Ankauf gestohlener Steuer-CDs Gegenwind für NRW wird stärker

Der Widerstand gegen den Ankauf von Steuer-CDs wie durch das Land NRW nimmt zu. Die Bundesjustizministerin will Ankauf und Auswertung per Gesetz verbieten. Und NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) sieht sich mit der nächsten Strafanzeige konfrontiert.


Daten- CD von Steuersündern
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Machen viel Ärger: CDs mit Daten von Steuersündern

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat den seit Monaten schwelenden Streit um den Ankauf von Steuer-CDs am Samstag (01.09.2012) weiter angeheizt. Sie will Ankauf und Auswertung der umstrittenen Datenträger gesetzlich unterbinden. "Ich unterstütze meinen hessischen Kollegen Jörg-Uwe Hahn, der eine Gesetzesinitiative gegen Datenhehlerei auf den Weg bringen will", sagte sie der "Rheinischen Post".

Walter-Borjans: Schutz für Steuerbetrüger

Die Antworten aus NRW ließen nicht lange auf sich warten. Es gehe der Justizministerin offenbar nicht um den Schutz der Interessen der Steuerzahler, "sondern darum, vermögenden Steuerbetrügern weiterhin Schutz vor der Strafverfolgung zu gewähren", sagte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD). Er verwies auf Urteile, wonach die Auswertung von angekauften Daten rechtmäßig sei. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne) sagte der "Rheinischen Post" vom Montag (03.09.2012): "Wenn es um die Freiheit von Steuerhinterziehern geht zulasten des Sozialstaates und des Gemeinwohls, dann steht die FDP immer wieder auf der falschen Seite, der Seite der Betrüger."

NRW-Justizminister: "Diese Politik ist unanständig"

NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) kommentierte die Gedankenspiele Leutheusser-Schnarrenbergers so: "Wer die vom Bundesverfassungsgericht gebilligte Arbeit der Steuerbehörden unter Strafe stellen will, um Steuerstraftäter zu schützen, der offenbart sein wahres Gesicht." Er fügte hinzu: "Die Bundesregierung der Besserverdienenden verkauft einerseits im Meldegesetz die Daten der einfachen Bürger an den Meistbietenden und will andererseits Steuerstraftäter aus Gründen des Datenschutzes schonen." Diese Politik sei unanständig, ergänzte er.

Der Bundestag hatte im Juni ein Meldegesetz passieren lassen, nach dem das Einverständnis der Bürger zur Weitergabe ihrer Daten vorausgesetzt wird, solange sie nicht ausdrücklich widersprechen. Das umstrittene Gesetz ist aber noch nicht in Kraft.

"Im Rechtsstaat heiligt der Zweck nicht die Mittel"

Derweil wehrte sich die Bundesjustizministerin dagegen, sie wolle Steuerbetrüger vor Verfolgung schützen: "Im Rechtsstaat heiligt der Zweck nicht die Mittel", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung" vom Montag (03.09.2012). Sie fügte hinzu: "Steuerhinterziehung gehört mit allen rechtsstaatlichen Mitteln bekämpft und nicht mit Hilfe von Kriminellen und windigen Datenhehlern."

NRW reicht Steuerabkommen nicht


Das Land Nordrhein-Westfalen hatte mehrfach illegal in der Schweiz beschaffte Daten deutscher Steuerhinterzieher angekauft und hält das von der Bundesregierung ausgehandelte Steuerabkommen mit der Schweiz für völlig unzureichend. Das Bundesfinanzministerium kritisierte den Ankauf. Ressortchef Wolfgang Schäuble (CDU) pochte auf die Umsetzung des Abkommens, dessen Ratifizierung die SPD im Bundesrat verhindern will.

Wieder Strafanzeige gegen Walter-Borjans


Prof. Dr. Thomas Koblenzer
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Anzeige erstattet: Steuerrechtsexperte Thomas Koblenzer

Unterdessen muss sich NRW-Finanzminister Walter-Borjans mit einer weiteren Strafanzeige gegen ihn auseinandersetzen. Auf den Weg gebracht hat sie der Düsseldorfer Steuerrechtsexperte Thomas Koblenzer. Der Rechtsanwalt und Honorarprofessor an der Universität Siegen betreibt nach eigenen Angaben unter anderem eine Kanzlei für Steuerrecht mit Büros in Düsseldorf und Zürich. Er ist auch Gesellschafter und Geschäftsführer eines Neusser Unternehmens, das Privatbanken, bankenunabhängige Vermögensverwalter und vermögende Privatpersonen berät. Koblenzer hat neben Walter-Borjans Mitarbeiter der Schwerpunktstaatsanwaltschaft Wuppertal und der Oberfinanzdirektion Rheinland angezeigt. Er wirft ihnen unter anderem unbefugtes Beschaffen von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen sowie Verleiten von Datenhehlern zum Verrat und Verstoß gegen das Datenschutzgesetz vor.

Steuerrechtler: "Massivste Straftaten"

"Die Strafanzeigen sind das Ergebnis wissenschaftlicher Forschung seit 2010. Die Finanzverwaltung vertuscht kriminelle Machenschaften. Der Ankauf der Steuer-CDs wird abgewickelt mit Geldschleusern, mit Spionage und geknackten SMS-Daten. Das läuft ab wie im Krimi", sagte Koblenzer WDR.de. Diese Vorgehensweise kommt seiner Meinung nach einem "Großangriff auf den Rechtsstaat" gleich: "Hier werden "massivste Straftaten begangen, um Straftaten aufzudecken." Derzeit prüfe die Staatsanwaltschaft Köln, ob sie Ermittlungen aufnimmt.

Beteiligte Amtsträger im Visier

Koblenzer betonte zugleich, die Anzeige richte sich nicht in erster Linie gegen die Person Walter-Borjans, "sondern gegen involvierte Amtsträger, zu denen auch der Finanzminister gehört, da er Gelder zum Ankauf der Datenträger freigeben muss". Erst Mitte August hatten Abgeordnete der NRW-Piraten gegen den nordrhein-westfälischen Finanzminister eine Anzeige auf den Weg gebracht - und sich dafür den Zorn von Landesverband und Landtagsfraktion zugezogen. Die Abgeordneten argumentierten, die NRW-Steuerfahndung schaffe einen Markt für illegal beschaffte Daten-CDs, was juristisch problematisch sei.

Stichworte

Bankdaten-CD

Bankdaten-CDs (auch Steuersünder-CDs) enthalten Datensätze von Bankkunden, die meist illegal Geld zu ausländischen Banken transferiert haben. Diese Daten werden von den Ermittlungsbehörden in Hinblick auf mögliche Steuerhinterziehungen ausgewertet. Die CDs werden in der Regel von Bank-Insidern zum Kauf angeboten.

2006 kauften deutsche Behörden zum ersten Mal eine solche CD. Ein früherer Mitarbeiter der Liechtensteicher LTG-Bank bot dem Bundesnachrichtendienst Daten von 800 Bankkunden an und kassierte dafür angeblich zwischen vier und fünf Millionen Euro. Auf der CD fanden sich auch Hinweise auf den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post AG, Klaus Zumwinkel. Zumwinkel wurde 2009 wegen Steuerhinterziehung verurteilt.

Im März 2010 kauften die Finanzbehörden in NRW eine CD mit Daten von Kunden der Schweizer Bank Credit Suisse. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft leitete über 1.000 Ermittlungsverfahren ein, die Zahl der Selbstanzeigen stieg rapide an.

Im Oktober 2010 kaufen NRW-Behörden eine CD mit Daten der Schweizer Bank Julius Bär, es folgen zahlreiche Ermittlungen und Anzeigen. Im April 2011 zahlt die Bank den deutschen Behörden 50 Millionen Euro, im Gegenzug wurden die Ermittlungen gegen die Bank und ihre Mitarbeiter eingestellt.

Im Oktober 2011 erwerben die Ermittler Daten deutscher Kunden einer Tochter der britischen HSBC-Bank mit Sitz in Luxemburg.

Insgesamt sollen die deutschen Finanzbehörden durch den Ankauf von Bankdaten-CDs über eine Milliarde Euro an Straf- und Nachzahlungen eingenommen haben.


Stand: 03.09.2012, 09.55 Uhr


Kommentare zum Thema (111)

letzter Kommentar: 05.09.2012, 16:21 Uhr

Gegenwind schrieb am 05.09.2012, 16:21 Uhr:
Die Trolle treiben wieder ihr Unwesen und missbrauchen die Nicknamen. Es wird nicht viel helfen, mal sehen, ob die fragwürdige rostrote Front der Walter-Borjans und Gabriels dem Gegenwind standhält. .. und die Schweiz bewegt sich doch wie man lesen kann. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf stellt zur Diskussion, Gruppenanfragen zu Steuersündern rückwirkend zuzulassen. Dies soll einem Bericht des Finanzdepartements zu entnehmen sein. Gruppenanfragen gehören seit diesem Sommer zum OECD-Standard, der für die Schweiz verbindlich ist. Im Schweizer Recht ist die Zulässigkeit von Gruppenanfragen jedoch noch nicht verankert: Das Steueramtshilfegesetz, das den Vollzug der Amtshilfe in Steuerfragen regelt, könnte in der Herbstsession verabschiedet werden.
Jan schrieb am 04.09.2012, 21:22 Uhr:
Sie haben anscheinend immer noch nicht begriffen das genau diese Steuerbetrüger unser Land ruinieren. Das sind die größten Schmarotzer im Land. Die treiben unser Land voll in Richtung Griechenland. Griechenland ist doch nicht pleite weil die Griechen so faul sind sondern weil es dort nie eine Regierung gab die konsequent gegen Steuerbetrug vor ging.
@ Einhundert schrieb am 04.09.2012, 20:04 Uhr:
Glauben Sie Ihren Schwachsinn wirklich? Ich möchte mal behaupten, das diese Steuerhinterzieher immer noch mehr Geld in Deutschland lassen bzw, ausgeben und auch an Steuern bezahlen, als Sie im Jahr verdienen! Sicherlich rechtfertigt das immer noch nicht deren Handeln aber auf diese Leute verzichten? Ich weiß nicht! Irgendeiner muß ja auch die Sozialschmarotzer unterhalten!
Anarchie = Reindemokratie schrieb am 04.09.2012, 13:54 Uhr:
Das sind überall die gleichen Zecken im Fleisch der Gesetzestreuen und zu großen Teil die Verursacher der Eurokrise.
Einhundert schrieb am 04.09.2012, 11:24 Uhr:
Wer hier seiner Steuerpflicht nicht nachkommen will sollte mit seinem Geld das Land für immer verlassen. Das wäre wirklich kein Verlust denn auf solche kriminelle Abzocker kann Deutschland sehr gut verzichten. Das sind nicht die, die den Karren hier ziehen, im Gegenteil! Je eher diese "Schmarotzer an der Gesellschaft" verschwinden um so besser für das Land und den Staat! Denn Wohlstand für alle gibt es nur wenn auch alle ihrer Steuerpflicht nachkommen und die ist kein Wunschkonzert!

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