Abitur-Umfrage: Eltern wollen zurück zu G9

Eine Schülerin der Oberstufe streicht an einer Tafel 'G8' durch, daneben lâässt sie 'G9' unberührt

Abitur-Umfrage: Eltern wollen zurück zu G9

Von Susanne Schnabel

  • Mehrheit der Eltern will Turbo-Abitur wieder abschaffen
  • Landeselternschaft veröffentlicht Umfrageergebnisse (16.04.2016)
  • 50.000 Eltern, Lehrer und interessierte Bürger haben sich beteiligt

Die Diskussion über das Abitur nach acht oder neun Jahren scheint in NRW noch lange nicht beendet zu sein. Neuen Zündstoff bietet die am Samstag (16.04.2016) veröffentlichte repräsentative Umfrage der Landeselternschaft der Gymnasien NRW mit rund 50.000 Beteiligten: Danach sind 79 Prozent der Eltern für G9, bei der parallel durchgeführten Online-Umfrage sind es sogar 88 Prozent der Befragten.

Es wurden drei verschiedene Umfragen durchgeführt:

  • eine Onlinebefragungen für Eltern, die ihr Kind noch im Gymnasium haben
  • eine weitere Onlinebefragung für andere Personengruppen wie Lehrer, Schüler, außerschulisches Personal, Schuldirektoren, ehemalige Eltern, interessierte Mitbürger
  • eine postalische Umfrage, die per Zufall an je fünf Eltern der 462 Mitgliedsgymnasien in NRW verteilt wurden.

Debatte über Gymnasialzeit wird weitergehen

Ulrich Czygan, Vorsitzender der Landeselternschaft

Ulrich Czygan, Vorsitzender der Landeselternschaft

"Über das Ergebnis bin ich nicht erstaunt. Ich war in den vergangenen Monaten viel unterwegs an der Basis, an den Gymnasien in NRW und habe mit Eltern gesprochen. Es war klar, dass die Tendenz zu G9 geht", sagt Ulrich Czygan, Vorsitzender der Landeselternschaft. Was ihn jedoch überrascht habe, sei die hohe Zustimmung. Er habe mit 60 bis 65 Prozent gerechnet - nicht mit fast 80. Dass fast 50.000 Personen mitmachen, damit habe man auch nicht gerechnet. "Die hohe Beteiligung zeigt, dass die Themen um G8 und G9 immer noch eine ganz große Bedeutung für die Eltern besitzen und dass die Debatte darüber nicht beendet werden kann."

Auch andere Personengruppen für G9

An der Online-Umfrage konnte sich jeder beteiligen. Auch Grundschuleltern, ehemalige Eltern und interessierte Mitbürger befürworteten G9. Die Direktoren von Gymnasien sprachen sich mit 70 Prozent für G9 aus, noch deutlicher war das Ergebnis bei außerschulischen Lehrkräften mit 96,7 Prozent.

Der Bielefelder Bildungsforscher Rainer Dollase führte Anfang März zwei Wochen lang die Befragung durch und wertete nun die Ergebnisse aus. Ihm fiel auf, "dass nur Eltern guter Schüler G8 befürworten. Ein Beleg für die Bildungsungerechtigkeit im Land. Nur die Stärksten überleben", so Dollase.

Auch Themen rund um die Schulorganisation abgefragt

Bei der Umfrage ging es der Elternschaft auch um Themen rund um die Schulorganisation. Hier finde sich ein weiteres überraschendes Ergebnis, sagt Czygan, selber Vater von sechs Kindern. "90 Prozent aller Befragten möchten keinen gebundenen Ganztag. Diese Zahl ist wirklich eindeutig. Es soll ihn geben für berufstätige Eltern, die eventuell auch in Schichten arbeiten müssen - aber freiwillig." Weiterhin wollen Eltern ein Schulende gegen 14 Uhr, ein Hausaufgabenende gegen 16 Uhr, könnten sich auch eine längere als die übliche 45 Min-Schulstundentaktung vorstellen und wünschen umfassende Informationen über den Unterrichtsausfall.

Neue Hoffnung für Elterninitiative "G9 jetzt in NRW"

Schüler sitzen in einem Klassenraum an getrennten Tischen und schreiben eine Prüfung

G8/G9-Diskussion noch lange nicht beendet

Mit großem Interesse verfolgen auch die Mitglieder der Elterninitiative "G9 jetzt in NRW" die Veröffentlichung dieser Umfrage. 2015 hatte die Initiative den Landtag mit rund 100.000 Unterschriften für eine Volksinitiative dazu gezwungen, sich erneut mit der Rückkehr zu G9 zu beschäftigen. Das Anliegen der Volksinitiative wurde jedoch mit den Stimmen von SPD, Grünen und FDP abgelehnt. Die Piraten haben zugestimmt und die CDU hat sich enthalten. Viele Abgeordnete räumten allerdings Probleme beim Turbo-Abitur ein. Das NRW-Schulministerium versprach eine Entlastung bei den Ergänzungs- und Nachmittagsstunden, bei Hausaufgaben und der Zahl der Klassenarbeiten.

Trend in den Bundesländern

Während NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) und die Mehrheit im Landtag die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium bislang ausschließen, geht der Trend im Land in eine andere Richtung: In Hessen beispielsweise haben Gymnasien die Wahl, ob sie G8 oder G9 anbieten. Bayern und Baden-Württemberg planen Ähnliches, da neunjährige Gymnasien mehr Anmeldezahlen verzeichnen. Niedersachsen ist im vergangenen Jahr zu G9 zurückgekehrt.

Stand: 17.04.2016, 08:45

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