Düsseldorf eröffnet neue Wehrhahn-Linie: U-Bahn mit Kunst

Düsseldorf eröffnet neue Wehrhahn-Linie: U-Bahn mit Kunst

Fast zehn Jahre Bauzeit, Kosten von über 840 Millionen Euro und Skepsis bei den Nutzern: Die neue U-Bahn-Linie in Düsseldorf rollt. Hingucker ist die unterirdische Kunst. Sie macht die U-Bahn schon jetzt international bekannt.

Düsseldorf: U-Bahnhof Heinrich Heine Allee

Mit einem großen Bürgerfest ist am Samstag (20.02.2016) die neue U-Bahn in Düsseldorf in Betrieb genommen worden. Tausende Menschen stiegen in die sechs unterirdischen Bahnhöfe hinab und besichtigten die neuen Haltepunkte. Künftig verbindet die sogenannte Wehrhahn-Linie auf 3,4 Kilometern Länge die nördlichen und südlichen Teile der Landeshauptstadt. Dazwischen liegen die Altstadt sowie wichtige Einkaufsstraßen und das Bankenviertel.

Mit einem großen Bürgerfest ist am Samstag (20.02.2016) die neue U-Bahn in Düsseldorf in Betrieb genommen worden. Tausende Menschen stiegen in die sechs unterirdischen Bahnhöfe hinab und besichtigten die neuen Haltepunkte. Künftig verbindet die sogenannte Wehrhahn-Linie auf 3,4 Kilometern Länge die nördlichen und südlichen Teile der Landeshauptstadt. Dazwischen liegen die Altstadt sowie wichtige Einkaufsstraßen und das Bankenviertel.

Zur Eröffnung kamen neben Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (Mitte) auch NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (rechts, beide SPD) sowie Enak Ferlemann, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium (links, CDU). Sie enthüllten gemeinsam die Bahn für die erste offizielle Fahrt durch den Tunnel. "Für den Nahverkehr in Düsseldorf ist die Inbetriebnahme der Wehrhahn-Linie eine tolle Sache mit einer deutlichen Steigerung der Attraktivität", sagte der OB. Zu den Gesamtkosten in Höhe von 843 Millionen Euro steuerten das Land fast 142 Millionen und der Bund fast 284 Millionen Euro bei.

Die Jungfernfahrt durfte die Rheinbahn-Mitarbeiterin Bärbel Wölki übernehmen. Sie setzte um 12.31 Uhr unter dem Applaus von Zuschauern die Bahn in Bewegung und fuhr durch den Tunnel. "Das ist schon sehr spannend", sagte sie. Für die Premierenfahrt wurde Wölki, die seit 27 Jahren bei dem Düsseldorfer Verkehrsunternehmen arbeitet, ausgesucht. In dem Tunnel wurden seit dem Baubeginn im Frühjahr 2008 etwa 240.000 Kubikmeter Beton und 22.000 Tonnen Stahl verarbeitet sowie 500 Kilometer Kabel, 59 Rolltreppen und 13 Aufzüge eingebaut.

Optischer Hingucker der neuen U-Bahn sind die sechs Bahnhöfe. Sie sind alle individuell von Künstlern gestaltet worden und haben unterschiedliche Themen. Die Gestaltung wurde in einem internationalen Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Alle sechs Künstler sind Absolventen der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie. Manuel Franke etwa gestaltete den U-Bahnhof Graf-Adolf-Platz. Von den ersten Treppen bis zu den Gleisen bewegt sich wie eine langsam fließende Masse die Farbe Lila durch das kräftige Grün der gläsernen Wandbekleidung.

Auf besonders große Resonanz stieß am Eröffnungstag der Bahnhof Benrather Straße in unmitterbarer Nähe zur Königsallee. Unter dem Motto "Himmel oben, Himmel unten" wurde der Haltepunkt von Thomas Stricker wie eine Raumstation konzipiert. Zwischen den Edelstahlplatten sind große Panoramafenster, die einen Blick hinaus ins Weltall ermöglichen sollen. Auf ihnen sind 3D-animierte Videoszenen zu sehen. Schon vor der Eröffnung gab es viel Lob für die Kunst-Bahnhöfe. "Die U-Bahnfahrt wird so nicht zu einem nervigen Geruckel von Station zu Station, das man nur mit einem E-Mail-Checken auf dem Handy übersteht, sondern zu einer sinnlichen Raumreise", schrieb etwa die "Süddeutsche Zeitung" und sprach von einem "Hotspot eines radikalen Utopismus" und einem "gewaltigen unterirdischen Kunstareal". Auch die "New York Times" und der britische "Guardian" berichteten darüber.

Auch bei den Besuchern stießen die kunstvollen Bahnhöfe, so wie hier an der Pempelforter Straße im Norden, auf positives Feedback. "Das sieht echt toll aus und ist ein wirklicher Hingucker", sagte eine Passantin. Allerdings gab es auch skeptische Stimme, wie lange die Gestaltung so erhalten bleibe. "Hoffentlich sieht hier nicht bald alles dreckig und kaputt aus", meinte eine Düsseldorferin. Nach Angaben der Projektverantwortlichen gibt es ein eigenes Reinigungskonzept. Der künstlerische Beitrag kostete laut Stadt drei Millionen Euro. Damit die Werke richtig wirken, wird in allen Bahnhöfen auf Werbeflächen verzichtet.

Wichtig für alle Nutzer der Rheinbahn, egal ob Düsseldorfer, Pendler oder Touristen: Mit der Eröffnung der neuen U-Bahn wird zeitgleich auch das komplette Netz der Rheinbahn umgekrempelt. Linien werden umbenannt, fahren eine andere Strecke oder fallen komplett weg. Ab Sonntag (21.02.2016) gilt ein neuer Fahrplan mit anderen Abfahrtzeiten. Vorab wurden bereits 400 neue Haltestellenschilder aufgestellt sowie 40.000 neue Netzpläne aufgehängt. Infoscouts sollen in der Woche nach dem Wechsel beim Suchen der richtigen Verbindung helfen. Allein mit den vier neuen Linien U71, U72, U73 und U83 in der neuen U-Bahn sollen täglich über 50.000 Menschen fahren.

Profitieren werden vor allem die Düsseldorfer selbst sowie Pendler aus der Region. Wer zum Beispiel mit der Deutschen Bahn in die Landeshauptstadt fährt und in Richtung Altstadt will, kann künftig an den S-Bahn-Stationen Bilk und Wehrhahn aussteigen und dann in die U-Bahn umsteigen. Unterirdisch dauert es dann nur ein paar Minuten bis in die City. In ein paar Jahren soll in Bilk auch ein Haltepunkt für Regionalzüge entstehen, sodass dann noch mehr Menschen die Station zum Umsteigen nutzen können. Dadurch versprechen sich die Planer größere Anreize, mit der Bahn und nicht per Auto nach Düsseldorf zu kommen.

Auch wer im Norden oder Süden der Stadt wohnt und in die City will, soll durch die U-Bahn profitieren. Denn bislang war es so, dass die Straßenbahnen regelmäßig im Stau steckenblieben - schließlich teilten sie sich mit den Autofahrern die Straßen. Die Folge: Störungen, Unfälle und Verspätungen. Das soll sich nun ändern. Laut Rheinbahn entsteht zwischen den beiden Tunnelenden eine Zeitersparnis von fast zehn Minuten. Und auch die Autofahrer können sich freuen. Sie müssen keine Rücksicht mehr nehmen auf die langen Straßenbahnen. "Die Verkehrslage wird sich oberirdisch spürbar entspannen", ist sich Oberbürgermeister Geisel sicher. In den engen Gassen der Altstadt müssen sich die Bahnen zudem nicht mehr durch die Menschenmengen zwängen. Zu sehen ist hier der Bahnhof Schadowstraße, in dem eine große Videoprojektion zu sehen ist. Die Bilder entstehen aus den Bewegungen der Passanten an der Oberfläche.

Weniger erfreut waren in den vergangenen Jahren die Anwohner und Händler entlang der Trasse. Sie mussten mit vielen Baustellen kämpfen. Ladenbesitzer beklagten erhebliche Umsatzeinbußen. Auch zu Ladenschließungen kam es. Anwohner bemerkten in ihren Häusern immer wieder Risse in den Gebäuden. Und ganz vorbei ist die Baustellenzeit auch noch nicht. Denn wenn die Bahnen erst einmal unterirdisch fahren, stehen die oberirdischen Umbauarbeiten an. Die nicht mehr benutzten Gleise kommen weg und die Straßenzüge sollen komplett umgestaltet werden.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Kosten. Wie bei allen großen Bauvorhaben stiegen die Ausgaben von Jahr zu Jahr immer weiter an. Während der Planungen ging man 2004 noch von 380 Millionen Euro aus, beim Spatenstich 2007 waren es schon 650 Millionen Euro gewesen und nur vier Jahre später schon 750 Millionen. Begründet wird das wie immer mit Preissteigerungen während der langen Bauzeit. Und auch unvorhersehbare zusätzliche Arbeiten wie die an einem im Erdreich entdeckten jüdischen Friedhof aus dem 18. Jahrhundert sorgten für Mehrausgaben. Und dennoch kritisierte der Bund der Steuerzahler den Finanzplan gleich mehrfach. Der Vorwurf: Das Projekt sei "schöngerechnet" worden.

Stand: 20.02.2016, 17:50 Uhr