Strafbefreiende Selbstanzeigen: Die Zeit arbeitet gegen die Steuersünder
Finanzämter sollen nach Medienberichten von Donnerstag (16.08.2012) Selbstanzeigen von Steuersündern mit Schwarzgeld in der Schweiz häufiger ablehnen. Das NRW-Finanzministerium erklärte, es werde nicht härter vorgegangen. Eine Selbstanzeige schütze aber nur, solange der Fall nicht aufgedeckt sei.

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Steuer-CDs - kleine Datenträger mit großer Wirkung
Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" beißen Steuerhinterzieher, die sich selbst anzeigen, bei den Finanzämtern mittlerweile auf Granit. Das Blatt zitiert zudem einen Steuerstrafverteidiger, nach dessen Aussage die Finanzverwaltung in Nordrhein-Westfalen "eine ganz harte Linie eingenommen" habe. Die Finanzämter hätten Selbstanzeigen von mutmaßlichen Steuerhinterziehern zurückgewiesen, die im Juli durch Berichte über fragwürdige Lebensversicherungen der Credit Suisse auf den Bahamas aufgeschreckt worden seien. Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) versicherte allerdings am Donnerstag (16.08.2012): "Der Weg zurück in die Legalität soll nicht versperrt werden."
Kein Interesse, die Latte zu hoch zu legen
Schwerpunkt
"Es gibt keine Weisung, härter vorzugehen. Der Erwerb von Steuerdaten steht einer Selbstanzeige nicht entgegen", sagte auch ein Ministeriumssprecher WDR.de. Er ergänzte, dass die Selbstanzeigen mehr gebracht hätten als die Auswertung der Steuer-CDs: "Folglich haben wir kein Interesse daran, die Latte zu hoch zu legen." Im Übrigen hätte die Liste der Credit-Suisse-Kunden, über die erstmals am 11. Juli 2012 berichtet worden sei, und der künftige Ankauf von Steuerdaten durch das Land NRW nichts miteinander zu tun. Minister Walter-Borjans unterstrich in einer Mitteilung, Steuersünder in Nordrhein-Westfalen könnten auch nach dem Ankauf von Bankdaten aus der Schweiz die Chancen einer strafbefreienden Selbstanzeige nutzen. Sie hätten dafür aber nicht unbegrenzt Zeit.
Straffreiheit nicht in jedem Fall
Doch die Zeit arbeitet gegen die Steuersünder. Denn eine Selbstanzeige könne laut Ministerium nicht mehr zur Straffreiheit führen, "wenn die Straftat bereits entdeckt war und der Täter das wusste oder damit rechnen musste". Verschenkt ist die Selbstanzeige in einem solchen Fall dennoch nicht. Sie werde "bei der Strafzumessung gewürdigt". Der Ministeriumssprecher machte gegenüber WDR.de zudem darauf aufmerksam, dass Straffreiheit auch dann nicht gewährt werden könne, wenn der Steuersünder nicht komplett reinen Tisch mache: "Wird von mehreren Schwarzgeldkonten auch nur eins verschwiegen, ist die ganze Selbstanzeige unwirksam."
Seit dem Frühjahr 2010 sind bei der Finanzverwaltung NRW über 6.500 Selbstanzeigen eingegangen. Durch deutsche Steuersünder mit Schweizer Schwarzgeldkonten nahm das Land bisher etwa 300 Millionen Euro ein. Bundesweit gab es mehr als zwei Milliarden Euro an Nachzahlungen.
Stichworte
- Bankdaten-CD
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Bankdaten-CDs (auch Steuersünder-CDs) enthalten Datensätze von Bankkunden, die meist illegal Geld zu ausländischen Banken transferiert haben. Diese Daten werden von den Ermittlungsbehörden in Hinblick auf mögliche Steuerhinterziehungen ausgewertet. Die CDs werden in der Regel von Bank-Insidern zum Kauf angeboten.
2006 kauften deutsche Behörden zum ersten Mal eine solche CD. Ein früherer Mitarbeiter der Liechtensteicher LTG-Bank bot dem Bundesnachrichtendienst Daten von 800 Bankkunden an und kassierte dafür angeblich zwischen vier und fünf Millionen Euro. Auf der CD fanden sich auch Hinweise auf den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post AG, Klaus Zumwinkel. Zumwinkel wurde 2009 wegen Steuerhinterziehung verurteilt.
Im März 2010 kauften die Finanzbehörden in NRW eine CD mit Daten von Kunden der Schweizer Bank Credit Suisse. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft leitete über 1.000 Ermittlungsverfahren ein, die Zahl der Selbstanzeigen stieg rapide an.
Im Oktober 2010 kaufen NRW-Behörden eine CD mit Daten der Schweizer Bank Julius Bär, es folgen zahlreiche Ermittlungen und Anzeigen. Im April 2011 zahlt die Bank den deutschen Behörden 50 Millionen Euro, im Gegenzug wurden die Ermittlungen gegen die Bank und ihre Mitarbeiter eingestellt.
Im Oktober 2011 erwerben die Ermittler Daten deutscher Kunden einer Tochter der britischen HSBC-Bank mit Sitz in Luxemburg.
Insgesamt sollen die deutschen Finanzbehörden durch den Ankauf von Bankdaten-CDs über eine Milliarde Euro an Straf- und Nachzahlungen eingenommen haben.
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Video:
Selbstanzeige schützt vor Strafe nicht
(01:18 Min.)
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WDR aktuell vom 16.08.2012
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Selbstanzeige schützt vor Strafe nicht
Stand: 16.08.2012, 17.21 Uhr
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- Zahl der Selbstanzeigen steigt: Die Steuersünder werden nervös (19.07.2012)
Kommentare zum Thema (21)
letzter Kommentar: 17.08.2012, 18:12 Uhr
- Hartzer schrieb am 17.08.2012, 18:12 Uhr:
- @Geli: Wir bekommen euer Geld schon da können sie sich sicher sein! Auf die ein oder andere Art und Weise landet es bei uns! Das funktioniert! Wir müssten bescheuert sein zu Arbeiten. Lieber einen dicken Bauch Hartzen, saufen fressen und Extremcouching statt einen Buckel vom Arbeitenö. Wenn sie schon längst in die Grube gefahren sind lachen wir uns immer noch kaputt!
- Anonym schrieb am 17.08.2012, 12:29 Uhr:
- Steuerbetrüger möchten vermutlich ähnlich wie gesellschaftlich abseits stehende Pussys verachtet werden, die an heiligen Orten schmutziges Zeug schreien.
- Anonym schrieb am 17.08.2012, 11:58 Uhr:
- Vier Mitglieder der Piratenpartei haben am Freitag (17.08.2012) wegen des Ankaufs von Steuer-CDs Strafanzeige gegen NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans gestellt. Darunter sind die NRW-Abgeordneten Dirk Schatz und Nico Kern sowie der Düsseldorfer Anwalt Udo Vetter. Die Piraten sehen in dem Ankauf eine Unterstützung von wirtschaftlicher Beschaffungskriminalität. Im Landtag haben sie zudem eine kleine Anfrage gestellt, wie viel Geld die Landesregierung für den Ankauf der CDs ausgegeben hat.
- Geli schrieb am 17.08.2012, 11:36 Uhr:
- Was tut ein "ehrlicher Leistungsträger" um 10:30 Uhr im Internet? Und woher weiß der "ehrliche Leistungsträger", aus welchen Quellen das Geld stammt, das in der Schweiz angelegt wurde? Für mich sieht das nach einem Neidhammel aus, der sich jeder eigenen Leistung verweigert, aber seine Unterstützung gerne von den Leuten einfordert, die an seiner Stelle arbeiten gehen. Das läuft so aber nicht.
- Merkwuerdig schrieb am 17.08.2012, 10:54 Uhr:
- sich "Analytiker"nennen und nicht merken das man sich durch dieses schriftliche Beifallklatschen zur Steuerhinterziehung dieser Steuerverbrecher nur in den eigenen Fuss schiesst....ueber 100milliarden Hinterziehung per Jahr-damit laesst sich bspw. Harzt IV locker bezahlen-oder die Schulden Deutschlands innerhalb weniger Jahre auf 0 zurueckfuehren.
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