Frank Dampf in allen Gassen: Elstner wird 75

Frank Dampf in allen Gassen: Elstner wird 75

Er konnte mit Baggerfahrern genauso wie mit Nobelpreisträgern. Lieh sich von seinem Bruder den Vornamen und schenkte Gottschalk die größte Show Europas: Frank Elstner ist eine der prägendsten Figuren des deutschen Fernsehens. Am 19. April 2017 wird er 75.

Frank Elstner 1967

Schon mit zehn Jahren ist Tim Maria Franz Elstner das erste Mal im Radio zu hören: Er spricht im Südwestfunk die Hauptrolle in der Hörspielversion von "Bambi", weitere Sprecherrollen folgen. Da ist es nicht ganz so schlimm, dass er in der 13. Klasse ohne Abitur von der Schule abgeht. Denn die Kontakte zum SWF sind gut, und so arbeitet er dort parallel zu seinem Volontariat bei den "Badischen Neuesten Nachrichten" in der Hörspielredaktion.

Schon mit zehn Jahren ist Tim Maria Franz Elstner das erste Mal im Radio zu hören: Er spricht im Südwestfunk die Hauptrolle in der Hörspielversion von "Bambi", weitere Sprecherrollen folgen. Da ist es nicht ganz so schlimm, dass er in der 13. Klasse ohne Abitur von der Schule abgeht. Denn die Kontakte zum SWF sind gut, und so arbeitet er dort parallel zu seinem Volontariat bei den "Badischen Neuesten Nachrichten" in der Hörspielredaktion.

Mit 21 Jahren geht Elstner als DJ zu Radio Luxemburg. Dort gibt es allerdings schon einen Moderator namens Tom, worauf man Elstner nahelegt, seinen Namen zu ändern. "Tim und Tom, das klang zu sehr nach Fix und Foxi", erinnert sich Elstner später. Elstner entscheidet sich für Frank – so heißt sein großer Bruder.

Elstner macht schnell Karriere bei RTL und wird einer der beliebtesten Moderatoren des Senders. Die "fröhliche Welle", so die Eigenwerbung, hat eine junge Hörerschaft und legt den Schwerpunkt schon in den Sechzigern auf Rock- und Popmusik, während die meisten anderen Sender noch ein recht konservatives und auf Ältere zugeschnittenes Programm fahren.

Frank Elstner ist ein Star und als solcher wird er auch von der Presse behandelt. Für die Fotografen legt er sich im Bademantel aufs Bärenfell ...

... und lässt sich sogar in der Badewanne ablichten.

Elstner hat nicht nur eine ausdrucksstarke Stimme; er bekommt auch journalistisch immer mehr Gewicht. 1966 wird er Chefsprecher bei RTL, 1970 stellvertretender Programmdirektor und 1972 schließlich Direktor des deutschen RTL-Programms.

Wie viele andere Radiomoderatoren versucht sich auch Elstner im Fernsehen. Mit Erfolg. Er moderiert das "Spiel ohne Grenzen", "Spectaculum", "Punkt, Punkt, Komma, Strich". Auch sein größter Erfolg in den 1970ern ist eine Spielshow: "Die Montagsmaler". In der Sendung, die übrigens jahrelang dienstags läuft, muss man gezeichnete Begriffe möglichst schnell erraten.

1980 übergibt Elstner die "Montagsmaler" an den Sänger Reinhard Mey und tüftelt an neuen Shows. Als er eines Nachts nicht schlafen kann, setzt er sich zwei Stunden hin und schreibt ein Konzept, das die deutsche Fernsehlandschaft nachhaltig prägen wird: "Wetten, dass..?" entsteht.

Am 14. Februar 1981 heißt es in Düsseldorf zum ersten Mal "Top, die Wette gilt!" Mit Elstner als Moderator wird "Wetten, dass..?" schnell zum Erfolg. Die Sendung gilt auch heute noch als Inbegriff der Samstagabendshow und weckt bei vielen nostalgische Erinnerungen: Baden, Schlafanzug anziehen und dann Salzstangen knabbernd "Wetten, dass..?" gucken – wer in den 80ern aufgewachsen ist, kennt dieses Prozedere wahrscheinlich.

Die Stars aus dem In- und Ausland stehen Schlange bei Elstner – selbst Außerirdische wie E.T. machen ihre Aufwartung. Doch das Besondere und Neue an "Wetten, dass..?" sind nicht die Promis, sondern die Wettkandidaten. Baggerfahrer vom Bodensee, Gedächtniskünstler aus Groß-Gerau, Wärmflaschenzerpuster aus Waiblingen: Sie alle bekommen – frei nach Andy Warhol – ihre 15 Minuten Ruhm ab.

Eine Show, in der ganz normale Menschen für Begeisterung sorgen. Ein freundlicher, bescheidener Moderator, der sich selbst nicht so wichtig nimmt und lieber dafür sorgt, dass seine Gäste eine gute Figur machen. Das ist das Rezept, mit dem man Preise einheimst. Und davon hat Elstner viele bekommen – unter anderen die Goldene Kamera, das Bundesverdienstkreuz, den Deutschen Fernsehpreis und den Bambi.

1987 dann die große Überraschung: Elstner, der unangefochtene König der deutschen Samstagabendunterhaltung, verkündet seinen Rücktritt als "Wetten, dass..?"-Moderator und übergibt die Sendung an Thomas Gottschalk.

Hat der Elstner etwa einen Vogel? Wie kann man nur zu einem solchen Zeitpunkt abtreten? Diese Fragen stellen sich viele Zuschauer, vor allem, da die Shows, die Elstner danach macht, lange nicht so erfolgreich sind. Das von ihm erdachte "Tele-As" läuft nur zwölfmal, und auch seine Samstagabendshow "Nase vorn" wird ein Flop und nach zwei Jahren abgesetzt.

Doch der Tausendsassa Elstner lässt sich nicht beirren. Er entwirft weiter Konzepte, produziert Shows, ist vor und hinter der Kamera für alle großen deutschen Fernsehsender tätig.

Dabei beweist er immer wieder seine Vielseitigkeit. Er spielt Streiche mit der versteckten Kamera ("Verstehen Sie Spaß?"), moderiert Quizshow-Klassiker ("Jeopardy"), interviewt Nobelpreisträger ("Die stillen Stars"), bewährt sich als wöchentlicher Talk-Gastgeber ("Menschen der Woche"). Und er kann nicht nur mit Menschen, sondern auch mit Tieren – wie er im "Unglaublichen Quiz der Tiere" zeigt.

Er hat die Haare schön: Als ihm Roswitha Beck, die Frau des Ex-SPD-Chefs Kurt Beck, in einer Sendung die Haare macht, blickt Elstner zunächst zwar ziemlich skeptisch drein. Doch das Ergebnis hinterher gab dann doch keinen Anlass zur Beschwerde.

Eine große Ehre: 2012 wird Frank Elstner von der CDU in die Bundesversammlung berufen. Als Wahlmann darf er mitentscheiden, wer der künftige Bundespräsident wird. Die Wahl gewinnt Joachim Gauck, und Elstner kann ein paar Erinnerungsfotos mit Angela Merkel und Alice Schwarzer machen.

Apropos Fotos: Auch das Selfie mit möglichst hoher Promidichte hat Elstner drauf. Hier quetschen sich neben ihm noch Pierre M. Krause, Max Mutzke, Sebastian Puffpaff, Anke Engelke und Rene Marik aufs Bild.

Seinen 75. Geburtstag hat Elstner zwar erst am Mittwoch (19.04.2017), aber manchmal muss man eben vorher feiern. Die Gala "Top, die Wette gilt!", die das Erste zu Elstners Ehren zeigt, läuft schon ein paar Tage vorher. Unter anderen gratulieren Thomas Gottschalk, Barbara Schöneberger, Michelle Hunziker und Günther Jauch – auch wenn man sie nicht auf den ersten Blick erkennt. Da schließen wir uns natürlich an: Herzlichen Glückwunsch, Frank Elstner, und auf Wiedersehen auf dem Bildschirm – es wird bestimmt nicht lange dauern ...

Stand: 18.04.2017, 10:35 Uhr