Bambi - Vom unschuldigen Rehkitz zum Glamour-Star auf dem roten Teppich

Bambi - Vom unschuldigen Rehkitz zum Glamour-Star auf dem roten Teppich

Seit 1948 schreibt der Bambi Filmgeschichte. Er ist damit einer der ältesten deutschen Medienpreise. Über 1000 Mal nahmen Stars aus Film, Fernsehen, Sport und Kultur den Preis entgegen. Das goldene Reh blickt zurück auf eine bewegte Vergangenheit.

Der "Filmrevue"-Verleger Karl Fritz (l.) gratuliert dem österreichischen Schauspieler O. W. Fischer bei der Preisverleihung 1955

1948: Der zweite Weltkrieg war vorbei, das deutsche Wirtschaftswunder der 50er Jahre zeichnete sich ab und die Deutschen liebten es, ihre freie Zeit im Kino zu verbringen. Der Karlsruher Verleger Karl Fritz (l., mit Schauspieler O. W. Fischer 1955) rief die Leser seiner Zeitschrift "Film Revue" auf, darüber abzustimmen, wer der größte nationale und internationale Filmstar sei, und hob damit den damals noch namenlosen Preis aus der Taufe. Die ausgezeichneten Kategorien waren überschaubar: "Beliebtester männlicher Darsteller" und "Beliebteste weibliche Darstellerin".

1948: Der zweite Weltkrieg war vorbei, das deutsche Wirtschaftswunder der 50er Jahre zeichnete sich ab und die Deutschen liebten es, ihre freie Zeit im Kino zu verbringen. Der Karlsruher Verleger Karl Fritz (l., mit Schauspieler O. W. Fischer 1955) rief die Leser seiner Zeitschrift "Film Revue" auf, darüber abzustimmen, wer der größte nationale und internationale Filmstar sei, und hob damit den damals noch namenlosen Preis aus der Taufe. Die ausgezeichneten Kategorien waren überschaubar: "Beliebtester männlicher Darsteller" und "Beliebteste weibliche Darstellerin".

Einen Namen bekam das damals noch weiße Reh dank der Tochter der ersten Preisträgerin, des Ufa-Filmstars Marika Rökk. Als sie ihre Trophäe zu Hause überreicht bekam, soll Töchterchen Gaby (l., neben einem Filmplakat ihrer Mutter 2005) bei ihrem Anblick gerufen haben: "Oh, das sieht ja aus wie Bambi!"

Die ersten zehn Lebensjahre erstrahlte das Reh in reinweißem Porzellan, hergestellt in der Karlsruher Majolika-Manufaktur. Erst seit 1958 wird es in Bronze gegossen in der Kunstgießerei Strassacker in Süßen (bei Göppingen). Als Marika Rökk bei der 50sten Bambi-Verleihung 1998 in Karlsruhe von Pierre Brice einen Ehrenbambi erhielt, brachte sie ihre Porzellan-Trophäe aus dem Geburtsjahr des Kitzes mit.

Bis 1952 wurden die Bambis den Gewinnern noch persönlich überreicht. Im Dezember 1953 fand zum ersten Mal eine Preisverleihung statt - damals noch als geschlossene Gesellschaft im Passage-Theater in Hamburg. Preisträger waren unter anderem Regisseur Harald Braun (l.) und die Filmschauspieler Ruth Leuwerik (m.) und O.W. Fischer (r.).

Seit 1955 durfte dann die Öffentlichkeit am Glanz und Glamour des Bambis teilhaben: Am 6. März fand in Karlsruhe die erste öffentliche Gala-Veranstaltung statt, wie wir sie heute noch kennen. O.W. Fischer (r.) sahnte erneut einen Bambi ab, ebenso Maria Schell (m.) und der französische Schauspieler Jean Marais (l.), der lange Zeit als erster männlicher Preisträger der Trophäe galt, tatsächlich aber bei der Leserwahl 1948 hinter Stewart Granger auf Platz zwei landete.

Die Beziehung von Hollywoods Traumpaar Richard Burton (l.) und Elizabeth Taylor (r.) war skandalumwittert und immer für eine Schlagzeile gut. Zur Bambi-Gala 1968 in München kamen die beiden eine gute halbe Stunde zu spät und absolvierten dank des ein oder anderen Gläschens Whiskey später einen äußerst beschwingten Auftritt.

Bis 1964 fanden die Preisverleihungen in Karlsruhe statt, danach meistens in München und seit 1996 in wechselnden Städten. Zwei Bambi-Galas wurden im Ausland zelebriert. 1971 flog Verleger Franz Burda mit den Gästen und Preisträgern in einem Charterflugzeug an die frühlingshafte Riviera nach Monaco. Fürstin Gracia Patricia von Monaco (m.) war glamouröser Ehrengast bei der Gala im Februar 1971. Hinter der Fürstin sitzen die Verleger-Gattin Aenne Burda, Sänger Peter Alexander und die Schauspieler Erik Ode und Günther Schramm (v.r.n.l.).

1972 folgte der zweite Auslandseinsatz des Bambis - diesmal in Salzburg. Mit ihren Bambis präsentierten sich nach der Verleihung stolz die Preisträger Peter Alexander, Mireille Mathieu, Inge Meysel und Heinz Rühmann (v.l.n.r.). Heinz Rühmann ist bis heute Rekordhalter: Keiner bekam ihn häufiger verliehen als er. Zwölf Mal nahm er die Trophäe entgegen.

Seit 1984 gilt der neue Slogan "Bambi für die Besten". Nun gab es nicht mehr nur den Bambi für Stars aus Film und Fernsehen, sondern auch für besondere Leistungen aus Sport, Kultur, Politik, Mode - und für soziales Engagement. Erster Preisträger dieser Kategorie war Schauspieler Karlheinz Böhm, der 1984 von der Bambi-Jury zum "Mann des Jahres" ernannt und vor allem für sein Engagement für die Menschen in Äthiopien gewürdigt wurde. Seinen Bambi behielt er nicht selbst, sondern versteigerte ihn zugunsten seiner Afrika-Hilfe.

Jede Bambi-Verleihung sorgt für Star-Rummel und Schlagzeilen im Vorfeld der Veranstaltung. Besonders in Erinnerung blieb der Skandal um den amerikanischen Sänger Michael Jackson, der 2002 in Berlin am Vortag der Preisverleihung seinen jüngsten Sohn Prince Michael II. über den Balkon im fünften Stock seines Berliner Hotelzimmers hob (l.). Später entschuldigte sich der King of Pop für sein Verhalten. Bei der Gala hatte er sich wieder im Griff und nahm seinen Millennium-Bambi für sein "außergewöhnliches künstlerisches und sozial engagiertes Lebenswerk" entgegen (r.).

Der US-amerikanische Schauspieler Tom Cruise ging in zweifacher Hinsicht in die Geschichte des Bambi ein: 2007 erhielt er als erster Preisträger einen Bambi für die neu eingeführte Kategorie "Mut" für seine Rolle im Stauffenberg-Drama "Operation Walküre". Bei seiner Dankesrede stelle er einen Rekord auf: Ganze 7:53 Minuten lang hielt er einen Monolog von 1319 Worten und damit die längste Dankesrede des Bambis.

Zehn mal wurde der Schauspieler Johannes Heesters mit dem goldenen Reh ausgezeichnet. 1967 erhielt er den Preis zum ersten Mal. 1997 begann dann der Auszeichnungsmarathon für sein Lebenswerk - 2008 verkündete Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel, von nun an bekomme Jopi den Preis für sein Lebenswerk jährlich. 2010 nahm er ihn zuletzt persönlich entgegen (Foto, mit seiner Frau Simone Rethel), 2011 bekam er seinen zehnten und letzten. Im gleichen Jahr verstarb er 108-jährig.

Skandalträchtig war das Jahr 2011. Der Burda-Verlag verlieh dem Rapper Bushido den Bambi-Preis für Integration. Peter Maffay überreichte ihn dem umstrittenen Star aus Berlin, der in der Vergangenheit wegen frauen- und schwulenfeindlicher Textpassagen kritisiert worden war. Maffay distanzierte sich später von dem Rapper, viele Prominente meldeten sich kritisch zu Wort, das Publikum demonstrierte (Foto) und Heino gab seinen Bambi aus Protest gegen die Ehrung Bushidos zurück.

Ob Robbie Williams bei der diesjährigen Verleihung für einen Skandal sorgen wird, bleibt zu bezweifeln. Der regelmäßig in den Schlagzeilen auftauchende britische Popstar hat sich mittlerweile zu einem verantwortungsbewussten Familienvater entwickelt. Williams wird die Bambi-Gala am 17. November im Stage Theater in Berlin eröffnen und selbst mit einem Bambi ausgezeichnet werden in der Kategorie "Musik international". Es wird sein zweiter Bambi sein - bereits 2013 erhielt er den Preis in der Kategorie "Entertainment" (Foto). Und Unterhaltung ist schließlich auch die Triebfeder, die den Lauf des goldenen Rehs seit Jahrzehnten bestimmt.

Stand: 03.11.2016, 14:20 Uhr