Erste Sporthallen im Ruhrgebiet wieder frei

Turnhalle voller Betten

Unterbringung von Flüchtlingen

Erste Sporthallen im Ruhrgebiet wieder frei

Von Olaf Biernat

Seit Monaten stehen in vielen Sporthallen Feldbetten anstelle von Handballtoren. Das Training von Vereinen fällt aus oder wird auf Ausweichräume verlagert. In einigen Städten entspannt sich die Lage langsam, Sportler kehren zurück in die Hallen. Aber längst nicht überall.

In Essen waren noch vor wenigen Wochen Flüchtlinge in drei großen Sporthallen untergebracht. Der Unmut von Vereinen und des Stadtsportbundes war groß. Trainingszeiten wurden gestrichen, Wettkämpfe und Kurse fielen aus. Die Klagen der Sportler sind bei der Stadt angekommen: jetzt ist keine Sporthalle mehr mit Flüchtlingen belegt. Die letzte verbliebene Halle im Stadtteil Kupferdreh wird in den kommenden Tagen den Sportlern wieder zurückgegeben. In seinen weiteren Planungen hat die Stadt Essen keine Sporthallen mehr für Asylbewerber vorgesehen. Stattdessen werden neue Zeltdörfer gebaut und weitere Flächen mit Unterbringungsmöglichkeiten bebaut.

Entspannte Lage in Mülheim und Recklinghausen

Auch in Mülheim an der Ruhr ist mittlerweile nur noch eine Sporthalle betroffen, in der 300 Feldbetten für Flüchtlinge aufgestellt sind. Dabei handelt es sich um eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes. Weitere Turn- und Sporthallen sollen nicht für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden. Unter anderem baut die Stadt derzeit ein großes Kirmesgelände um, außerdem sollen Holzhäuser an anderen Standorten entstehen. In Recklinghausen ist die Lage ebenfalls entspannt. Derzeit ist nur eine Sporthalle betroffen. Bis April muss die Kommune keine neuen Unterkünfte zur Verfügung stellen, weil im Stadtteil Hochlarmark eine große Landeseinrichtung entstanden ist.

Schwierige Situation in Bochum

In Bochum ist die Situation jedoch nach wie vor gravierend. Von 100 Sporthallen sind derzeit 19 gesperrt. Und aktuell sieht es nicht so aus, dass die Hallen auf absehbare Zeit wieder für den Sport freigegeben werden. Das hat Auswirkungen auf Vereine wie den TV Bochum Brenschede. Der Club bietet Rhythmische Sportgymnastik und Badminton ebenso an wie Step Aerobic Kurse. Vereinschefin Elke Baldun beklagt mittlerweile die ersten Austritte. Von 750 Mitgliedern sind bereits 50 ausgetreten: "Es kommen nach wie vor Anfeindungen, warum müssen wir so viel Beitrag bezahlen, wenn wir sowieso nicht trainieren können. Dann sage ich immer, dann müsst ihr kündigen, ich kann es nicht ändern". Damit überhaupt Training stattfinden kann, mietet der Verein Räume an, zum Beispiel von der Kirche. Doch darin lässt sich nur beengt trainieren. An der Sportlerbasis rumort es: "Im Großen und Ganzen gibt es derzeit ein Stillhalten, aber ich weiß nicht wie lange", sagt die Clubchefin.

Vereine fordern bessere Prüfung von Gebäuden

In Oberhausen werden im Moment sechs Hallen von Flüchtlingen bewohnt. Eine weitere könnte bald dazu kommen. "Doch dann ist das Ende der Fahnenstange erreicht“, sagt Hans-Bernd Reuschenbach, der für die Sportentwicklung zuständig ist. In anderen Kommunen wie Köln sieht die Lage noch prekärer aus. Der Landes-Sportbund befragt derzeit seine Mitglieder in den Kommunen, wie die Situation bei den Sporthallen aussieht und welche Möglichkeiten Vereine haben, in die Hallen zurückzukehren. Die Vereine fordern von den Städten zumindest, andere Immobilien zu prüfen oder Zelte und Container aufzustellen.

Stand: 22.01.2016, 05:00