Schlecker-Frau macht sich selbständig Ein ganz privates Jobwunder

Von Andreas Poulakos

Seit drei Monaten ist die Marke Schlecker Geschichte. Rund 5.000 Menschen in NRW verloren durch die Insolvenz der Kette ihren Arbeitsplatz. In Köln wagt eine ehemalige "Schlecker-Frau" nun zusammen mit einem Partner den Neuanfang - als Chefin ihres eigenen Drogeriemarkts.


Porträt Manuela Stutzer
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Manuela Stutzer will Anton Schlecker beerben - in Köln-Esch

An den Fenstern prangt noch der blaue Schriftzug ihres alten Arbeitsgebers - aber nicht mehr lange. "Das macht doch was her", sagt Manuela Stutzer und deutet auf ein buntes Schild mit ihrem neuen Logo: "em & es - Ihre Drogerie und mehr". "Hier wird bald nichts mehr an Schlecker erinnern", sagt sie und lacht. "Das ist auch ganz gut so." Die Zeit drängt: Bis auf ein Regal mit Waschmitteln herrscht in dem 200 Quadratmeter großen Ladenlokal im Kölner Stadtteil Esch eine Woche vor der Eröffnung am 1. Oktober noch gähnende Leere. "Bis dahin bleibt keine ruhige Minute", sagt die 49-Jährige. "Aber das ist guter Stress. Kein Vergleich zu den letzten Monaten."

Manuela Stutzer: "Das Arbeitsamt ist nicht meine Welt"


Die vergangenen Monate, das war die Arbeitslosigkeit: Nach zwölf langen Jahren bei Schlecker hatte Stutzer im März die Kündigung erhalten. "Zum Schluss ging alles sehr schnell", erinnert sie sich. "Das war schon hart, vielleicht auch weil es so lange nur bergauf ging." Zunächst der Aufstieg von der Verkäuferin zur Leiterin eines kleinen Schlecker-Markts, zuletzt die Verantwortung für eine große Filiale mit vielen Mitarbeitern. "Und plötzlich war ich von irgendwelchen Sachbearbeitern abhängig", erzählt sie. "Arbeitsamt, das ist einfach nicht meine Welt." Sie habe dort viel Gleichgültigkeit erlebt, meint sie, und nur wenig Respekt. "Manchmal wollte ich denen einfach nur ins Gesicht sagen: 'Ich muss gar nichts. Ich kann nämlich was!' Das habe ich mir zum Glück verkniffen."

Lange Wege für Shampoo


Porträt Adolf Mahlberg
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Addi Mahlberg wird nach langer Pause wieder Kaufmann

Nur knapp ein Drittel der einst 5.000 Schlecker-Beschäftigten in NRW hatten im August 2012 wieder eine Arbeit gefunden. Alle anderen suchen noch oder befinden sich in einer Qualifizierungs-Maßnahme. Dass sie im Gegensatz zu der Mehrheit ihrer früheren Kolleginnen wieder eine Perspektive habe, verdanke sie einem glücklichen Zufall, meint Stutzer: Addi Mahlberg (62), der Mann einer ehemaligen Schlecker-Kollegin, war mit einer Geschäftsidee an sie herangetreten. Elf Jahre lang hatte der gelernte Kaufmann seine kranke Mutter gepflegt. Nach ihrem Tod vor einigen Monaten war er wieder frei für ein neues Projekt für das er noch einen gleichberechtigten Partner suchte. "Der Schlecker-Markt in Köln-Esch war den Leuten wichtig", erklärt er. Zurzeit müssten die Bewohner des Stadtteils für eine Flasche Shampoo mehrere Stationen mit dem Bus fahren. "Mit ausgewählten Drogeriewaren und Textilien füllen wir hier eine Lücke." Davon ist auch Manuela Stutzer überzeugt: "Auf das richtige Sortiment kommt es an. Schlecker hatte viel zu viel Überflüssiges in den Regalen."

Lange Suche nach Lieferanten


Innenansicht ehemalige Schleckerfiliale
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Endspurt vor der Eröffnung

Ihre Entscheidung für die Räume der ehemaligen Schlecker-Filiale sei ihnen nicht schwer gefallen: "Wir kennen die alten Geschäftszahlen, weil ich hier selbst schon ausgeholfen habe", erklärt Stutzer. "Das war ein gut laufender Betrieb." Viel schwieriger sei die Suche nach Lieferanten verlaufen. "Das war harte Arbeit. An kleinen Stückzahlen sind die kaum interessiert", sagt Mahlberg. Inzwischen habe man aber einige Großhändler von der Idee überzeugen können. Außerdem gebe es Gespräche mit einigen anderen ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen, die auch über ein eigenes Geschäft nachdenken. Vielleicht könne man eines Tages gemeinsam einkaufen und bessere Preise aushandeln. Allzu großen Respekt vor der Konkurrenz, den großen Drogeriemarktketten, haben die beiden nicht. "Günstiger als Schlecker, das schaffen wir ganz bestimmt", meint Stutzer selbstbewusst. "Wir müssen uns nicht verstecken."

Finanzierung ohne Staat und ohne Banken

"Zunächst einmal wollen wir unseren Laden zum Laufen bringen", sagt Stutzer. Das nötige Kapital haben die beiden selbst aufgebracht - ohne öffentliche Förderung und ohne Banken, dafür mit Hilfe der Verwandtschaft. "Reich werde ich davon wohl nicht mehr", sagt sie. "Ich möchte einfach nur gut davon leben können. Wenn was übrig bleibt, ist das natürlich schön."

Übrigens...
Andreas Poulakos

Die beiden Existenzgründer aus Köln-Esch hatten eine ganz besondere Unternehmensberaterin, erzählten sie unserem Reporter Andreas Poulakos. In dem kleinen Ort Maikammer in Rheinland-Pfalz eröffnete eine ehemalige Schlecker-Frau vor wenigen Monaten eine Drogerie. Bei einem spontanen Besuch in der Pfalz holten sich die Kölner Tipps von der Inhaberin Sonja Weisenburger.


Stand: 24.09.2012, 00.01 Uhr


Kommentare zum Thema (26)

letzter Kommentar: 29.09.2012, 08:39 Uhr

Werner schrieb am 29.09.2012, 08:39 Uhr:
Damen wie Frau Stutzer machen aus der Not eine Tugend, ich ziehe meinen Hut. Aber die Insolvenzverwalter Schneider&Geiwitz erhalten 15 Millionen Euro(!) für die Schlecker-Sache. In was für einem Land leben wir, dass sich solche Typen so abartig bereichern dürfen? Hier versagt der Gesetzgeber vollkommen. Das wird nur noch von Bankstern übertroffen.
Hiasl schrieb am 27.09.2012, 19:49 Uhr:
wünsche der frau viel erfolg. und der anton gehört eingesperrt für seine jahrelange ausbeutung.
Elena - 1984 schrieb am 27.09.2012, 13:45 Uhr:
Ich drücke die Daumen das kein Rossmann in der Nähe aufmacht. Die haben bei uns alle Drogerien platt gemacht und jetzt steigen die Preise.
realist schrieb am 25.09.2012, 20:33 Uhr:
noch mal etwas zum thema "arbeitsamt" oder argentur für arbeit, diese argentur kennt nur eine masche und forderung, sie müssen sich bei der leihfirma melden, sonst kürzen wir ihnen das geld!!! das sind die tatsachen!! sonst kommt da nichts!!
realist schrieb am 25.09.2012, 12:46 Uhr:
@jan: Ich bin der Meinung, das derjenige der von der Basis kommt und hier jetzt seinen Laden aufbauen wird, viel besser als ein "Kaufmann" ist, das werden Sie noch erleben. Der Satz mit dem "nicht ausgebildet" stört mich, es kommt auf viel mehr an, als nur die Ausbildung. Hier wird wieder von "Oben Herab" falsch beurteilt. Das Geschäft wird laufen und weitere werden folgen!

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