Netzentwicklungsplan Riesiger Stromkonverter in Meerbusch geplant

Von Marion Kretz-Mangold

Wegen der Energiewende soll in Meerbusch ein Stromkonverter gebaut werden, über den Windenergie aus dem hohen Norden in den Süden geleitet wird. Kostenpunkt: rund 300 Millionen Euro. Die Stadt hat Bedenken, ob das gigantische Projekt notwendig ist.


Stromleitungen
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Der Strom soll fließen - auch durch Meerbusch-Osterath

Zu groß, zu nah am Wohngebiet und vielleicht sogar ganz überflüssig: Die Meerbuscher Verwaltung hat schwere Bedenken gegenüber dem geplanten Stromkonverter im Stadtteil Osterath. Im Netzentwicklungsplan, den die deutschen Netzwerkbetreiber erarbeitet haben und der im Internet einzusehen ist, steht auf Seite 227: Die bestehende Anlage in Meerbusch-Osterath soll zu einer 380-Kilovolt-Anlage ausgebaut werden. Dort könnte sich künftig ein Knotenpunkt von zwei geplanten Trassen aus dem Norden und in den Süden befinden. Was konkret mit "Neubau" gemeint ist, wie groß und wie teuer er wird, steht im Netzentwicklungsplan noch nicht.

Das haben die Meerbuscher aber von Amprion in Dortmund erfahren. Amprion ist für den Netzausbau in der Region zuständig. Nach Angaben von Amprion soll in Meerbusch eine 100.000 große Quadratmeter große Halle entstehen, geschätzte Baukosten: rund 300 Millionen Euro.

Anlage soll 2017 stehen

Warum gerade Meerbusch-Osterath? Amprion-Sprecher Andreas Preuß: "Hier stehen schon Masten, an die wir nur noch die HGÜ-Leitungen hängen müssen." Das sind Leitungen für die Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ), die mehr als doppelt so viel Strom transportieren können als herkömmliche Leitungen. In Osterath soll der vorhandene Wechselstrom aus dem Norden in Hochspannungsgleichstrom umgewandelt und nach Philippsburg weitergeleitet werden; in Regionen, die oft unterversorgt mit Strom seien. 2017 sollen die Leitungen in den Süden fertig sein, der HGÜ-Konverter in Osterath seinen Betrieb aufnehmen.

Noch viele Fragen offen


In Meerbusch haben die Vorab-Informationen von Amprion für Unruhe gesorgt. Man favorisiere uneingeschränkt den Ausbau hin zu einer hundertprozentigen Versorgung des Energiebedarfs mit erneuerbaren Energien, schrieb Bürgermeister Dieter Spindler in einer Stellungnahme zum Netzentwicklungsplan. Es blieben aber viele Fragen offen: Sind wirklich so viele Fernübertragungsleitungen nötig, wenn die Bundesländer im Süden selbst Windkrafträder haben? Werden die starken Leitungen nicht auch deswegen gebaut, damit die Braunkohlekraftwerke in der Region ihren Strom ableiten können? Und: Stehen die Masten weit genug weg von den Wohngebäuden?

Das sind Bedenken, die auch Amprion im gesetzlich vorgeschriebenen Konsultationsverfahren zur Kenntnis nehmen musste. Ob und inwieweit sie die Planungen verändert haben, weiß Sprecher Preuß nicht. "Die müssten aber beantwortet worden sein, weil der neue Netzentwicklungsplan wieder bei der Bundesnetzagentur ist."

Weitere Erläuterungen zu den Befürchtungen aus Meerbusch gab es trotz Nachfrage von WDR.de nicht. Bis Freitagnachmittag (07.08.2012) gab es keine Stellungnahme. Die Bundesnetzagentur teilte mit, dass der Netzentwicklungsplan noch einmal für Stellungnahmen ausliege. Danach werde die Agentur den Plan erneut prüfen, ehe er Ende November an die Bundesregierung geschickt werde. "Wir schauen schon, ob alles sinnvoll ist", so Sprecherin Yvonne Grösch. "Noch ist nicht alles in Stein gemeißelt."


Stand: 07.09.2012, 15.09 Uhr


Kommentare zum Thema (21)

letzter Kommentar: 12.09.2012, 11:43 Uhr

Sabine schrieb am 12.09.2012, 11:43 Uhr:
Vielleicht sollte Herr Spindler mal die unmittelbaren Nachbarn vom RWE dazu befragen was die davon halten ... Es gibt schließlich Menschen die in unmittelbarer Nähe des RWE's wohnen. Die werden sich sicher riesig freuen, unter anderem darüber, dass ihr Grundstück und ihr Haus nichts mehr Wert sind!!! @Isolde Kommentar vom 08.09. : genau, und die Rentner, die eine Aufstockung bekommen, weil sie sonst zum Leben zu wenig haben, sollen auch gleich strampeln und dann die ganzen Mütter, die Vormittags alleine sind, da ihre Kinder im Kindergarten oder in der Schule sind ..... Man hätten wir Strom ..... Klasse Vorschlag!!! :-(
@cb schrieb am 10.09.2012, 16:42 Uhr:
Als damals die Atomenergie eingeführt wurde hieß es " Die Atomenergie ist so billig da lohnt es sich gar nicht mehr Stromzähler zu montieren. Die Stromzähler wurden weiter montiert und die Strompreise siegen weiter obwohl die Atomenergie doch so billig war.
cb schrieb am 09.09.2012, 14:27 Uhr:
Wie es auch immer technisch umgesetzt wird, ich hoffe, daß wir am Ende günstiger und sauberer Strom produzieren können als unsere Nachbarländer... Fänds nur Schade wenn dadurch die Landschaft durch Windräder verschandelt würde, gibts denn keine anderen Möglichkeiten der Stromgewinnung im großen Stil?
@heini schrieb am 08.09.2012, 23:02 Uhr:
Für den Fall das es wirklich notwendig ist die Energieversorgung der Alpenregion mit Nordsee-Strom zu sichern so sieht der Netzentwicklungsplan zumindest zwei Möglichkeiten vor diese Energie dahin zu transportieren. Die zweite Möglichkeit ist den Nordseestrom vor Ort in Methan umzuwandeln, Elektrolyse. Dieses Methan wird dann über das Erdgasnetz bis nach Süddeutschland transportiert. Dort kann man mit diesem Methan dann Gaskraftwerke betreiben. Der Vorteil dabei ist der, Transportweg ist ja bereits vorhanden.
heini schrieb am 08.09.2012, 20:29 Uhr:
Es ist schon toll, was die Hobbyplaner alles vorschlagen. Der Königsweg ist demnach die die verbrauchernahe Erzeugung von von Wind- und Solarstrom. Die Sache hat nur einen Haken: Wenn das Wetter in der Region nicht mitspielt, gibt es nur die Möglichkeit, fossilen Strom zu erzeugen, oder ihn aus anderen Regionen heranzuführen, wo das Wetter mitspielt. Denn die Speichertechnik, bei der ganze Industrieregionen versorgt werden können, erfordert einen gigantischen Aufwand und riesige Anlagen. Da ist das, was in Meerbusch geplant ist, ein Nichts. Und zur unterirdischen Leitungsführung: Die Technik ist brandneu und wenig erprobt. Die Probleme sind kaum bekannt. Da müssen erst Versuchsstrecken her. Und ich schon die Schreihälse, die solche Trassen in ihrer Nachbarschaft bekämpfen werden. Die Argumente dazu liefert wie immer der BUND.

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