Wie der Wind Rendite bringt: Privatanleger in NRW entdecken die Windenergie
Am Dienstag (03.07.2012) beginnt in Bonn die Weltwindkonferenz. Im Mittelpunkt des Branchentags steht die Beteiligung der Bürger an der Energiewende. Was müssen Anleger beachten, wenn sie ihr Geld in Bürgerwindparks, Fonds und Anleihen investieren?

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Windpark mit Turbinen des Herstellers Nordex: Über geschlossene Fonds investieren Anleger in ausgewählte Projekte.
Die Bürger von Kall wollen das ganz große Rad drehen. Gemeinsam mit der Gemeinde planen sie einen millionenschweren Windpark. Fremde Investoren sind weitgehend unerwünscht. "Wir streben an, dass Einwohner der Gemeinde sich mit einem Betrag ab 1.000 Euro beteiligen können", heißt es im Konzept des Energieteams, einer gemeinsamen Initiative der Gemeinde und der Bevölkerung. Noch suchen die Kaller den geeignetsten Standort. Der erste Spatenstich kann daher frühestens in einem Jahr erfolgen. Doch schon jetzt trommelt das Energieteam auf regelmäßigen Treffen laut für die Unterstützung durch die Mitbürger.
Neue Flächen für Windparks in NRW
Die Chancen, das nötige Geld einzusammeln, stehen gut: Ob als Anteil an Bürgerwindparks, an Fonds oder als Firmen-Anleihe: "Zunehmend entdecken Bürger in NRW die Windkraft als Geldanlage. Das ist ein starker Trend", sagt Katrin Gehles, Finanzexpertin bei der Energieagentur NRW. Ein Grund: Die gesetzlich verankerte Einspeisevergütung für erneuerbare Energien ins Stromnetz verspricht sichere Renditen. Strom aus Windkraft wird in den ersten fünf Jahren mit knapp neun Cent pro Kilowattstunde vergütet. Danach sinkt sie auf knapp fünf Cent. Das Geld fließt garantiert 20 Jahre lang. So kann nach Angaben des Bundesverbands Windenergie eine Anlage mit einer Nennleistung von 2,5 Megawatt im Jahr bis zu 300.000 Euro erwirtschaften. Solche Summen bringen Bewegung in den Markt der Geldanlagen. "Die Angebote werden vielfältiger", sagt Gehles. Auf der heute beginnenden Weltwindkonferenz in Bonn widmen sich Redner aus 40 Ländern in mehr als 200 Vorträgen drei Tage lang dem Thema Bürgerbeteiligung an der Energiewende.
Der Bürgerwindpark empfiehlt sich für Kleinanleger
Der Wunsch nach weniger Abhängigkeit von Stromkonzernen beflügelt vor allem die Bürgerwindparks. Diese Kraftwerke befinden sie sich meist komplett in der Hand von Privatpersonen, in wenigen Fällen sind Stadtwerke beteiligt. Noch gibt es nur einige Dutzend in NRW. "Aber eine Vielzahl steckt jetzt in der Planungsphase", sagt Gehles Innerhalb von sechs Jahren gehen sie ans Netz. Wer sich beteiligen will, findet in seiner Gemeindeverwaltung die richtige Anlaufstelle. Oft laufen dort die Fäden von Bürgerinitiativen zusammen.
Schon mit einer Einlage von 500 Euro können sich Bürger einkaufen. "Gut geeignet für Kleinsparer", sagt Gehles. Doch die Sicherheit eines Sparbuchs können Bürgerwindparks nicht bieten. "Wer sich in einen Windpark einkauft, wird Miteigentümer und muss möglicherweise auch Verluste tragen, wenn der Wind mal nicht weht", sagt Thomas Mai, Finanzdienstleistungsexperte bei der Verbraucherzentrale in Bremen. Ohnehin bringen Windparks in NRW nicht die gleichen Renditen wie Turbinen in den windreicheren Gegenden Norddeutschlands, wo sich 90 Prozent der Windkraftwerke in Bürgerhand befinden. Aber im Westen seien längst noch nicht alle lukrative Flächen vergeben. "Es gibt hier noch Potenzial", sagt Gehles. Sie geht für Beteiligungen an Bürgerwindparks in NRW von einer jährlichen Rendite von zwei bis sechs Prozent aus. "Bei Beteiligungen an Bürgerwindparks ist fast immer ein Stück Idealismus dabei", sagt Gehles.
Windkraft-Fonds mit Verlustrisiko

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Mathias Winkler berät Anleger bei nachhaltigen Investments.
Renditejäger investieren daher eher in geschlossene Fonds, die jährlich bis zu zehn Prozent der Investitionssumme abwerfen. Dabei sammeln Fondsgesellschaften einen festgelegten Gesamtbetrag zur Finanzierung meist eines ausgewählten Projekts ein. "Wer 10.000 Euro investieren will, sollte 50.000 Euro angespart haben. Das Investitionskapital sollte er übrig haben", sagt Mathias Winkler, unabhängiger Finanzberater für nachhaltige Geldanlagen. Der Grund: Das Geld verbleibt in der Regel fünf bis 15 Jahre im Fonds. Ein Verkauf der Anteile ist schwierig, weil diese nicht an der Börse gehandelt werden. Noch sind reine Windkraftfonds rar: 2010 verzeichnete der Verband geschlossene Fonds (VGF) nur drei dieser Anlagemöglichkeiten. Doch im vergangenen Jahr schnellte die Zahl bereits auf elf hoch – allerdings keiner aus NRW. Wer investiert, braucht selbst Branchenkenntnisse oder sollte auf die Dienste eines unabhängigen Finanzberaters zurückgreifen. Bei der Auswahl hilft der Fachverband "Forum Nachhaltige Geldanlagen".
Grundsätzlich gilt jedoch für jedermann: "Bei der Auswahl eines geschlossenen Fonds sollte man einen Blick auf die Referenzen der Initiatoren werfen", sagt Winkler. Die meisten Initiatoren haben zwar in der Regel Erfahrungen mit erneuerbaren Energien, aber nur wenige mit reinen Windkraftfonds. Ob das Geld dennoch sicher angelegt ist, lässt sich unter anderem an der Struktur des Fonds ablesen. "Ein Projekt an einem Standort eines einzelnen Herstellers konzentriert das Risiko. Aber eines mit vielen Standorten unter Verwendung unterschiedlicher Techniken, streut es", sagt Winkler. Eine Übersicht über geschlossene Windkraftfonds und über die Projekte, die sich dahinter verbergen, bietet zum Beispiel das Internetportal ecoreporter.de.
Vorsicht bei Firmenanleihen
Einige Projektentwickler der Windkraftbranche nutzen die Aufbruchstimmung der privaten Investoren, um frisches Kapital durch Firmenanleihen einzusammeln. "Dies ist teils kritisch zu sehen", sagt Nils Thorsten Lange, Geschäftsführer der Finanzberatung Optifist, die einen Schwerpunkt auf nachhaltige Investments legt. Der Vorwurf: Einige Firmen würden Risiken verschleiern, indem sie in Broschüren zum Beispiel Schlagwörter wie "Sparbuch" benutzen: "So sicher sind Firmenanleihen aber nicht", sagt Lange. Gerade weil die Anteile kleinteilig und schon ab hundert Euro zu haben seien, ließen die Verbraucher oft die nötige Sorgfalt bei der Kaufentscheidung vermissen. Renditen um acht Prozent seien oft auch ein Indiz dafür, dass Geldgeber mit besseren Branchenkenntnissen als Privatanleger nicht bereit sind, der Firma ihr Kapital zur Verfügung zu stellen.
Stand: 03.07.2012, 10.30 Uhr
Kommentare zum Thema (22)
letzter Kommentar: 08.07.2012, 15:07 Uhr
- Und Tschüss schrieb am 08.07.2012, 15:07 Uhr:
- Regenerative Energien braucht das Land, die Grünen mit ihrem Verteuerungswahn und BRD zahlt für Europa brauchen wir nicht(mehr). Ohne Grüne werden wir schnell zu bezahlbaren regenerativen Energien kommen, mit den Grünen nie auf einen grünen Zweig der Energiewende!
- Pierre schrieb am 07.07.2012, 11:57 Uhr:
- Energie ist immer noch viel zu billig! Wir sollten uns daran gewöhnen das Energie nicht "billig" zu haben ist wenn sie sauber sein soll. Gerade der als "billig" beworbene Atomstrom stellt sich immer mehr als "extrem teuer" für die Gesellschaft heraus. Wir werden uns in Zukunft an teurere Energie gewöhnen müssen. Deshalb geht aber die Welt nicht unter, im Gegenteil!
- Anonym schrieb am 06.07.2012, 16:13 Uhr:
- Ich bin für regenerative Energien, aber nur wenn man die Bürger mitnimmt und mittels niedriger Strompreise daran teilhaben lässt. Bisher ist genau das Gegenteil der Fall, der Strom wird unbezahlbar nicht trotzt Grüner und Regenerativer Energie sondern mit ihnen, als Begründung für Verteuerung. Lachhaft wenn die Solarbranche imer neue Rekorde der Stromeinspeisung meldet, aber nicht erwähnt, dass ein Großteil gar keine Abnehmer findet. Deshalb kein Vorrang für EEG sondern Konkurrenz zu den Abnehmern und anderen Anbietern. Eigentlich müsste mittlerweile Windenergie schon in Produktion billiger als Kohlestrom sein, wenn ich mir die Aktienpreise von Vestas bis Nordex betrachte. Natürlich könnte auch der Staat einspringen, die Steuern auf Strom erlassen, dafür aber Steuern auf Solarstrom erhebt, der trotz überlasteter Netze eingespeist wird bis endlich die Speichermedien stehen!
- Conny schrieb am 06.07.2012, 12:01 Uhr:
- Jedes neue Windrad ist ein Schritt in die richtige Richtung! Ich freue mich wenn Privatleute in Windenergie investieren und die sollen auch ihren Profit machen. Das sei ihnen, im Gegensatz zu den Abzocker-Konzernen EON, RWE, Vattenfall usw. auch von Herzen gegönnt. Jeden Kunden den die großen Konzerne verlieren ist ein Schritt in eine bessere Energiezukunft!
- der Eulenspiegel schrieb am 04.07.2012, 14:32 Uhr:
- Nachbar wenn sie sich bei der Unterstützung der profitgierigen und machtgieriger Energiekonzernen und deren Manager wohler Fühler so ist das ihre Sache. Ich jedenfalls nicht.
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