Streik des Sicherheitspersonals Flugverkehr massiv beeinträchtigt

Die Lage an den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf hat sich noch nicht entspannt. Seit dem frühen Morgen stehen Passagiere in langen Schlangen an den Terminals, Dutzende Flüge sind ausgefallen oder starten verspätet. Die Gewerkschaft Verdi hatte in der Nacht das Sicherheitspersonal zu einem Streik aufgerufen. Auch am Freitag (25.01.2013) wird gestreikt.


Streik auf dem Düsseldorfer Flughafen
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"Die Arbeit an den Passagierkontrollen ist sehr eingeschränkt"

"Der Streik trifft den Betriebsablauf hier schon extrem", sagte Jörg Bittner, Sprecher der Bundespolizei am Flughafen Düsseldorf International WDR.de. Allein am Vormittag mussten in Düsseldorf 100 Flüge ausfallen, geplant waren für den Tag 528. Einige Maschinen seien leer abgeflogen. "Normalerweise hätten wir hier heute 24 Spuren bei den Sicherheitschecks besetzt, nun sind es nur zwischen acht und neun." An diesen Schaltern arbeiten die Mitarbeiter, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind und eigenes Personal der Bundespolizei, das entsprechend geschult ist, erklärt Bittner.

Zudem streiken in Düsseldorf rund 200 Mitarbeiter der Personal- und Warenkontrollstelle. Dadurch können zum Beispiel keine Cateringfahrzeuge aufs Vorfeld, so Jörg Bittner zu den Auswirkungen.

Gewerkschaft mit Streikbeteiligung zufrieden


"Unsere Erwartungen von der Beteiligung sind übertroffen worden", sagte die Fachbereichsleiterin der Gewerkschaft Verdi, Andrea Becker. In Düsseldorf hätten ab vier Uhr morgens 95 Prozent der Frühdienst-Beschäftigten ihre Arbeit niedergelegt, in Köln 80 Prozent. Wie vergangene Woche in Hamburg will Verdi den Druck für die Tarifverhandlungen mit dem Bundesverband der Sicherheitswirtschaft erhöhen. Becker gibt sich kämpferisch: "Wir werden die Branche, wenn es sein muss, auch durch mehrtägige Streiks aus dem Niedriglohnsektor herausholen."

Passagierkontrollen sind betroffen


Als Konsequenz schloss der Flughafen Köln/Bonn am Donnerstagmorgen alle Passagierkontrollen. Über den Tag verteilt sollten ursprünglich 80 Maschinen aus Köln mit rund 10.000 Passagieren abfliegen. 21 Maschinen konnten nicht starten, viele sind vespätet. "Die Arbeit an den Passagierkontrollen ist wegen des Streiks sehr eingeschränkt. Wir müssen priorisieren", so ein Flughafensprecher. Das heißt, dass Fernreisende bei den Sicherheitschecks bevorzugt kontrolliert würden. Auch in Köln/Bonn starten leere Maschinen, um wenigstens die Anschlussflüge an anderen Flughäfen zu sichern.


Die Flughäfen haben Service-Hotlines für Reisende eingerichtet: In Düsseldorf ist es die Hotline 0211-421-0 und in Köln/Bonn lautet die Nummer 02203-404000. Darüber hinaus werden die Passagiere gebeten, sich bei den Airlines über den Status ihrer Flüge zu informieren.

Tarifverhandlungen gescheitert

Für die Kontrollen zuständig ist die Bundespolizei. Sie kündigte am Donnerstagmorgen an, schnellstmöglich für Ersatzpersonal sorgen zu wollen, um die Lücken zu schließen. Die Gewerkschaft Verdi hat zu dem zweitägigen Streik aufgerufen. Die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern um höhere Löhne für die Beschäftigten im Wach- und Sicherheitsgewerbe in NRW waren zuvor gescheitert.

Forderungen und Angebote im Tarifstreit


Nach Gewerkschaftsangaben befinden sich in NRW 70 bis 80 Prozent der Beschäftigten in der untersten Lohngruppe mit einem Stundenlohn von 8,23 Euro. Die Gewerkschaft fordert daher 2,50 Euro mehr pro Stunde sowie eine Erhöhung der Löhne im Abfertigungs-Bereich an den Flughäfen auf einheitlich 16 Euro brutto und die Anpassung der Löhne bei den Werkfeuerwehren auf das Niveau der Berufsfeuerwehren. "Das sind die Leute, die Terroranschläge verhindern sollen", begründete Verdi-Sprecher Günter Isemeyer die Forderung. Auch für Sicherheitsleute in anderen Bereichen will die Gewerkschaft mehr Geld. Die Arbeitgeber in NRW hätten es vor einigen Wochen abgelehnt, die Verhandlungen fortzusetzen. Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) hatte vergangene Woche kritisiert, Verdi habe bei den Forderungen für das Flughafen-Personal "jedes Maß verloren". In Nordrhein-Westfalen hätten die Arbeitgeber eine Lohnerhöhung von 9,22 Prozent angeboten. Der Flughafenverband ADV nannte die Streiks inakzeptabel und für die Passagiere unzumutbar.


Stand: 24.01.2013, 13.43 Uhr


Kommentare zum Thema (66)

letzter Kommentar: 26.01.2013, 16.57 Uhr

Erinnerung schrieb am 26.01.2013, 16.57 Uhr:
@Jürgen Schneider: ich fasse es nicht, weltweit wurde die Lohnzurückhaltung der deutschen Gewerkschaften in der Krise gelobt, selbst der Arbeitgeberpräsident musste dem zustimmen und nun bezweifeln Sie diese. Arbeitgeber wollen uns immer einreden, dass wir in der Krise sind obschon der Profit läuft, die Erwartungen (IFO Index) sehr gut sind und der DAX hoch.Es wird höchste Zeit, dass die Arbeitnehmer einen gehörigen Schluck aus der Pulle nehmen, aber auch dass sich outsourcing überhaupt nicht mehr lohnt...und die Deutschen lernen sich ihre Ansprüche zu erstreiten und nicht auf der einen Seite jammern und auf der anderen voll von teutonischem Neid auf die andere Seite des Rheins schielen!
Jürgen Schneider schrieb am 25.01.2013, 21.24 Uhr:
Ich hoffe nur, wen es der Wirtschaft schlechter geht, dass dann auch die Gewerkschaften da sind. Es gibt da einen ganz tollen Spruch" wer den Hals nicht voll kriegt......
Anonym schrieb am 25.01.2013, 19.47 Uhr:
Wer nur Hungerlöhne zahlen will gehöhrt abgestraft. Siehe die enorme Kostensteigerung bei Energie, das müssen diese Leute auch zahlen.
malocher schrieb am 25.01.2013, 13.00 Uhr:
ich finde 30 % sind noch zu wenig ....es sollten wenigstens 50% sein .....seid dem teuro euro sind die preise zum teil mehr als 100% gestiegen .... das sicherheitspersonal muss morgens um vier antreten ..natürlich auch an sonn und feiertagen ......warum arbeiten denn dort fast nur deutsche mit migrationshintergrund ......es ist von ganz oben so gewollt , das der kleine mann so gut wie nichts übrighaben soll ...bei 1200 euro im monat kann sich jeder ausrechnen was zum leben übrigbleibt ..mehr noch , was am ende an rente rauskommt .. da ist die altersarmut gewollt .. - und im übrigen , das sicherheitspersonal arbeitet für deine und meine sicherheit
Quertreiber schrieb am 25.01.2013, 08.44 Uhr:
Das ist alles so super deutsch. Eine Fehlinformation jagt die nächste. Und dann kommen noch zwei Hammer-Schlagworte: Flughafen und der ver.di. Was Tatsache ist wird total verdrängt: Noch vor fünf Jahren waren die Löhne für die Tätigkeit bei weit über 16 Euro, und die Arbeiter beim Bund in Lohn (+Anrecht auf Weihnachtsgeld+Urlaubsgeld+Wochenendzuschlag. Danach wurde outgesourced: Folge waren der Wegfall von Wochenend/Weihn./Url.-gelder). Der Lohn sank auf ca 13 Euro. Ein/zwei Jahre später, die Firma wird verkauft (wie der Verwandtschaftsgrad des Käufer zum Verkäufer war kann jeder Schlecker-Story-Leser selbst herausbekommen. Das ging ein Jahr gut die Betriebsräte wurden ersetzt, der Lohn sank weiter , da waren er nur noch 12 Euro. Weil es so schön war wurden Mitarbeiter in der Probezeit entlassen und die Neuverträge waren nur noch 11,30 Euro. Und weil das noch nicht zuwenig war, schlossen dann Betriebsräte zum Wohle ihrer Mitbeschäftigten einen Tarifvertrag mit der Ge ...

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