Verzögerungen bei neuem RWE-Windpark Es hakt beim Netzausbau

In der zweiten Jahreshälfte sollte der Windpark "Innogy Nordsee 1" auf den Weg gebracht werden. Nun hat RWE die Entscheidung über die Milliarden-Investition verschoben - weil der Anschluss ans Stromnetz nicht sichergestellt werden kann.


Zwei Hubinseln in der Nordsee auf einem Offshore-Testfeld fuer Windkraftanlagen
Bild 1 vergrößern +

Wer haftet, wenn es keine Stromleitungen gibt?

Insgesamt rund drei Milliarden Euro will der Stromkonzern RWE investieren, um vor der Nordseeinsel Juist den Windpark "Innogy Nordsee 1" zu errichten. 162 Turbinen sollen eigentlich in Zukunft 1.000 Megawatt Strom liefern - das entspricht der Leistung eines kleinen Atomkraftwerks. Doch nun hat RWE die Entscheidung über die Milliarden-Investition verschoben. Der Grund: Es gebe Probleme und Verzögerungen beim Anschluss an das Stromnetz. Statt im Herbst 2012 soll nun im Frühjahr 2013 über den endgültigen Bau entschieden werden.

Netzbetreiber hält Zusagen nicht ein

Das Problem, heißt es aus der Essener Konzernzentrale, sei die Frage der Haftung: Bisher gibt es keine Regelung darüber, wer bezahlt, wenn sich die Inbetriebnahme eines Offshore-Windparks verzögert, weil kein Anschluss ans Stromnetz besteht. Ohne Stromleitungen kann man einen Offshore-Park nicht fertigstellen. Sind die Turbinen einmal installiert, müssen sie auch bewegt werden, da sie sonst Schaden nehmen. Probleme habe RWE mit dem Netzbetreiber Tennet, der Zusagen nicht einhalte. Auch wurden Zweifel laut, ob Tennet die nötigen Investitionen stemmen kann. Generell ist der Netzausbau - sowohl an Land als auch offshore - einer der Knackpunkte der Energiewende.

Probleme bei kleinerem Windpark

RWE wird gewissermaßen aus Schaden klug. Akut komme es zu Verzögerungen beim Windpark "Nordsee Ost" nordwestlich von Helgoland. Bei diesem etwas kleineren Offshore-Park sollen noch in diesem Sommer die Fundamente gesetzt werden. Doch wann der Park ans Netz geht, könne man derzeit nicht sagen, so eine RWE-Sprecherin. Weil Tennet wiederholt Verzögerungen beim Netzanschluss angekündigt habe. Tennet weist diese Vorwürfe zurück. "Wir betreiben nur das Höchstspannungsnetz. Generalunternehmer für die Netzanbindung an das normale Stromnetz ist in diesem Fall Siemens, und Siemens hat uns von den Verzögerungen bei "Nordsee Ost" informiert", sagt Tennet-Sprecherin Cornelia Junge gegenüber WDR.de.

Tennet wiederum pocht darauf, dass sich die derzeit errechneten Investitionen zur Offshore-Windkraft in Höhe von sechs Milliarden Euro nicht allein stemmen ließen. "Das Unternehmen selbst hat nur einen Wert von gut einer Milliarde Euro", sagt Sprecherin Junge.

Energiewende wird weitergehen


 Der Hauptsitz des Energieversorgungsunternehmens RWE spiegelt sich in einer Pfuetze vor dem Eingang des Gebaeudes in Essen
Bild 2 vergrößern +

Bei RWE wird kräftig gespart.

Eine Strategie, die Energiewende zu unterlaufen, vermutet Energieexperte Marksteiner hinter der aufgeschobenen Investitionsentscheidung hingegen nicht. "Die Konzerne müssen einfach viel sparen, da investieren sie nicht leichtfertig so große Summen." Gleichzeitig müssen sie in die Erneuerbaren auch weiter investieren: "Das haben die großen Konzerne einfach zu lange verschlafen", sagt Marksteiner.

Planungen gehen weiter

Inzwischen hat sich eine Arbeitsgruppe unter der Ägide von Wirtschaftsminister Philipp Rösler und Umweltminister Peter Altmaier für eine Haftungsregelung beim Netzausbau ausgesprochen. Das entsprechende Gesetz soll noch im Sommer auf den Weg gebracht werden. Diese Absichtserklärungen reichen dem Stromkonzern aber nicht aus. RWE betont allerdings, dass die Planungen auch für Nordsee 1 weiterliefen.


Stand: 25.07.2012, 13.00 Uhr


Kommentare zum Thema (12)

letzter Kommentar: 27.07.2012, 15:44 Uhr

Anonym schrieb am 27.07.2012, 15:44 Uhr:
Was leider nicht in diesem Artikel steht, aber von zeit online offengelegt wird, ist der Verzug im Bau von Offshore-Umspannwerke durch Siemens, die Tennet treffen, aber nur mit mickrigen Konventionalstrafen vertraglich abgesichert wurden, sodass alle Verzugskosten letzendlich auf den Verbraucher umgelegt werden sollen. Süffisant dass Siemens seine steuerpflichtigen Hauptsitz in Bayern/München hat und entlastet wird, aber die NRW-H4ler dafür nachher zahlen sollen. Ich habe nicht mehr das geringste Verständnis für diese bayerische Strompolitik, die allenfalls Wutbürger elektrisiert aber Norddeutschland nur noch über Löffel barbiert, mit dem wir die Energiesuppe schlürfen sollen?
Anonym schrieb am 26.07.2012, 20:33 Uhr:
Ich finde gerade bei der Stromversorgung ist die Orts nahe Versorgung wichtig. Das sollten sich auch die Bayern merken.
Deppen in Dörfern ohne Strom und ein Dhragi unter Strom? schrieb am 26.07.2012, 17:40 Uhr:
Dhragi verzückt die Märkte, erklärt mal eben in London(wo sonst hat sein früherer Arbeitgeber auch Finger im Spiel?) die Bazooka aus Frankfurt, ursprünglich EZB und unabhängig genannt, und ihre Schussbereitschaft. Die Munition stammt aus BRD, aber das dürfen die Deutschen nicht wissen, denn sonst würden sie verstehen, warum sie keine Munition für Energiewende, eigene Renten und GKV mehr haben. Aber bis die Deppen in BRD bemerkt haben, nach welchen goldenen Regeln die Sachsen der Finanzmärkte die Munitionslager der Staaten leeren, ist die Sau längst in Sicherheit?
der Eulenspiegel schrieb am 26.07.2012, 14:41 Uhr:
Die Konzepte der Energiekonzerne sind doch totaler Blödsinn. Dies hat auch Tennet erkannt und investiert ohne Garantien keinen EURO denn es ist gar nicht sicher ob ein der Art ausgebautes Netz jemals gebraucht wird.
Nordsee=Mordsee? schrieb am 26.07.2012, 13:43 Uhr:
Offshore Hype erledigt sich, wenn die ersten Monsterwellen die Hälmchen knicken, aber auch ökologisch wie ökonomisch, stellt sich die Frage der Vernetzungskosten. Nicht umsonst weigert sich Tennet die Kosten zu tragen, offensichtlich kann man offshore nicht so kalkulieren wie onshore, weshalb wohl Energiepläne der BRD-Regierungen oft mehr Fata von Morgana als Mutter der Energiewende sind? Aber Kobolde sind nicht nur grün gefärbt und Witzbolde nicht nur mit schwarzem Humor getauft?

Alle Kommentare anzeigen