Arbeitskampf im Sicherheitsgewerbe Warnstreiks an den Flughäfen ausgesetzt

Die Streiks von Angestellten privater Sicherheitsdienste an den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf werden vorerst ausgesetzt. Verdi kündigte nach Beendigung des Streiks am Donnerstagvormittag (21.02.2013) eine mehrtägige Pause des Arbeitskampfes an. Heute wurden zahlreiche Flüge gestrichen.

Nach dem Streik der Frühschichten des Sicherheitspersonals an den beiden großen Flughäfen in NRW will die Gewerkschaft Verdi eine fünftägige Streikpause einlegen. Bis Dienstag (26.02.2013) seien keine weiteren Streiks geplant, kündigte Verhandlungsführerin Andrea Becker am Donnerstag (21.02.2013) an.

Mit Beginn der Frühschicht hatten die Beschäftigten in Düsseldorf die Arbeit niedergelegt. An den Sicherheitskontrollen bildeten sich Warteschlangen. "Die Streikenden verteilten Handzettel und stießen bei vielen Fluggästen auf Verständnis für ihr Anliegen", berichtet Verdi-Sprecher Gunter Isemeyer von der Stimmung am Flughafen Düsseldorf. Dort wurden nach Angaben einer Sprecherin 50 Flüge gestrichen und 22 Landungen annuliert. Für den angekündigten Streikzeitraum waren dort insgesamt 147 Flüge nach Plan vorgesehen. 13.600 Passagiere waren von den Streiks betroffen.

"Die Leute sind sensibilisiert"


Auch am Flughafen Köln/Bonn waren die Auswirkungen des Streiks zu spüren. Dort wurden von den 26 geplanten Flügen, die in der Streikzeit lagen, bislang 13 gestrichen, wie eine Flughafen-Sprecherin mitteilte. Nur zwei der 15 Kontrollstellen waren während der Frühschicht geöffnet. Von den insgesamt 17 geplanten Ankünften in Köln seien acht gestrichen worden. In Köln waren mehr als 2.000 Fluggäste betroffen. Verglichen mit dem ganztägigen Streik in der vergangenen Woche, der rund 10.000 Reisende getroffen habe, halte sich der Schaden in Grenzen, so die Sprecherin. "Die Leute sind sensibilisiert und informieren sich vorab." Nach Verdi-Angaben streikten an beiden Flughäfen in der Frühschicht insgesamt rund 260 Mitarbeiter.

Flugreisende sollten sich vorab informieren

Reisenden wurde im Vorfeld geraten, sich vor ihrer Anreise zum Flughafen mit ihrer jeweiligen Fluggesellschaft in Verbindung zu setzen. Wenn möglich, sollten sie auf Handgepäck verzichten. Unter der Telefonnummer 02203-404000 können sich Reisende in Köln über die aktuelle Situation informieren. In Düsseldorf gibt es eine Info-Hotline unter der Telefonnummer 0211-421-0.

Darum geht es im Tarifstreik

Verdi fordert in dem festgefahrenen Tarifstreit 30 Prozent mehr Lohn für das private Sicherheitspersonal. Ziel der Gewerkschaft ist es nach eigener Aussage, die 34.000 Beschäftigten der privaten Sicherheitsbranche in NRW "aus dem Niedriglohnsektor zu befreien". Die Arbeitgeber bieten zwischen fünf und neun Prozent für 2013 und eine weitere "überdurchschnittliche Erhöhung" für 2014 an.

Gegenseitige Vorwürfe der Tarifpartner

Die Arbeitgeber warfen der Gewerkschaft vor, mit zu niedrigen Nettolohnangaben zu argumentieren. Verdi habe einen "Hang zur Dichtung". Die Gewerschaft hingegen bezeichnete die von Arbeitgeberseite in Aussicht gestellten Bruttoverdienste von bis zu 2.800 Euro als "pure Fantasie". Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Becker hatte am Freitag (15.02.2013) gesagt, dass Verdi bewusst Kontrolleure an Flughäfen für den Arbeitskampf aussuche. "Ich verhehle nicht, dass wir in unserer Streikplanung wussten: Das hat Druckpotenzial", sagte Becker im "Deutschlandfunk". Es gehe aber um Verbesserungen für die gesamte Branche.

In den vergangenen Wochen hatten Streiks an den Flughäfen Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn den Luftverkehr massiv behindert. Mehrere Hundert Flüge wurden gestrichen. Zehntausende Passagiere waren betroffen. Der Flughafen Köln/Bonn erlebt am Donnerstag bereits den fünften Streiktag.


Stand: 21.02.2013, 16.48 Uhr


Kommentare zum Thema (54)

letzter Kommentar: 22.02.2013, 15.15 Uhr

Ricosi64 schrieb am 22.02.2013, 15.15 Uhr:
Wieso sollte ich von FRA aus reisen? DUS liegt am nächsten, und derjenige, der meine Reisen bucht hat sich eben für DUS entschieden. Fragen sie den. Also fliege ich ab DUS. Wo ist das Problem? Wie ich bereits geschrieben habe, würde ich mich ja sogar über einen Streik freuen, weil ich ganz entspannt in der Lounge sitze und die Ruhe geniesse während das unterernähr.. angeblich unterbezahlte Sicherheitspersonal mit lustigen bunten Plastiksäcken bekleidet sich gegenseitig das Gehör kaputtträllert. Und so ganz nebenbei läuft bei mir das "Taxometer". Und zwar deutlich schneller als bei denen mit Trillerpfeife. Das ist doch ganz erfreulich, finden Sie nicht? Dafür kriechen DIE am Abend bei Mutti/Vati unter die Decke, während ich am Abend in einem weiteren Flieger sitze und in den nächsten Wochen, wie so oft, in einem Baustellen-Camp in der Wüste sitze, welches ich aus Sicherheitsgründen nicht verlassen darf. BTW: Diejenigen, die das Camp (mit MPs) bewachen, wären über 5EU/h glücklich.
RechtsDaumenLinks schrieb am 22.02.2013, 11.18 Uhr:
@Ricosi64. Und es war Ihnen nicht möglich Ihre Reise von Frankfurt aus anzutreten? Oder reicht es nicht für ein Bahnticket trotz des gewaltigen Gehaltes das Sie bekommen?
Steini schrieb am 21.02.2013, 21.19 Uhr:
Einen Tip habe ich noch für Menschen, denen GELD nahezu alles bedeutet. Neulich war ich bei dem Bestatter meines Vertrauens. Er hatte Totenhemden im Angebot, bei denen man sich Taschen in jeglicher Größe annähen lassen konnte, damit auch genügend an Geld mitgenommen werden kann, wenn es eines Tages hier weg geht.
ray schrieb am 21.02.2013, 21.03 Uhr:
wieso müssen 10.000-de Leute darunter leiden für wenige Verdi - Organisierte. Bei diesen Streik geht es nicht nur um einen Abschluss für den Sicherheitsdienst an den Flughäfen, sondern um die Sicherheitsdienste in ganz Deutschland. Und darum streiken die Flughafendienste weil dies am Medenwirksamsten ist. Und damit trift man den armen Urlauber,
@Gilla schrieb am 21.02.2013, 20.11 Uhr:
Ja, es soll Leute geben, die scheißviel arbeiten. Ich z.B. arbeite dann wann es nötig wird, solange wie es nötig ist und wann es nötig ist. Und dann kosten mich diese verdi Typen mal eben viel Geld, weil ich nicht die Möglichkeit hatte auf den Streik zu reagieren. Ich habe morgen bereits einen Termin beim Rechtsanwalt, um zu sehen, ob noch as zu retten ist. Verdi ist für mich ein Haufen von Egoisten, die für die eigenen Leute mal eben kalten Herzens andere über die Klinge springen lassen. Warum sollen die ganzen Ungelernten überhaupt einen so verantwortunsvollen Job machen, für den meines Erachtens die Bundespolizei besser geeignet ist. Ich finde die Wichtigtuer vom Flughafen sollten den Job lassen und lieber als Lagerarbeiter anheuern, da würden sie produktiver eingesetzt.

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