Hauptversammlung bei Thyssen-Krupp Optimistisch in die Zukunft

Der Stahlriese Thyssen-Krupp will sich von mehreren Geschäftsbereichen trennen, um die Verschuldung zu reduzieren und Spielraum für Wachstumsinvestitionen zu erhalten. Dies bekräftigte Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger auf der Hauptversammlung am Freitag (20.01.2012) in Bochum.


Der Vorstandsvorsitzende von ThyssenKrupp, Heinrich Hiesinger (l), spricht am Freitag (20.01.2012) während der Hauptversammlung des Unternehmens in Bochum.

Im ersten Geschäftsquartal, das am 31. Dezember endete, habe das Unternehmen einen deutlichen Ergebnisrückgang im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum verbucht. Dabei seien beim Stahlgeschäft in Brasilien und den USA weitere Verluste entstanden. Hiesinger rechnet im Sommer mit einer Verbesserung der Situation in Brasilien, doch bis das Stahlwerk optimal arbeite, werde es noch geraume Zeit dauern. Dennoch sei der Konzern weiter davon überzeugt, dass der amerikanische Markt "aussichtsreiche Perspektiven" biete, sagte Hiesinger.

Genaue Zahlen zu den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres will das Unternehmen am 14. Februar vorlegen. Für das laufende Geschäftsjahr 2011/2012, das am 30. September endet, verzichtete der Konzernchef weiter auf eine Prognose - sein Grund: Unsicherheiten über den Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland.

Cromme dankt Schulz trotz Rücktritt

Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Cromme hat in seiner Eröffnungsrede dem langjährigen Vorstandschef und Aufsichtsrat Ekkehard Schulz für seine Tätigkeit beim Industrie- und Stahlkonzern gedankt. "Seine großen Verdienste in der rund vierzigjährigen Tätigkeit für den Konzern habe ich Ihnen in der letzten Hauptversammlung ausführlich erläutert; sie bestehen unverändert fort", sagte Cromme auf der Aktionärsversammlung.

Schulz war kürzlich von seinem Aufsichtsratsposten zurückgetreten und hatte Fehler beim Milliardendebakel in Brasilien eingeräumt. Der heute 70-Jährige war von der Hauptversammlung vor einem Jahr aus dem Vorstandsvorsitz verabschiedet worden und in den Aufsichtsrat gewechselt. Als der Konzern Anfang Dezember Abschreibungen von 2,1 Milliarden Euro im Zusammenhang mit dem neuen Stahlwerk in Brasilien bekanntgeben musste, übernahm Schulz die unternehmerische Verantwortung und legte sein Aufsichtsratsmandat Ende 2012 nieder.

Industrieriese mit 180.000 Mitarbeitern

Mit einem Umsatz von mehr als 50 Milliarden Euro zählt ThyssenKrupp zu den deutschen Industriegiganten. Von den weltweit rund 180.000 Mitarbeitern des Unternehmens ist mit knapp 70.000 nur noch eine Minderheit in Deutschland beschäftigt. Seit einem Jahr steht der ehemalige Siemens-Manager Heinrich Hiesinger an der Spitze des Konzerns, zu dem sich 1999 die Stahlpioniere Thyssen und Krupp zusammengeschlossen hatten. Das Unternehmen gliedert sich gegenwärtig in die zwei Bereiche "Materials" (Stahl, Edelstahl) und "Technologies" (Anlagenbau, Aufzüge, Werften).


Stand: 20.01.2012, 11.29 Uhr


Kommentare zum Thema (7)

letzter Kommentar: 24.01.2012, 19:40 Uhr

Oskar schrieb am 24.01.2012, 19:40 Uhr:
Tja liebe/r Colonia abgesehen davon das ich Menschen die "den Oberlehrer" herauskehren nicht besonders schätze sitze ich berufl. fest im Sattel und würde selbst eine Insolvenz von TK nicht einmal spüren. Die Menschen, die in Brasilien für TK arbeiten, interessieren mich wenig! Und Nein, ich bin nicht neidisch auf Kleinaktionäre. Ich bin, was Kapitalanlagen angeht, eher konservativ. TK hat dem Standort Deutschland, im wesentlichen für seine Aktionäre, den Rücken gekehrt. Ich freue mich immer wenn solche "Abenteuer" in die Hose gehen! Wenn dadurch auch TK Mitarbeiter in Deutschland betroffen werden ist das bedauerlich aber auch nicht wirklich tragisch. Es ist krank, alles irgendwelchen Arbeitsplätzen unterzuordnen, weder in der Energiepolitik noch in der Wirtschaftspolitik. Und um ihre Frage zu beantworten, meine Wünsche und Hoffnungen bleiben dieselben auch wenn noch so viele Arbeitsplätze in der Industrie verlorengehen. Es werden in anderen Brachen neue entstehen!
Colonia schrieb am 24.01.2012, 14:57 Uhr:
Oskar: Abgesehen davon, daß es "Desaster" und nicht "Disaster" heißt, ist Ihr Wunsch schon ziemlich böse. Wenn es denn für Thyssen zum Desaster werden sollte, stehen ganz viele Menschen sehr schnell auf der Straße. Und nicht nur in Brasilien, sondern hier! Stellen Sie die dann ein? Oder vermitteln ihnen adäquate Jobs? Oder kommen für deren Lebensunterhalt auf? Irgendwie ist Ihre "Hoffnung" völlig krank! Aber zum Glück stirbt diese ja zuletzt und ich meinerseits hoffe, daß die Mitarbeiter bei Thyssen ihren Arbeitsplatz behalten werden. Wie kann man nur so denken? Es dreht sich doch nicht immer alles um die Aktionäre! Oder sind Sie etwa neidisch auf Menschen, die sich kleinere Rücklagen für's Alter schaffen, auch mit Aktien? In erster Linie geht es darum, daß nicht noch mehr Arbeitsplätze verloren gehen. Denn das würde vermutlich noch sehr viel teurer! Und was denkt, hofft, wünscht "Oskar" dann?
Oskar schrieb am 23.01.2012, 11:05 Uhr:
Die Energiewende, Atomausstieg und Vorrang der erneuerbarern Energien ist ein Gebot der Vernuft. Unbezahlbar ist ganz sicher die Kernenergie, jedenfalls wenn serioes gerechet wird! Mit Freude nehme ich zur Kenntnis das Thyssen-Krupp in Brasilien rote Zahlen schreibt, ich hoffe das setzt sich weiter fort und wird fuer TK zu einem Disaster. Bis jetzt ist es zumindest schon einmal ein Milliardendebakel das fuer TK und seine Aktionaere nicht teuer genug werden kann.
Werner60 schrieb am 21.01.2012, 13:35 Uhr:
Solange Deutschland seine idiotische Energiepolitik mit Vorrang der unbezahlbaren Erneuerbaren Energien fortsetzt, haben Unternehmen der Grundstoffindustrie in Deutschland keine Überlebenschance. Insofern ist der Schritt nach Brasilien der einzig richtige, auch wenn der Weg dorthin dornig ist.
Aktionär schrieb am 20.01.2012, 17:17 Uhr:
Ich darf auf diesem Wege mich noch einmal bei den Vorstandsmitgliedern für die geleistete Arbeit im vergangenen Jahr bedanken. Seit 35 Jahren bin ich Miteigentümer. Ich habe es bis heute nicht bereut!

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