Von Essen über Dortmund nach Bochum

Ein Rollstuhlfahrer steigt in einen Zug ein

Defekter Aufzug blockiert Rollstuhlfahrer

Von Essen über Dortmund nach Bochum

Einmal von Essen nach Bochum. Mit dem Regionalexpress dauert das laut Fahrplan genau elf Minuten. Doch der Arbeitsweg von Benjamin Thomas war vier Wochen lang viel weiter. Für den Rollstuhlfahrer hieß es: Essen - Dortmund - Bochum. Weil Aufzüge am Bochumer Hauptbahnhof nicht repariert wurden.

Es sind nur wenige Meter vom Gleis in die Bahnhofshalle. Doch für Benjamin Thomas war es einen Monat lang eine unüberwindbare Hürde. Weil der Aufzug an dem Gleis im Bochumer Hbf, an dem der Regionalexpress aus Essen ankommt, kaputt war. Auch ein Gleis weiter, dort wo die S-Bahnen fahren, hatte der Rollstuhlfahrer keine Chance. Denn der Aufzug an diesen Gleisen läuft schon seit August nicht mehr. Sowohl der Regionalexpress als auch die S-Bahn aus Richtung Essen fiel für Benjamin Thomas also aus. Seine einzige Chance täglich zur Arbeit zu kommen: Der Umweg über Dortmund.

Nur gucken, nicht aussteigen

Benjamin Thomas im Porträt

Benjamin Thomas pendelt täglich von Essen nach Bochum

Kein schlechter Scherz, sondern die offizielle Ausweichempfehlung der Bahn. Wenn er von seinem Wohnort Essen zu seinem Arbeitsplatz nach Bochum wollte, musste Benjamin Thomas mit dem Regionalexpress erstmal am Ziel vorbeifahren. Noch einmal die gleiche Strecke bis nach Dortmund. Hier gibt es am RE-Gleis zwar überhaupt keine Personenfahrstühle, dafür aber wenigstens einen Lastenaufzug. Und damit verbunden eine Tour durch die Unterwelt des Dortmunder Hauptbahnhofs. "Man gewöhnt sich irgendwann daran, aber es ist nicht das, was Inklusion sagt, Inklusion sagt ja, dass sich jeder wie ein Nicht-Behinderter bewegen kann", resümmiert Benjamin Thomas seinen täglichen Umweg.

Aufzüge sind Einzelstücke

Ein gesperrter Aufzug mit "Außer Betrieb"-Schild

Vier Wochen lang war der Aufzug defekt

Nach mehr als einer Stunde kam Benjamin Thomas dann zum zweiten Mal in Bochum an. Diesmal auf einem Gleis mit funktionierendem Aufzug. Wie kann es sein, dass ein Aufzug, der für viele Gehbehinderte täglich so wichtig ist, vier Wochen lang defekt ist? Die Bahn teilt dem WDR dazu schriftlich mit: "Da Aufzüge oft als Sonderanfertigungen in älteren Bahnhöfen für die örtlichen Verhältnisse 'maßgeschneidert' sind, müssen zerstörte Anlagenteile in vielen Fällen in Handarbeit und als Einzelstück angefertigt werden. Das ist zeit- und kostenintensiv." Inzwischen funktioniert der Aufzug wieder und Benjamin Thomas kann endlich wieder direkt von Essen nach Bochum fahren. Aber er weiß: Es dauert nie lange bis zum nächsten Stillstand.

Stand: 22.12.2015, 10:15