Steigende Energiekosten Viele Anbieter erhöhen die Strompreise

Die Strompreise steigen. Fast täglich kündigen Stadtwerke in NRW-Kommunen Preisanhebungen für das kommende Jahr an. Der Bund der Energieverbraucher empfiehlt Stromkunden, spätestens jetzt einen Wechsel zu kostengünstigeren Anbietern zu prüfen.


Symbolbild Stromkosten
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2013 droht zahlreichen Privatkunden eine erhöhte Stromrechnung

Die Ankündigungen klingen ähnlich: "Wegen gesetzlicher Belastungen für die Stromversorgung und erhöhter Netznutzungsentgelte steigen die Strompreise für Kunden in Düsseldorf zum 1. Januar 2013 um 2,87 Cent/Kilowattstunde auf 25,94 Cent/Kilowattstunde (jeweils brutto)", teilten die Stadtwerke Düsseldorf Anfang November 2012 mit. Gestiegene staatliche Abgaben machten eine Anhebung "unausweichlich", hieß es von den Stadtwerken Münster.

EEG-Umlage als Hauptgrund angegeben


Grund seien vor allem gestiegene Kosten durch staatliche Umlagen zur Förderung von Öko-Strom durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), geben die kommunalen Versorger fast gleichlautend an. Die sogenannte EEG-Umlage steigt Anfang 2013 um rund 50 Prozent auf 5,3 Cent je Kilowattstunde, wie die vier Betreiber der deutschen Stromübertragungsnetze im Oktober mitgeteilt hatten. Sie wird auf die Haushaltskunden abgewälzt. Dass die höheren Preise ab dem 1. Januar 2013 jetzt im Herbst angekündigt werden, liegt daran, dass die Versorger ihren Kunden steigende Stromtarife mindestens sechs Wochen vorher mitteilten müssen.

Nicht alle Stadtwerke setzen die Preise zum Jahreswechsel rauf. "Erst wenn alle diese Daten Anfang 2013 konkret vorliegen, sind sichere Aussagen zum weiteren Verlauf des Strompreises möglich", teilte RheinEnergie in Köln mit. Beobachter rechnen mit einer Erhöhung zum 1. April 2013 in Köln.

Die Verlagerung der EEG-Kosten auf die Privathaushalte ist umstritten. "Die Erhöhung wird von einigen Stadtwerken als Alibi hergenommen, um die Preise zu erhöhen. Dabei sind Anhebungen nicht immer zwangsläufig", sagte Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher am Mittwoch (14.11.2012) zu WDR.de. Je nach Unternehmen gebe es diverse Spielräume, die Zusatzkosten in den Griff zu bekommen - ohne die Kunden extra zu belasten.

Ängstliche Stromkunden?

Leider sei es aber auch so, sagte Peters, dass die Kunden noch zu wenig Druck ausübten, um die Anbieter im Wettbewerb zu günstigeren Preisen zu zwingen. Etwa 70 Prozent der Haushaltskunden vertrauten weiter auf den regionalen Grund- oder Hauptversorger, was in der Regel die Stadtwerke sind. Es sei "traurig", dass nur rund 30 Prozent seit der Markt-Liberalisierung von 1998 den Anbieter gewechselt hätten. Es gebe eine unbegründete "Angst" bei vielen Verbrauchern vor einem Wechsel, sagte Peters. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) haben nur 26 Prozent der privaten Endkunden den Stromlieferanten getauscht.


Tatsächlich ist der Übergang zu einem anderen Stromversorger recht einfach und unkompliziert. Preisvergleiche finden sich im Internet, etwa bei Anbietern wie Hauspilot, mut-zum-wechseln, Verivox, Check24, oder Toptarif. Die Verbraucherzentrale NRW warnt allerdings auch vor Risiken bei kommerziellen Portalen. Für eine Auflistung der Angebote mit den günstigsten Tarifen genügen die Eingabe des Jahresverbrauch in Kilowattstunden, abzulesen auf der jüngsten Strom- oder Gasrechnung, und die Postleitzahl. Die Häkchen bei den Voreinstellungen wie "Bonus berücksichtigen" sollten weggeklickt werden, sonst zahlen bequeme Kunden im zweiten Vertragsjahr oft drauf.

Stichworte

Erneuerbare-Energien-Gesetz

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG, soll Strom, der aus erneuerbaren Energien hergestellt wird, Vorrang geben und dafür sorgen, dass der Ausbau solcher Energiequellen gefördert wird. Zu den erneuerbaren Energiequellen gehören Wasserkraft, Windkraft, Sonnenenergie, Erdwärme oder Biomasse. Im Gegensatz zu ihnen sind die Vorräte an konventionellen Energiequellen wie Kohle, Erdöl oder Erdgas endlich, das heißt, sie werden eines Tages aufgebraucht sein. Die Stromgewinnung durch erneuerbare Energiequellen hat zudem weitaus weniger umweltschädliche Auswirkungen als die Verarbeitung konventioneller Brennstoffe.

Das EEG sichert Herstellern von erneuerbaren Energien eine bestimmte Vergütung ihres erzeugten Stroms zu. Netzbetreiber werden verpflichtet, diesen "Ökostrom" vorrangig abzunehmen. Mit der EEG-Umlage, die im Strompreis der Energieversorger enthalten ist, übernehmen die Endverbraucher die Mehrkosten der Netzbetreiber.


Stand: 14.11.2012, 13.00 Uhr


Kommentare zum Thema (81)

letzter Kommentar: 19.11.2012, 15.30 Uhr

WDR.de schrieb am 19.11.2012, 15.30 Uhr:
Posting wurde entfernt. Bitte üben Sie Ihre Kritik sachlich und respektvoll.
Besser Parteien wechseln! schrieb am 17.11.2012, 13.14 Uhr:
Von den üppigen Gehältern der Vorstände und Aufsichträte ausgelagerter Schuldenunternehmen von kommunalen Eigenbetrieben wird zu wenig öffentlich publik. Ein Dank an SPD-Naher Zeitung in Dortmund am 16.11 also gestern Aufklärungsarbeit zu leisten, weshalb wir bei den Gebühren so tief in die tasche greifen müssen und sich ein Wechsel nie wirklich rentieren wird, sobald nur 30-50% aller Stromkunden diesen ausführen würden. Dort werden die Traumgehälter veröffentlicht und Dortmunder kommunale "Versorgungswerke " dürften nicht die einzigen Vollversorger sein, die uns Kunden so viele Sorgen bereiten. In der Tat dürften auf EEG und Netze nicht alle Erhöhungsprozente entfallen?
und morgen.. schrieb am 17.11.2012, 12.03 Uhr:
Der ganze Energiewende-Wahnsinn ist eh überflüssig. Es sei denn wir bauen über Deutschland einen riesige Schutzglocke gegen die atomare Bedrohungen an der Deutsch-französischen , deutsch-tschechischen usw. Grenze. Wenn wir diese Schutzmaßnahme auf den Strompreis umlegen würden, wäre der Kerzenindustrie auch geholfen.
Sturm im Wasserglas schrieb am 16.11.2012, 18.42 Uhr:
Es ist natürlich klar dass die Welt zusammen bricht wenn pro Haushalt 20 EURO mehr im Monat für Strom ausgegeben werden muss.
Frozzy schrieb am 16.11.2012, 17.05 Uhr:
Bezieht alle Strom von den Stadtwerken der SPD geführten Ruhrgebietsstädte. Die geben ihre Gewinne nur für die "Soziale Gerechtigkeit" aus. So z. B. für SPD Kanzlerkandidat Steinbrück der an vorderster Front unerschrocken und mutig für "Soziale Gerechtigkeit" kämpft. Der braucht dringend finanzielle Unterstützung.

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