Rot-Grün beschließt Hilfe für Kommunen: Stärkungspakt oder "Strohfeuer"?
Die Landesregierung hat am Dienstag (27.09.2011) den Stärkungspakt für überschuldete Kommunen auf den Weg gebracht. Anfang Dezember soll das Gesetz den Landtag passieren. Das könnte schwierig werden. Die Opposition nennt die Zuschüsse ein "Strohfeuer".

-
Bild 1 vergrößern
+
NRW macht Geld für Kommunen locker
"Wir müssen schnell handeln", sagte Innen- und Kommunalminister Ralf Jäger am Dienstag (20.09.2011) nach der Kabinettssitzung der Landesregierung in Düsseldorf. "Die Finanzlage vieler Kommunen in NRW ist höchst dramatisch. In nur fünf Jahren haben sich deren Liquidationskredite mehr als verdoppelt." Akut sei die Situation in 34 Städten und Gemeinden, die bereits jetzt überschuldet sind oder es bis 2013 wohl sein werden. Diese Kommunen will Rot-Grün schon ab 2011 rückwirkend jährlich mit 350 Millionen Euro unterstützen. Dafür müssen sie innerhalb von fünf Jahren einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. "Stärkungspakt" nennt die Koalition diese Konsolidierungshilfe, die einer von drei Bausteinen des "Aktionsplans Stadtfinanzen" ist.
Auf reiche Städte kommt Solidaritätsumlage zu
Weitere Punkte dieses Aktionsplans sind eine Steigerung der Landesmittel aus dem Gemeindefinanzierungsgesetz um 300 Millionen Euro auf 8,2 Milliarden Euro sowie eine Änderung der Gemeindeordnung, die Haushaltssicherungskonzepte künftig auch dann genehmigungsfähig werden lässt, wenn die Kommune den Haushaltsausgleich nicht schon nach vier, sondern erst nach zehn Jahren erreicht. "Dieser erweiterte zeitliche Rahmen macht den Kommunen mehr Mut und motiviert sie, zu sparen", sagte Jäger. Zusätzlich soll ein Finanzausgleich zwischen den Kommunen mit ausgeglichenem Haushalt und den verschuldeten Städten und Gemeinden stattfinden. 195 Millionen Euro sollen ab 2014 durch diese Solidaritätsumlage locker gemacht werden.
Das Gesetzespaket geht bereits kommende Woche in den Landtag, Anfang Dezember soll es zur Abstimmung bereit sein. "Ich kann mir nicht vorstellen", sagte Jäger mit Blick auf die Minderheitssituation der Regierung im Landtag, " dass sich die anderen Fraktionen diesem Vorhaben sperren können." Das sieht die Opposition allerdings anders. Als "Strohfeuer" bezeichnet der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Peter Biesenbach, den Aktionsplan von Rot-Grün. Der Gesetzesentwurf pumpe Geld in leere Stadtsäckel, biete aber keinerlei Perspektiven zur Lösung der strukturellen Probleme der kommunalen Haushalte. Jäger springe zudem zu kurz, bemängelt sein Parteikollege Bodo Löttgen: "Es gibt fünfmal mehr notleidende Kommunen, als die 34, die begünstigt werden sollen." Und selbst bei denen stoße Jäger auf strikte Ablehnung. Besonders stark sei der Gegenwind in den SPD-geführten Städten und Gemeinden.
Kommunale Spitzenverbände: "Großer Fortschritt"
Ganz so ablehnend wie von Löttgen beschrieben fällt die Reaktion der kommunalen Spitzenverbände allerdings nicht aus. "Die Kommunen in NRW begrüßen die Absicht des Landes, überschuldeten Kommunen Hilfe bei der Haushaltskonsolidierung zu geben", verkünden Städtetag, Landkreistag und Städte- und Gemeindebund in einer gemeinsamen Presseerklärung. Allerdings halten sie die veranschlagten 350 Millionen Euro pro Jahr für zu wenig und kritisieren, dass das Land in ihrer zweiten Konsolidierungsstufe die Hilfen allein mit kommunalen Mitteln bewältigen will. Insgesamt loben sie die Initiative der Regierung aber als "großen Fortschritt" und sehen in den 350 Millionen einen "unverzichtbaren Einstieg" in die finanzielle Sanierung der NRW-Kommunen.
Zurückhaltender als Union geben sich auch die Liberalen in einer ersten Stellungnahme: "Klar ist, dass den notleidenden Kommunen in unserem Land geholfen werden muss", sagte Horst Engel, der kommunalpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion. Ob der Stärkungspakt zu einer langfristigen Entschuldung der Städte und Gemeinden führen könne, würden die Liberalen deswegen erstmal genau prüfen. "Wir haben nur einen Schuss frei, und der muss sitzen!"
Linke will Gespräche abwarten

-
Bild 2 vergrößern
+
Brauchen Hilfe: klammen Kommunen
Zünglein an der Waage wird bei der Abstimmung im Parlament aber ohnehin die Linke sein. Die bezeichnet das Vorhaben der Landesregierung als "zarten Schritt in die richtige Richtung, aber eben auch nur als zarten Schritt", wie Rüdiger Sagel, finanzpolitischer Sprecher der Linken-Fraktion, sich ausdrückte. Er vermisst Klarheit im rot-grünen Konzept: "Was bedeutet ein klarer Sanierungskurs, wenn den Kommunen sowieso das Wasser bis zum Hals steht?", fragt er. Mit 350 Millionen sei der Hilfsfonds "unterfinanziert", die Verbundmasse im Gemeindefinanzierungsgesetz müsse dauerhaft um zwei Prozent angehoben werden, was einer Steigerung von 700 bis 800 Millionen Euro entspräche. Wie sich die Linke im Endeffekt entscheidet, hänge von den nun anstehenden Gesprächen mit der Landesregierung ab.
Stand: 20.09.2011, 17.23 Uhr
Kommentare zum Thema (11)
letzter Kommentar: 25.09.2011, 08:16 Uhr
- Ohne Piraten gehts nicht mehr schrieb am 25.09.2011, 08:16 Uhr:
- Lieber schwarze Martin, wenn wir dieses Prinzip nicht aufrechthalten, gehen vor griechenland Bremen, Berlin und Saarland pleite. Wenn man bedenkt sind das ja keine Länder sondern auch nur Großkommunen, oder? Bürokratie bedient die Altparteien und umgekehrt. Gruß von einem Piraten
- schwarzer Martin schrieb am 24.09.2011, 18:04 Uhr:
- Da kann man ja mal sehen, wie schizophrenen das Volk denken kann. Griechenlandhilfe nein, aber Kommunen die nur mit dem Geld rumgeworfen haben, sollen jetzt auch noch dafür belohnt werden.
- steuerzahler schrieb am 23.09.2011, 18:19 Uhr:
- Merke gerade den Spar oder "Verfolgungswahn" einer Stadt am unteren Niederrhein. Pflegewohngeld ist das Stichwort. Den Fragebogen brav abgearbeitet. Dann kann der schon der schikanös zu nennende Ergänzungsbogen. Bankauskünfte wo die Beraterin nur den Kopf schüttelt. Sogar den Mietvertrag einer aufgelösten Wohnung will man einsehen. Hofft man auf den zeitnahen Tod des Antragsstellers, wahrscheinlich. Es geht um einen Betrag von ca 450 eu im Monat. Eine Drogentherapie für einen Junkie kostet 30.000.- . Für einen krebskranken Menschen sind die Kosten überschaubar, jedoch nicht in Dinslaken dort fahnden Beamte gerade nach dem "Vermögen" einer dementen Person weit 80 Jahre. Leider ist sie Deutsche und nicht abhänig. Also wird weiter geprüft. Nach besten Gewissen und Schickane. Noch interssanter wird es wenn die Anghörigen im Rahmen des Elternunterhaltes abgezogen werden sollen. Ja auch von Geringverdienern an noch was abgepresst werden. Ach wäre ich nur Hartz IV.
- flagge zeigen schrieb am 22.09.2011, 08:08 Uhr:
- auch zu den kommunalwahlen kann den nichtwählern nur dringenst empfohlen werden, denn Piraten endlich den freibeuterbrief auszustellen, um den verschuldungsteufel der altparteien auszutreiben. innerhalb der kommunalverwaltung ist viele an beförderungs-und zulagenautomatik wie auch beihilfen zu merzen. hier muss aufgeräumt werden, denn der fisch stinkt vom kopf. damit aber die köpfe der unfähigen parteisoldaten in den verwaltungen rollen, müssen wir endlich von den nichtwählern den freibeuterbrief erhalten!
- Günter schrieb am 21.09.2011, 17:28 Uhr:
- Die Opposition CDU/FDP hat in ihrer Regierungszeit versucht Haushaltssanierung zu betreiben in dem sie das Tafelsilber verscherbelte. Ein Jahr später stand sie vor dem selben Problem, sie hatte die Struktur nicht geändert aber das Tafelsilber war bereits verscherbelt. Im verhältnis dazu ist die jetzige Landesregierung richtig gut.
Seite teilen
Über Soziale Medien