Kostenlose Energiespar-Beratung: Check der "Stromspar-Checker"
Seit 2010 bietet eine Pfarrgemeinde in Köln im Rahmen eines bundesweiten Projektes kostenlose "Stromspar-Checks" an. Extra geschulte Langzeitarbeitslose besuchen dabei Haushalte und geben den Bewohnern ganz konkrete Energiespar-Tipps. Aber zahlen sich die hinterher tatsächlich in barem Geld aus?

-
Bild 1 vergrößern
+
1.000 Kilowattstunden hat Fawad Sadigi gespart
"Das macht eine Ersparung von 1.000 Kilowattstunden seit 2010!" Fawad Sadigi klingt so, als könnte er es immer noch nicht richtig glauben. Doch die Rechnungen auf seinem Wohnzimmertisch sind eindeutig. Beim Strom hat der 35-Jährige innerhalb von zwei Jahren 1.000 Kilowattstunden eingespart, der Verbrauch auf seiner Wasserrechnung hat sich in dieser Zeit sogar halbiert. Und der Aufwand, den Sadigi dafür betreiben musste, war relativ gering. Sein Flachbildfernseher hängt nun an einer abschaltbaren Mehrfachsteckdose, aus den Lampenfassungen strahlen Energiesparlampen und das Wasser in Küche und Bad sprudelt durch Perlatoren in Waschbecken und Wanne.
Zuerst eigene Wohnung optimiert
Seit wann Fawad Sadigi bares Geld spart, kann er auf den Tag genau sagen: "03. März 2010", steht auf seinem "Erfassungsbogen für die Vor-Ort-Begleitung". Auf diesem Bogen sind alle Geräte seines Haushaltes mit ihren jeweiligen Verbrauchswerten aufgelistet. Das Formular diente als Grundlage für die Energie-Optimierung - und war der erste Erfassungsbogen, den Fawad Sadigi selber ausgefüllt hat. Seitdem sind unzählige weitere dazu gekommen, ebenso viele Wohnungen hat der Kölner mittlerweile optimiert. Denn seit März 2010 ist Fawad Sadigi Energiesparhelfer.
970 Beratungen in zwei Jahren

-
Bild 2 vergrößern
+
Im Büro werden die Erfassungsbögen ausgewertet
Seitdem arbeitet er in Köln-Chorweiler für die katholische Pfarrgemeinde "Seliger Papst Johannes XXIII." als sogenannter "Stromspar-Checker". Die Aktion "Stromspar-Check" wurde 2009 vom Deutschen Caritasverband und dem Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands in Frankfurt ins Leben gerufen, seit 2010 gibt es das Angebot auch in Köln. Zuerst waren die Energiesparhelfer nur zu dritt, jetzt verfügt das Projekt bereits über fünf Stellen. Alle Berater sind geschulte Langzeitarbeitslose, teilweise - wie Fawad Sadigi - mit Prüfung zum Serviceberater. Die Nachfrage nach Energiespar-Beratungen ist groß: "Seit 2010 haben wir im linksrheinischen Köln 970 Stromspar-Checks durchgeführt", berichtet Projektleiterin Regina Flackskamp von der Pfarrgemeinde. Viele ehemalige Kunden hätten sich mittlerweile wieder gemeldet und von deutlich gesunkenen Stromrechnungen berichtet. "Die Resonanz ist durchweg positiv", freut sich Flackskamp.
Kostenlose Steckdosenleisten
Das Vorgehen ist bei den Checks immer gleich: Zwei Mitarbeiter des Projekts besuchen die Haushalte, erfassen alle Elektro-Geräte und die Verbrauchs-Gewohnheiten der Bewohner in einem Erfassungsbogen, werten diesen später im Büro aus und erklären dann den Kunden wenige Tage später, wie und wo sie Energie - und damit bares Geld - einsparen können.

-
Bild 3 vergrößern
+
Regina Flackskamp im Lager des Projektes
"Einige Menschen sind zuerst recht skeptisch und zurückhaltend, wenn wir bei ihnen vor der Tür stehen", erklärt Fawad Sadigi. "Die wollen einfach nicht glauben, dass wir das völlig kostenlos machen." Und doch: Die besuchten Verbraucher müssen keinen Cent investieren, um ihre Stromrechnung langfristig senken zu können - ganz im Gegenteil. Fawad Sadigi und seine Kollegen bringen bei ihrem zweiten Besuch in der Regel sogar noch ein sogenanntes Energiespar-Starterset mit, bestehend aus Energiesparlampen, Perlatoren für die Wasserhähne, einem neuen Duschkopf oder auch abschaltbaren Mehrfachsteckdosen. "Allein das hat einen Wert von fast 70 Euro", berichtet Projektleiterin Flackskamp. Vorteil für die Verbraucher: Sie können sofort mit dem Energiesparen anfangen.
Nicht jeder kann sich beraten lassen
In den Genuss dieser kostenlosen Energiespar-Beratung kann jedoch nicht jeder kommen. "Das Angebot richtet sich ausschließlich an Menschen, die Transferleistungen beziehen, also zum Beispiel Hartz IV", erklärt Flackskamp. Oft habe sie schon Anfragen bekommen, die Beratung gegen Bezahlung auch für jedermann zu öffnen. "Aber das geht einfach nicht", bedauert sie. Doch auch bei den "berechtigten" Verbrauchern müssen die Energiespar-Berater manchmal Überzeugungsarbeit leisten. "Wir beschäftigen nicht ohne Grund eine Russin, einen Afghanen, einen Türken und einen Deutschen als Berater", erklärt die Projektleiterin. Schließlich sei ein Hausbesuch gerade bei Menschen mit Migrationshintergrund nicht immer einfach - und Energiespar-Berater, die die Sprache der Verbraucher sprechen, sind damit deutlich im Vorteil. Dabei sind die Berater grundsätzlich auch nur auf Einladung ihrer Kunden unterwegs, stehen nie unangemeldet vor der Tür. "Wir werben mit Flyern für das Angebot, berichten davon bei Versammlungen und setzen auf Mund-zu-Mund-Propaganda", erklärt Fawad Sadigi. Interessierte Verbraucher können sich dann im Büro der Energiespar-Berater melden und einen Beratungstermin vereinbaren.
Mit Heizlüfter Wäsche getrocknet

-
Bild 4 vergrößern
+
Mit Messgeräten werden Stromfresser entlarvt
Die Beratung scheint bei einigen Verbrauchern dringend geboten. Fawad Sadigi ist eine alleinstehende Dame in Erinnerung geblieben, die in ihrer kleinen Wohnung 6.000 Kilowattstunden pro Jahr verbrauchte. Wie sich herausstellte, war die Frau es gewohnt, ihre Wäsche mit einem Heizlüfter zu trocknen. Sadigis Kollege Mehmet Özkaya weiß von einem Mann zu berichten, der seinen 300-Liter-Kühlschrank nur mit leeren Eierkartons gefüllt hatte - weil er gehört hatte, dass es Energie spare, wenn der Kühlschank gefüllt ist. "Seine Lebensmittel hatte er in einem zweiten, kleineren Kühlschrank", wundert sich Özkaya noch heute. Auf die Idee, den großen Kühlschrank abzuschalten, sei der Mann einfach nicht gekommen.
Häufig sind die großen Stromverbraucher aber nicht ganz so offensichtlich. Dann lassen Fawad Sadigi und seine Kollegen auch schon einmal Messgeräte beim Kunden, die 24 Stunden lang den Stromverbrauch aufzeichnen. Die Auswertung wird dann beim nächsten Besuch besprochen. "Wir erklären den Kunden auch, dass der Kühlschrank nicht direkt neben dem Herd stehen sollte, oder dass Waschen mit 30 statt 60 Grad auch nur die Hälfte an Energie kostet", so Sadigi. Bei vielen Verbrauchern lasse sich so über 100 Euro pro Jahr sparen.
Bisher waren die Energiespar-Berater nur auf den Kölner Stadtteil Chorweiler und Umgebung beschränkt. Jetzt gehört fast das gesamte linksrheinische Köln zu ihrem Einsatzgebiet. Das bedeutet viel Arbeit für Fawad Sadigi und seine Kollegen - aber auch viel Einsparpotenzial für noch mehr Kölner Haushalte.
- Über den Autor
-
Rainer Striewski hat nach dem Besuch des Projektes seine Baumarkt-Einkaufsliste um Perlatoren für Wasserhähne und Dusche ergänzt. Steckdosenleisten werden bei ihm schon lange regelmäßig abgeschaltet, das Wassersparen hat er darüber aber etwas vernachlässigt - bis jetzt zumindest.
Stand: 21.10.2012, 09.00 Uhr
- Audios und Videos zum Thema "Energie" [Mediathek]
- Schwerpunkt: Steigender Strompreis
- Serie zur Energiewende: Strom und Wärme - was tun gegen steigende Kosten? (12.10.2012) [Aktuelle Stunde]
- Servicezeit: Energiecheck im Haushalt [WDR Fernsehen]
- Stromspar-Check.de
- Energie-Checks der Verbraucherzentralen
- Bund der Energieverbraucher: Der Staat lässt die Armen allein
Kommentare zum Thema (19)
letzter Kommentar: 25.10.2012, 16:01 Uhr
- Watt schrieb am 25.10.2012, 16:01 Uhr:
- Die ganzen schlauen Tipps zum Stromsparen kennen wir nun seit Jahren und ziehen sie bestenfalls auch durch - aber warum werde ich eigentlich zum Stromsparen animiert um mit der trotzdem hohen Pauschale und dem daraus ersparten mal wieder die zu unterstützen die sich auf ihrem Status ausruhen? - Verkehrte Welt. Und warum sollte Strom gleich Strom sein? - Abzocke ist auch nicht gleich Abzocke.
- Anarchie = Reindemokratie schrieb am 22.10.2012, 13:17 Uhr:
- Die AKWs sind doch noch gar nicht abgeschaltet und trotzdem ist der Strom bei uns wesentlich teurer als in Frankreich, die 4 Großen entsorgen ihren Atommüll immer noch fast für lau u.s.w. Nun denkt doch mal nach! Wenn unsere Regierung demokratisch währe und die Mehrheit bestimmen würde und nicht das Kapital so wie die UN Resolution gegen Korruption ratifiziert währe, würde es dann auch möglich sein das unser Sozialgefüge so in Schieflage wäre wie es im Moment ist? Doch wohl kaum, oder?
- Anarchie = Reindemokratie schrieb am 22.10.2012, 12:46 Uhr:
- @ Anonym schrieb heute, 12:33 Uhr: Jede Menge! Die Gewinnvorstellung der Big 4 hat sich geändert (die wollen mehr) und unsere Regierung muss uns nun beibringen das wir dieses alternativlos zahlen müssen. Zu dem eröffnet sich hier doch eine weitere Chance von Unten nach Oben zu verteilen mit der Zuhilfenahme derjenigen die mangels Arbeit auf dem Deutschen Markt von unserer Unterstützung abhängig sind, also diejenigen die ein wenig haben müssen für diejenigen die fast nichts haben aufkommen und diejenigen die viel haben bleiben wie immer außen vor. So funktioniert Angies Soziale Marktwirtschaft, unten schröpfen und oben das Füllhorn auslehren.
- Anonym schrieb am 22.10.2012, 12:33 Uhr:
- Was ist denn jetzt mit unserem Strom seit der Energiewende ausser das er teurer geworden ist? Was ist nun besser?
- Anarchie = Reindemokratie schrieb am 22.10.2012, 10:37 Uhr:
- So lange sich die Deutesche Regierung einreiht bei den Schurkentaten und nicht endlich wie alle anderen Rechtstaatlichen die UN-Konvention gegen Korruption unterzeichnet so lange darf dem Deutschen Bürger alles als alternativlos verkauft werden. "Seit fast zehn Jahren weigert sich Deutschland, eine Konvention gegen Korruption zu ratifizieren. Abgeordnete aus CDU und FDP blockieren eine notwendige Gesetzesänderung." Wer von euch glaubt denen die Korruption für gesellschaftnotwendig halten? Ich nicht!!!!!!
Alle Kommentare zu "Kostenlose Energiespar-Beratung:Check der "Stromspar-Checker"" anzeigen
Seite teilen
Über Soziale Medien