungen tragen ein Stigma. Obwohl jeder dritte Deutsche an ihnen leidet, so die Statistik. WDR 5 griff das Thema auf – am 10. Oktober, dem "Internationalen Tag der seelischen Gesundheit". Gespräche, Features und Reportagen geben Einblicke in das Leben von Erkrankten und erklären, wie man seelisch gesund bleibt.

Etwa eine Million Menschen werden in Deutschland pro Jahr wegen psychischer Erkrankungen behandelt. Oft hilft schon eine Psychotherapie, manchmal nur starke Medikamente. Wie ist das Leben, wenn man nichts mehr fühlt oder sich selbst verletzen möchte? Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Und wie kann sich jeder Mensch im Alltag vor psychischem Druck schützen, um Heil durchs Leben zu kommen? Der WDR 5 Thementag "Was ist schon normal?" geht diesen Fragen nach und ist gleichzeitig der Auftakt zu einer deutschlandweiten "Aktionswoche der seelischen Gesundheit".

Heimweh nach sich selbst

Silhouette, Frau an Schreibtisch

Eine gestrichelte Linie quer über das Handgelenk mit der Aufschrift "To exit … open here" – so beginnt das Youtube-Video "Mein Leben mit der Borderline-Störung" von najadream. Später folgt das Bild eines Armes, der mit Schnittwunden übersät ist. "Wie soll ich das unterlassen, was mir am meisten hilft?" steht da. "Hört ihr denn auf zu atmen???" Menschen, die an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden, fühlen sich innerlich zerrissen, haben ein gestörtes Selbstbild und eine gestörte Körperwahrnehmung. Viele der Betroffenen spüren sich nur dann, wenn sie sich selbst verletzen.

Ein Junge sitzt alleine zusammengekauert auf dem Schulhof, seine Schulsachen liegen verstreut auf dem Boden

Antje Kießler besuchte für »WDR 5 Leonardo« das Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim, das eine Borderline-Therapie entwickelt hat. Ihren Beitrag "Borderline – Heimweh nach sich selbst" sendet das Wissenschaftsmagazin am WDR 5 Thementag. Neben genetischen Faktoren sind in vielen Fällen frühe traumatische Erfahrungen für die Entstehung der Borderline-Störung verantwortlich, die ersten Anzeichen treten meist schon im Jugendalter auf. »Westblick« porträtiert eine Schulpsychologin, deren Aufgabe es unter anderem ist, solche Anzeichen zu erkennen. Auch der digitale Kinderradiokanal KiRaKa beteiligt sich am Thementag: Im »Herzfunk« zur Frage "Wie bleibt die Seele gesund?" beantwortet die Psychologin Elisabeth Raffauf zwischen 20.00 und 21.00 Uhr die Fragen der Kinder.

Arbeit und Psyche

Eine ältere Dame sitzt bei einem Therapeuten

"Psychische Erkrankungen führen viel zu oft zu Erwerbsunfähigkeit und Armut", sagt Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BptK). Es mangele an Behandlungsplätzen sowie ausreichenden und passenden Rehabilitationsleistungen. Seelische Störungen sind der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit, fast jede zweite neue Frührente ist inzwischen psychisch verursacht. Im »WDR 5 Morgenecho« erzählt eine Spitzenpolitikerin vom psychischen Druck in ihrem Job. Außerdem propagieren der Hirnforscher Gerald Hüther und die Philosophin Katharina Ceming "Verbundenheit als sinnstiftende und haltgebende Kraft". Das Feature "Verrückt – Die Blockade des Arbeitslebens" im »WDR 5 Tiefenblick« handelt vom Recht psychisch Kranker auf Arbeit und der unzureichenden Umsetzung dieser Forderung in Deutschland. Bei »WDR 5 Politikum« geht es um "Achtsamkeit als Unternehmensstrategie" und um "Resilienz", die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen. Und das Wirtschaftsmagazin »WDR 5 Profit« berichtet in "Jecke Burger" über Deutschlands erste inklusive Burger-Braterei in Bonn.

Was ist schon normal?
Der WDR 5 Thementag über seelische Gesundheit
MO / 10. Oktober / 6:00 – 18:30 / WDR 5
MO / 10. Oktober / 20:00 – 21:00 / KiRaKa

Stand: 05.02.2016, 12:50