Neue Vodafone-Firmenzentrale fertig Die neue Telefon-Zentrale

Von Martin Teigeler

Nach gut zwei Jahren Bauzeit hat Vodafone eine neue Deutschland-Zentrale in Düsseldorf. Es soll eines der modernsten Gebäude in Europa sein. Vor Jahren kaufte das Land NRW das alte Firmen-Hochhaus - was damit jetzt geschieht, ist unklar.


"Da ist das Ungetüm", sagt eine Rentnerin. Die Anwohnerin im Düsseldorfer Stadtteil Heerdt zeigt auf ein futuristisches Hochhaus in rund 500 Metern Entfernung. Wie ein Raumschiff scheint die neue Vodafone-Firmenzentrale hier direkt neben einer ruhigen Wohnsiedlung gelandet zu sein. Security-Mitarbeiter stehen Anfang Dezember 2012 frierend im Schnee. Sie bewachen das Millionen-Objekt. Handwerker verrichten letzte Arbeiten.

330 Millionen Euro investiert


Der Umzug von insgesamt etwa 5.000 Beschäftigten aus bisher auseinander liegenden Standorten beginnt in diesen Tagen. "Ab dem 17. Dezember 2012 ziehen die ersten Mitarbeiter um", sagt Vodafone-Sprecher Bernd Hoffmann. Den Anfang machen die Vodafone-Beschäftigten aus dem alten Mannesmann-Hochhaus auf der anderen Rheinseite, später folgen andere Standorte. Der Telekommunikationskonzern ist nur Mieter des neuen Gebäudekomplexes. Die Zech Group als Bauherr hat nach eigenen Angaben rund 330 Millionen Euro in den "Vodafone-Campus" investiert. Die Miethöhe bleibt ein Geheimnis. Entworfen wurde der Campus vom Architekten-Büro HPP Hentrich-Petschnigg & Partner in Düsseldorf.


Modern, ökologisch und arbeitnehmerfreundlich soll es zugehen in Turm und Nebengebäuden. Ein Biogas-Blockheizkraftwerk erzeugt eigenen Strom. "Kühldecken temperieren die Räume im Sommer, Bodenvektoren heizen im Winter", teilt Vodafone zum Energiekonzept mit. Die Beschäftigten können ihre Kinder in der firmeneigenen Kita abgeben. Zur Rundumversorgung gehört auch ein Park sowie ein Fitnesszentrum.

Sorgen der Beschäftigten

Nicht alle in der Belegschaft sind begeistert von der neuen Zentrale. So demonstrierten rund 300 Vodafone-Beschäftigte im September im hessischen Eschborn gegen die Verlagerung ihrer Arbeitsplätze. Das Unternehmen will bis April 2013 rund 350 Arbeitsplätze nach Düsseldorf umsiedeln. Jedem betroffenen Mitarbeiter werde ein Job in Düsseldorf angeboten, betont Firmensprecher Hoffmann. Mit dem Umzug seien keine Stellenstreichungen verbunden. Zugleich sei die neue Zentrale "ein Bekenntnis zum Standort NRW". Dies zeige auch der 20-jährige Mietvertrag.


Die Stadt Düsseldorf änderte für den Vodafone-Umzug sogar die Verkehrsführung. Insgesamt rund 14 Millionen Euro investierte die Landeshauptstadt in den Umbau des Verkehrsknotens neben dem Campus und den Neubau einer Straße. "Im linksrheinischen Düsseldorf entstehen durch den Strukturwandel viele neue Arbeitsplätze. Vodafone wird sich mit seiner Konzernzentrale dort konzentrieren", sagte Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) bei der Freigabe des Verkehrs vor einigen Wochen. Ab 2013 sind deshalb weitere Straßeninvestitionen vorgesehen.


Blick auf das Vodafone-Hochhaus in Düsseldorf
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Das alte Mannesmann-Hochhaus

Mit dem Umzug geht auch ein Stück Firmenhistorie zu Ende. Vodafone verlässt das alte Mannesmann-Hochhaus zwischen Altstadt und Landtag. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW hatte das Gebäude vor rund vier Jahren zu Zeiten der damaligen schwarz-gelben Landesregierung gekauft - laut Medienberichten für etwa 160 Millionen Euro. Auch wenige Tage vor dem Auszug von Vodafone ist laut BLB unklar, wie das Land die teure Immobilie nutzen will. "Eine langfristige Verwertung wird geprüft", sagt eine Sprecherin der NRW-Staatskanzlei lediglich. Ein Umzug des Innenministeriums in das Hochhaus ist schon länger vom Tisch. Der Kauf des Hochhauses soll in den nächsten Monaten auch vom Untersuchungsausschuss des Landtags zur BLB-Korruptionsaffäre beleuchtet werden. Ein Verdacht steht im Raum: Verschwendung von Steuergeldern.

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Vodafone

Das deutsche Tochter-Unternehmen des britischen Mobilfunkriesen Vodafone hat bundesweit rund 12.000 Beschäftigte. Die Firma hat ihren deutschen Hauptsitz in Düsseldorf. Hervorgegangen ist der Betreiber aus dem Industriekonzern Mannesmann, der Ende der 80er-Jahre eine Mobilfunklizenz erworben hatte. Der Mobilfunk machte Mannesmann im folgenden Jahrzehnt zu einem der erfolgreichsten Unternehmen in Deutschland. Im Jahr 2000 schluckte Vodafone in einem spektakulären Übernahme-Kampf Mannesmann. Mit einem Jahresumsatz von 9,3 Milliarden Euro rangierte Vodafone 2011 hinter der Oetker-Gruppe auf Platz 51 unter den deutschen Top-Unternehmen. Bundesweit ist Vodafone heute in acht Regionen mit Niederlassungen vertreten.


Stand: 14.12.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (4)

letzter Kommentar: 14.12.2012, 14.39 Uhr

mr schrieb am 14.12.2012, 14.39 Uhr:
@Doris Neule: Der Konzern hat doch schon mit den neuen Tarifen kräftig zugelangt und wirbt penetrant unangenehm und frech. Mir hat man angeboten, meinen Vertrag vorzeitig zu verlängern und dabei die verbesserten Leistungen angepriesen. Es ging um ein größeres Datenvolumen und eine Flatrate in alle Netze. Beides benötige ich nicht. "Ich bräuchte mir dann keine Sorgen mehr zu machen", flötete die junge Dame am Telefon. Abgesehen davon, dass mir das nun wirklich keine schlaflosen Nächte bereitet, musste ich dann mehrfach nachfragen, um zu erfahren, dass der neue Vertrag um mehr als 50% teurer ist, als mein jetziger. Da der Vertrag in wenigen Monaten sowieso kündbar ist, werde ich mir wohl einen neuen Anbieter suchen....
1. Allgemeine Bochumer Verunsicherung schrieb am 14.12.2012, 11.08 Uhr:
Der Staat soll den Bürger optimal versorgen und nicht seine Politiker, Beamten und Bediensteten. Wir haben in der Tat nicht nur die Krise einer Bankenblase sondern Staatskrise durch Bürokratie-und Beamtenblase? Der Apparat wird immer teurer, seine Leistung, wenn überhaupt noch messbar, geht gegen Null? Der Volksmund nannte das so:" Beim Arbeiten die Hände in den Hosentaschen und frieren, am Esstisch aber schwitzend die Ärmel aufgekrempelt" Ist Bochum überall? Ich hoffe ja, aber in Form der Staatsanwaltschaft bei den Razzien?Nur die Finanzämter können alle kriegen, das musste selbst ein Al Capone erfahren!
Anonym schrieb am 14.12.2012, 10.44 Uhr:
Und NRW hat "etwa" 160 Mio. Euro für ein Gemäuer ausgegeben, dessen weitere, (nicht?) mögliche Nutzung noch völlig unklar ist? Sozusagen Immobilienkauf auf Vorrat, was man hat, das hat man, man weiß ja nie! Da fallen doch selbst bei Nichtnutzung Folgekosten für minimale Instandhaltung, Grundbesitzabgaben, Heizung etc. an. Wie teuer ist das und wer zahlt das? Im Zweifel natürlich der Steuerzahler. Wann gibt es in NRW (und anderswo) mal endlich in den Reihen der Politiker Fachleute, die erst denken und dann handeln? 160 Mio. Euro sind ja nicht gerade ein Taschengeld. Ich kenne jedenfalls niemanden, der solch' große Taschen hat. Selbst wenn der Untersuchungsausschuß hier irgendetwas klären sollte, das ändert nichts an den gegenwärtigen Fakten. Und auch ein eventueller Abriß würde Riesensummen verschlingen. Wann gibt es endlich eine gesetzliche Grundlage für die Haftung durch die Verantwortlichen? Es wird Zeit!
Doris Neule schrieb am 14.12.2012, 08.01 Uhr:
So werden sicher bald wieder einmal direkte/indirekte, offene/versteckte Gebührenerhöhungen kommen. Schliesslich will die sicher horrende Miete monatlich pünktlich bezahlt werden. Deswegen wird auch der Mietzins nicht genannt, um einen Aufschrei in der Kundschaft zu vermeiden.