Stellenabbau bei Thyssen-Krupp: Klassenbester durch Milliarden-Sparprogramm?
Die Sparwelle bei ThyssenKrupp erreicht den Geschäftsbereich Steel Europe. In den nächsten zwei Jahren sollen 2.000 Stellen gestrichen werden. Durch Verkäufe von Unternehmensteilen könnte der Konzern um weitere 1.800 Stellen schrumpfen.

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Die ThyssenKrupp-Zentrale in Essen
Thyssen-Krupp hat dem Maßnahmenpaket einen hübschen Namen gegeben: "Best in Class - reloaded". Das Spar-Konzept, welches der Konzern am Freitag (08.02.2013) vorstellte, hat ein Volumen von 500 Millionen Euro. Damit schultert der Geschäftsbereich Steel Europe ein Viertel des konzernweiten Sparprogramms "Impact", mit dem Thyssen-Krupp seine Bilanz bis 2016 um zwei Milliarden Euro entlasten will.
Rasenmähermethode und schlechte Aussichten
Dieser Beitrag entspricht ungefähr dem Anteil der europäischen Flachstahlsparte am Gesamtunternehmen: Steel Europe steuerte im Geschäftsjahr 2011/12 mit 10,9 Milliarden Euro ein Viertel des Umsatzes von Thyssen-Krupp bei; die 27.600 Stahlwerker machen ein Fünftel der weltweiten Belegschaft aus. "Der Umfang des Maßnahmenpakets ist nachvollziehbar", meint ein Branchenkenner. "Man könnte aber auch sagen, hier wird nach der Rasenmähermethode gekürzt."
Thyssen-Krupp begründete die Einsparungen damit, dass Steel Europe nur noch eine Gewinnmarge von 2,2 Prozent erziele. Damit ließen sich nicht mehr die Kapitalkosten decken, was so viel heißt wie: Investitionen lohnen nicht, weil die Finanzierung zu teuer ist. Als weiterer Grund wurde das schwierige Marktumfeld in der europäischen Stahlindustrie angeführt. Hohe Rohstoff- und Energiepreise, steigende Kosten für CO2-Zertifikate, neue Konkurrenz aus Russland und die sinkende Stahlnachfrage in Südeuropa stimmten pessimistisch für die Zukunft.
Gewerkschaften befürchten Kündigungen

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Mitbetroffen: Stahlwerk in Duisburg
"Best in Class – reloaded" sieht die Stilllegung, Verlagerung und den Verkauf von Geschäftseinheiten und Anlagen vor. Betroffen sind die Bandbeschichtungsanlage 1 in Duisburg-Beeckerwerth, eine der beiden elektrolytischen Beschichtungsanlagen im Werk Dortmund, das Kaltwalz- und Beschichtungswerk in Neuwied, einige Elektrobandprodukte von Thyssen-Krupp Electrical Steel sowie die Feuerverzinkungslinie von Thyssen-Krupp Galmed in Spanien. Auch in der Duisburger Zentrale des Geschäftsbereichs wackeln Stühle. Unter dem Strich geht es um 2.000 von derzeit rund 27.600 Stellen, die sozialverträglich abgebaut werden sollen. Hierüber verhandelt Thyssen-Krupp nach eigenen Angaben bereits mit den Arbeitnehmervertretern.
Durch Verkäufe von Betriebsteilen bei Thyssen-Krupp Electrical Steel könnte sich die Belegschaft um weitere 1.800 Stellen verringern. In einer ersten Stellungnahme forderte die IG Metall den Konzern auf, in eine "nachhaltige Stahlstrategie am Standort Deutschland" zu investieren. "Die Rechnung für vergangenes Missmanagement darf jetzt nicht den Beschäftigten ausgestellt werden", sagte NRW-Bezirksleiter Knut Giesler; es dürfe niemand bei Thyssen-Krupp arbeitslos werden.
Raus aus dem Stahl

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Will Kulturwandel: Heinrich Hiesinger
Die gute Nachricht ist, dass Thyssen-Krupp überhaupt die Sanierung des schwächelnden Geschäftsbereichs anpackt. Im vergangenen Jahr, als klar wurde, dass der Konzern auf einen Rekordverlust von fünf Milliarden Euro zusteuerte, hatten manche Analysten einen Komplettverkauf der europäischen Stahlsparte für möglich gehalten. Für die verlustreichen Stahlwerke von Steel Americas in den USA und Brasilien ist eine solche Lösung inzwischen zum Greifen nahe. So wäre ein reiner Technologiekonzern mit den Schwerpunkten Werkstoffhandel, Aufzügen, Maschinen- und Anlagenbau entstanden. "Die Erlöse aus dem Verkauf des Stahlgeschäfts könnte Thyssen-Krupp für Akquisitionen im Industriegeschäft nutzen", sagt Rochus Brauneiser, Analyst bei Kepler Capital Markets in Frankfurt.
"Best in Class – reloaded" ist jedenfalls nicht der Schlusspunkt des Konzernumbaus. Nach den milliardenschweren Fehlinvestitionen und einer Reihe von Kartell- und Korruptionsfällen kündigte Vorstandschef Heinrich Hiesinger auf der Bilanzpressekonferenz am 11. Dezember einen "umfassenden Wandel der Führungskultur" an. Am Mittwoch (06.02.2013) bestätigte ein Unternehmenssprecher, dass die Eckpunkte des neuen Führungsmodells festgezurrt seien und ab Oktober umgesetzt würden. Auf die Mitarbeiter der Konzernverwaltung in Essen kommen demnach große Veränderungen zu. Zu Gerüchten, wonach 200 der rund 1.000 Stellen bedroht seien, hat sich der Sprecher nicht geäußert.
Stand: 08.02.2013, 16.26 Uhr
- Stahlriese in der Krise [Mediathek]
- Audio: Stellenabbau bei ThyssenKrupp [WDR 5] 08.02.2013, Jörg Marksteiner, Echo des Tages
- Hauptversammlung von Thyssen-Krupp: Scharfe Kritik an der Konzernspitze (19.01.2013)
- Luxusreisen bei Thyssen-Krupp: Gewerkschaftsvertreter zahlt Geld zurück (11.01.2013)
- Thyssen-Krupp mit Rekordverlust: Fünf Milliarden Euro Minus (10.12.2012)
Kommentare zum Thema (38)
letzter Kommentar: 13.02.2013, 10:29 Uhr
- Muhahaha schrieb am 13.02.2013, 10:29 Uhr:
- @Pseudointellektuelles Geschwafel-seehr passender nick!Uebertrifft schon fast KILLT Niveau dein Geschreibsel.Mal ganz abgesehen davon das es auch rein garnichts mit der Thyssen Meldung zu tun hat.Aber hier gibt es ja noch mehr solche Schlaumeier,passt also ROFL
- Kruppianer schrieb am 11.02.2013, 12:37 Uhr:
- So lange Typen wie SPD Steinbrück im Aufsichtsrat meiner alten Firma sitzen und abkassieren, wird es mit TK weiter abwärts gehen.
- WDR.de schrieb am 11.02.2013, 11:17 Uhr:
- Beitrag gesperrt. Bleiben Sie sachlich. Beleidigungen werden nicht veröffentlicht.
- Das Leihschwein schrieb am 11.02.2013, 09:23 Uhr:
- Gerade in den Konzernen wurde in der Vergangenheit das Personal ganz besonders in den Büros unnötig aufgebläht. Gerade Konzerne bringt man nicht mit effizienter Arbeitsweise in Verbindung, das stellt jeder Mitarbeiter fest, der lange genug im Konzern arbeitet. In diesen Konzernen sind die Mitarbeiter in Gewerkschaften organisiert und die verlangen für ihren Beitrag eine Arbeitsplatzsicherung auf Lebenszeit, also unkündbar wie ein Beamter. Nur die Zeiten wo Konzernarbeitsplätze 40 Jahre lang sicher sind, die sind vorbei und kommen auch nicht wieder. Konzernmitarbeiter müssen sich nun einen neuen Arbeitsplatz suchen, eventuell mit Umzug und völlig anderer Tätigkeit. In Zukunft kann sich kein Konzernmitarbeiter durch den Kauf eines Haus verschulden mit dem Argument, er habe einen sicheren Arbeitsplatz auf Lebenszeit. Ich weis auch nicht ob es klug ist für den Standort Deutschland immer so ein Getöse zu machen, wenn in den Konzernen Personal abgebaut wird.
- Anonym schrieb am 10.02.2013, 11:46 Uhr:
- Roosevelt2 schrieb heute, 11:12 Uhr: hmm, verstehen sie sich selbst noch, jetzt neue Verwirrungen entwerfen:Pensionhochrechnungen für Beamte sind real existierende Zahlungsverpflichtungen, die per Beamtenrecht den Beamten garantiert werden! Was haben Versicherungsverkäufer mit Beamten zu tun, oder meinen sie etwa all die Beamten die nebenbei ihren Kollegen und anderen die Versicherungen verkaufen, darunter auch Riesterrenten, denn den haben sie vergessen?
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