Hoffen auf viele kleine Tigerbabys

Geburtshilfe im Wuppertaler Zoo

Hoffen auf viele kleine Tigerbabys

Sie sind die größten Katzen der Welt - und vom Aussterben bedroht: Sibirische Tiger. Die Experten im Wuppertaler Zoo versuchen alles, um Nachwuchs zu züchten. Ganz einfach ist das nicht - vor allem bei einem so ungestümen Kater wie Mandschu. Da hilft nur eins: künstliche Befruchtung auf Wuppertaler Art - eine Weltpremiere.

Ein Tiger liegt auf dem Boden

Schön, aber selten: der Sibirische Tiger

In freier Wildbahn leben nur noch einige Hundert Sibirische Tiger. "Da kennen wir quasi jeden Pfotenabdruck", sagt der Wuppertaler Zoo-Kurator André Stadler, "es kommt auf jede Katze an. Je mehr Tiger wir in Menschenhand haben, umso besser." Klarer Auftrag: Fortpflanzung!

Amors Pfeil als Vollnarkose

Kater Mandschu sieht allerdings gerade nicht so aus, als sei er bereit zum Zeugungsakt. Ein Pfeil hat ihn niedergestreckt - die Betäubung soll sein Temperament zügeln. "Mandschu ist ein aggressives Männchen", erklärt Tierärztin Imke Lüders, "und da wir beim Weibchen keine Verletzung riskieren wollen, müssen wir auf diese Art seine Spermien gewinnen."

Ein offenes Tigermaul, die Augen sind mit einem Handtuch verdeckt

Paarungsfreude kommt bei Mandschu nicht auf...

"Das sollte für eine Fortpflanzung reichen"

Eine Frau guckt durch ein Mikroskop

Johanna Kasberg - Spermien-Check im Labor

Während Mandschu nichts ahnend langsam wieder zu sich kommt, werden seine Spermien im Labor untersucht - Johanna Kasberg checkt, ob eine Tigerdame mit seinem Genmaterial etwas anfangen kann. Das Urteil fällt schnell und eindeutig aus: "Das sollte für eine Fortpflanzung reichen."

Nackenmassage fördert die Empfängnis

Allerdings müssen die Spermien jetzt noch ihr Ziel erreichen. Auch Tiger-Weibchen Mimosa wird dazu per Pfeil betäubt und anschließend auf eine Turnmatte gelegt - in typischer Tiger-Paarungshaltung. Es folgt: eine Nackenmassage. Ausgerechnet. "Katzen haben keinen spontanen Eisprung", erklärt Imke Lüders - Spezialistin für künstliche Befruchtung - das ungewöhnliche Vorgehen, "sondern er wird immer nur dann ausgelöst, wenn der Tiger das Weibchen tatsächlich bedeckt. Und das müssen wir so jetzt nachahmen." Dann kann Mimosa Manschus Genmaterial verabreicht werden.

Eine Frau mit einem Blasrohr

Blasrohr-Betäubung auch bei Weibchen Mimosa...

Daumen drücken, dass es klappt

Zoo Wuppertal Kurator, André Stadler

Wünscht sich Tiger-Nachwuchs - Zoo-Kurator André Stadler

Dieser Fortpflanzungs-Versuch auf Wuppertaler Art - eine Weltpremiere. Ein Erfolg ist allerdings nicht garantiert. "Ich hoffe, dass Mimosa sich nicht mehr auf den Boden schmeißt und hin und her über den Rücken rollt. Dann wäre sie weiterhin paarungsbereit und es hätte nicht geklappt", sagt Zoo-Kurator Stadler, "das wollen wir gar nicht mehr sehen. Viel lieber wären uns viele kleine Tigerchen."

Stand: 08.01.2016, 06:00