Steuer-CD: Briefwechsel in Düsseldorf: Keine Ironie im Landtag, bitte!
NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) hat in einem persönlichen Brief an CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann dargelegt, weshalb er das geplante Steuerabkommen mit der Schweiz ablehnt. Der antwortete jetzt. Mit einem Brief an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

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Brief an den Oppositionsführer: Norbert Walter-Borjans
Das noch nicht ratifizierte, umstrittene Steuerabkommen mit der Schweiz diene "nicht der Bekämpfung von Steuerflucht, sondern denen, die davon profitieren", schreibt NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) an CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann in einem Brief, der WDR.de seit Dienstag (24.07.2012) vorliegt. Die Antwort des Oppositionschefs kam prompt. Auch er schrieb einen Brief, wandte sich allerdings an Walter-Borjans Chefin, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Der zufällige Erwerb von Steuer-CDs könne eine "flächendeckende, rechtsichere und gerechte Regelung nicht ersetzen, so Laumann. Zudem beschwert er sich über den ironischen Ton des Finanzministers.
"Sicherer Hafen für Schwarzgeldanleger"
Im Einzelnen: Walter-Borjans moniert, dass für die nachträgliche Abgeltung von Steuerhinterziehung "in den allermeisten Fällen 21 bis 25 Prozent des angelegten Geldvermögens abzuführen wären - aber so gut wie nie die Obergrenze von 41 Prozent." Für inakzeptabel hält er auch, dass den Anlegern von Schwarzgeld "noch bis zum Ende des Jahres Zeit gegeben werden soll, ihr Kapital unerkannt auf Konten außerhalb der Schweiz oder auf andere vom Abkommen nicht erfasste Anlageformen zu verlagern." Und besonders gravierend findet er, dass mit dem Abkommen "für die Zukunft ein so gut wie sicherer Hafen für Schwarzgeldanleger geschaffen würde". Habe Kapital - egal welcher Herkunft - einmal seinen Weg in die Schweiz gefunden, wäre seine Anonymität gesichert.
"Sicherheit für Steuerhinterzieher"
Walter-Borjans' Fazit: Wenn der Erwerb von Bankdaten-CDs "durch unsere Steuerfahndung ausgeschlossen wäre, entstünde eine bisher nicht gekannte Sicherheit für Steuerhinterzieher, die den Bestand von Schwarzgeld in der Schweiz nicht senken, sondern erhöhen würde - zum Schaden der ehrlichen Steuerzahler in Deutschland." "Mindestanforderung an ein wirksames Abkommen" sei, "dass die Ermittlungsmöglichkeiten der deutschen Steuerfahnder auch in Zukunft nicht eingeschränkt werden." "Ohne eine weitere gravierende Nachbesserung" könne die NRW-Landesregierung zu dem Steuerabkommen "keine Zustimmung" geben.
Laumann wirbt für Steuerabkommen
In seinem Brief an die Ministerpräsidentin fordert Laumann indes, dass die NRW-Landesregierung bei der Abstimmung im Bundesrat eine "konstruktive Haltung" anzunehmen. "Auf den dauerhaften Ankauf von Steuer-CDs zu setzen, mag kurzfristig Beifall bringen, ist jedoch eines Rechtsstaats nicht würdig", so Laumann. Gegenüber der Ministerpräsidentin beschwert sich Laumann auch über den von Walter-Borjans angeschlagenen Ton. Er bittet Kraft, "dafür Sorge zu tragen, dass von einem solchen ironischen Stil einem Mitglied des Parlaments gegenüber in Zukunft abgesehen wird."
Stichworte
- Das geplante Steuerabkommen mit der Schweiz
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Nach Schätzungen von Experten liegen bis zu 200 Milliarden Euro an Schwarzgeldern aus Deutschland auf Schweizer Konten. Mit einem Abkommen soll das Schwarzgeld künftig in der Schweiz besteuert werden. Aktuell droht das Abkommen Deutschlands mit der Schweiz aber nach jahrelangen Verhandlungen zu scheitern. Die von SPD und Grünen geführten Länder lehnen es auch nach Zugeständnissen der Schweiz im Bundesrat weiter ab. Umstritten sind unter anderem die geplante Besteuerung des vor Jahren beiseitegeschafften Altvermögens deutscher Kunden bei Schweizer Banken sowie deren Anonymität. Die Schweiz ist nicht bereit, weitere Änderungen zu akzeptieren. Wenn der Bundesrat im November nicht zustimmt, tritt das Abkommen nicht in Kraft.
- Bankdaten-CD
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Bankdaten-CDs (auch Steuersünder-CDs) enthalten Datensätze von Bankkunden, die meist illegal Geld zu ausländischen Banken transferiert haben. Diese Daten werden von den Ermittlungsbehörden in Hinblick auf mögliche Steuerhinterziehungen ausgewertet. Die CDs werden in der Regel von Bank-Insidern zum Kauf angeboten.
2006 kauften deutsche Behörden zum ersten Mal eine solche CD. Ein früherer Mitarbeiter der Liechtensteicher LTG-Bank bot dem Bundesnachrichtendienst Daten von 800 Bankkunden an und kassierte dafür angeblich zwischen vier und fünf Millionen Euro. Auf der CD fanden sich auch Hinweise auf den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post AG, Klaus Zumwinkel. Zumwinkel wurde 2009 wegen Steuerhinterziehung verurteilt.
Im März 2010 kauften die Finanzbehörden in NRW eine CD mit Daten von Kunden der Schweizer Bank Credit Suisse. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft leitete über 1.000 Ermittlungsverfahren ein, die Zahl der Selbstanzeigen stieg rapide an.
Im Oktober 2010 kaufen NRW-Behörden eine CD mit Daten der Schweizer Bank Julius Bär, es folgen zahlreiche Ermittlungen und Anzeigen. Im April 2011 zahlt die Bank den deutschen Behörden 50 Millionen Euro, im Gegenzug wurden die Ermittlungen gegen die Bank und ihre Mitarbeiter eingestellt.
Im Oktober 2011 erwerben die Ermittler Daten deutscher Kunden einer Tochter der britischen HSBC-Bank mit Sitz in Luxemburg.
Insgesamt sollen die deutschen Finanzbehörden durch den Ankauf von Bankdaten-CDs über eine Milliarde Euro an Straf- und Nachzahlungen eingenommen haben.
Stand: 25.07.2012, 17.26 Uhr
Kommentare zum Thema (42)
letzter Kommentar: 27.07.2012, 11:02 Uhr
- Weiter südlich droht der Sonnenbrand schrieb am 27.07.2012, 11:02 Uhr:
- Hmm mir macht nicht die Schweiz Sorgen, mir liegen Monti und Draghi schwer im Magen, ist denn das richtig , was die mit unserer europäischen EZB machen. Ganz konsterniert bin ich von den Bemühungen der Vatikanbank, sich dem europäischen Finanzgebahren anzuschließen. Ja was zum Teufel war denn bisher in Italien die Bankengepflogenheit, Sizilien ist pleite! Und Omerta ala Draghi und Monti kann man nun in Brüssel und gestern in London hören: Goldene Zeiten wurden für die Sachsen der Londoner City ausgerufen, die Frankfurter Tresore stehen jetzt sperrangelweit offen für mediterranes Dolce Vita. Nur ist mir nicht klar ob Fakalaki und Mafia zusammen nicht ein größeres Monster bilden und nicht lange fackeln werden, der Vita unserer BRD ein Ende mit Schrecken zu bereiten?
- S.Ronnwald schrieb am 27.07.2012, 08:27 Uhr:
- vielleicht hat ja so mancher CDU-Politiker Angst,dass auch sein Name auf einer angekauften CD auftaucht.
- Doug schrieb am 27.07.2012, 03:17 Uhr:
- Dieser Bauer wieder. Etwas Ironie und ein Lächeln stünden ihm auch gut. Naja soll er aus dem Hintergrund pfeiffen und weiter beleidigt sein, dass er nichts zu sagen hat. Davon ändert sich aber auch nichts.
- dummer Martin schrieb am 26.07.2012, 23:44 Uhr:
- @Roger: Erst mal das schweizerische Verhalten abklopfen. Dann die angeblich deutsche illegale Informationsbeschaffung damit abgleichen. Bisher war doch Amerika für alle rechtdemokratischen Kräfte das Vorbild schlechthin? Bisher habe ich noch keinen Satz von schwarz-gelb gehört, warum das amerikanische Abkommen nicht jubelnd vorgeschlagen wurde.
- Anonym schrieb am 26.07.2012, 20:39 Uhr:
- Laumann will doch nur das die Steuerhinterzieher vor Verfolgung geschützt sind.
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