Warnstreiks sorgen für Verspätungen Chaos durch Bahn-Warnstreik

Viele Bahnfahrer in NRW sind am Montag (18.03.2013) zu spät zur Arbeit gekommen: Bis 8 Uhr haben Mitglieder der Eisenbahner-Gewerkschaft EVG gestreikt. Über 350 Züge fuhren mit Verspätung oder gar nicht.

Die Warnstreiks bei der Bahn haben am Montagmorgen den Zugverkehr in Teilen des Landes lahmgelegt. Wie ein Bahn-Sprecher mitteilte, fuhren 290 Züge verspätet. 70 Bahnen fielen komplett oder auf einzelnen Streckenabschnitten aus. Die Eisenbahner-Gewerkschaft bestreikte zwischen 6.00 und 8.00 Uhr die NRW-Schaltzentrale der Stellwerke in Duisburg, wo Signale und Weichen gesteuert werden. Mitten im Pendlerverkehr mussten deshalb zahlreiche Züge ausfallen. EVG-Sprecher Uwe Reitz sagte, neben Duisburg hätten auch zwei Stellwerke in Düsseldorf sowie weitere Werke in Dortmund und Hamm vorübergehend den Betrieb eingestellt. Die Folge: Züge stauten sich, blockierten die Strecken und Bahnsteige und behinderten so auch die Züge der Privatbahnen. Bundesweit fielen 150 Züge ganz aus oder fuhren nur auf Teilstrecken.


Züge stauen sich

Laut Deutsche Bahn fuhr während des zweistündigen Warnstreiks zwischen Aachen und Köln kaum noch ein Zug. Auch auf der Strecke zwischen Köln und Bonn kam es zu Ausfällen und Verspätungen. "Ebenfalls betroffen war ab 7.30 Uhr die ICE-Strecke zwischen Köln und Frankfurt am Main", sagte ein Bahnsprecher. Am Kölner Hauptbahnhof wurde das Chaos noch durch einen Brandalarm verschärft. Mehrere Gleise mussten gesperrt werden. Die Feuermeldung stellte sich später als Fehlalarm heraus.

Auch das Zugreinigungspersonal legte punktuell die Arbeit nieder. Bundesweit traten 1.000 Beschäftigte in den Ausstand. Allein in Duisburg waren rund 600 Beschäftigte dazu aufgerufen, vorübergehend zu streiken. So legten Bahn-Mitarbeiter aus dem Reisezentrum, dem Kundenservice und der Betriebszentrale die Arbeit nieder, um eine Kundgebung auf dem Duisburger Bahnhofsvorplatz abzuhalten.

Ärger und Verständnis bei den Bahnkunden

Viele Pendler kamen zu spät, einige brauchten für den Weg zur Arbeit sogar erheblich länger. Auch am Nachmittag dauerten die Störungen noch an, betroffen war hier der Fernverkehr. So kam ein ICE aus München beispielsweise mit 50 Minuten Verspätung in Dortmund an. Die Bahn geht davon aus, dass die Auswirkungen noch bis in den Abend andauern werden. Die betroffenen Bahnkunden reagierten teilweise mit Verständnis für den Streik, andere waren verärgert. Reisende klagten auch darüber, dass Verspätungen auf den Bahnsteigen und an den Fahrkartenautomaten nicht immer aktuell angezeigt wurden.

Streik ist "höhere Gewalt"


Die Bahn schrieb auf ihrer Internetseite, sie wolle "eventuelle Unannehmlichkeiten für Reisende so gering wie möglich halten". Reisende dürften auch in Züge steigen, für die sie eigentlich kein Ticket haben. Informationen gebe es im Reisezentrum, unter der kostenpflichtigen Nummer 01805 - 996633 oder im Netz unter www.bahn.de. Da die Streikschwerpunkte von der EVG kurzfristig bekannt gegeben wurden, bot die Bahn im Internet jedoch nur sehr allgemeine Hinweise. Informationen zu einzelnen Zugausfällen gab es nicht. Weil Warnstreiks bei der Bahn als "höhere Gewalt" gelten, bekommen Reisende keine Entschädigung für die Verspätungen, wie ein Bahnsprecher sagte. "Kunden konnten heute Morgen aber höherwertige Züge nutzen." Fahrkarten, die am Montag gültig waren, aber nicht genutzt wurden, würden normal rückerstattet. Für zuggebundene Fahrkarten gelte die Kulanzregelgung, dass auch "die nächstmögliche frühere oder spätere Reiseverbindung" genutzt werden dürfe.

Druckmittel Warnstreik

Mit den Warnstreiks will die Gewerkschaft die Deutsche Bahn unter Druck setzen, mit der sie zurzeit über mehr Lohn verhandelt. Das bisherige Angebot von 2,4 Prozent in diesem Jahr, 2,0 Prozent im nächsten und einer Einmalzahlung von 400 Euro hält die EVG für "völlig unzureichend". Sie ist mit der Forderung vom 6,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von einem Jahr in die Verhandlungen gegangen. Die Bahn reagierte mit Unverständnis auf die Streikankündigung: Es sei absurd, jetzt zu streiken, nachdem noch gar nicht über das aktuelle Lohnangebot der DB verhandelt worden sei. Die Tarifverhandlungen für die 130.000 Beschäftigten bei der Deutschen Bahn werden am späten Montagnachmittag in Berlin fortgesetzt. Am Dienstagmittag werden die Tarifkommissionen der EVG nach deren Angaben über das bis dahin vorliegende Ergebnis beraten und entscheiden, wie die weitere Vorgehensweise aussieht. Bis dahin werde es keine weiteren Warnstreiks geben.


Stand: 18.03.2013, 17.17 Uhr


Kommentare zum Thema (79)

letzter Kommentar: 20.03.2013, 09.34 Uhr

@Arno Nym schrieb am 20.03.2013, 09.34 Uhr:
lustig nur das die IP der geringste Teil der anonymitaet im Internet ist.Wer nur seine IP verschleiert hat nichts begriffen. ;)
Arno Nym schrieb am 19.03.2013, 17.10 Uhr:
@Egbert: IP Adressen sind einfacher zu spoofen als viele glauben.
Bürger schrieb am 19.03.2013, 17.06 Uhr:
Die eigenen monitären Interessen auf Kosten der Fahrgäste erpressen zu wollen ist eine echte Sauerei! So kann das nicht weitergehen, das Streikrecht sollte reformiert und, zum Schutz der der Bürger entsprechend eingeschränkt werden. Alle Jahre wieder diese Erpressungen durch Gewerkschaften die ihre Mitglieder aufhetzen ist einfach nicht mehr hinnehmbar.
An die "Genervten" schrieb am 19.03.2013, 11.31 Uhr:
Ihr duerft streiken?Bei euren Streiks wird niemand "belaestigt" ausser eurem Boss?Get a brain!Bei jedem Streik sind auch Aussenstehende betroffen!Regt euch lieber ueber die dummen Politiker auf die dem Privatisierungswahn gefolgt sind und Krankenhaeuser,Energieversorger,Post,Bahn etc."Privatisiert"haben!Die "privaten Bosse"die die Politik dann einsetzte waren dann auch von entsprechder Qualitaet a la "ab in die Pleite Mehdorn".
Egbert schrieb am 18.03.2013, 22.07 Uhr:
Komisch hier schreiben die gleiche Gegner des Arbeitskampfes wie in dem anderen Forum wo über Streikenden Luftsicherheitskontrolleure berichtet wurde. Man trifft Sie echt überall...Sogar mit fast identischen Namen....Sagen Sie mal: Wir vermuten schon lange dass die Arbeitgeberverbände Callcenter beauftragen um negative Stimmung in der Öffentlichkeit zu erzeugen? Eine Analyse der jeweiligen IP-Adressen würde mich sehr interessieren.... Wer die Meinung manipuliert, ist nur ein Werkzeug derer die die Wahrheit vertuschen wollen.

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