Umstrittenes Kohlekraftwerk in Neurath RWE-Prestigeprojekt geht in Betrieb

Am Mittwoch (15.08.2012) wurde das neue RWE-Braunkohlekraftwerk im rheinischen Neurath offiziell in Betrieb genommen. Der Essener Energiekonzern verteidigt das Kraftwerk gegen Kritik von Umweltschützern. Auch innerhalb der rot-grünen Landesregierung ist das milliardenteure Projekt umstritten.


RWE-Braunkohlekraftwerk
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Inbetriebnahme mit Polit-Prominenz

Zum offiziellen Start des neuen RWE-Kraftwerks kamen am Mittwoch (15.08.2012) neben RWE-Chef Peter Terium auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU). Die Feier zur offiziellen Inbetriebnahme der Kraftwerksblöcke wurde von Protesten begleitet. Die Umweltorganisation Greenpeace sprach von einem "Desaster für den Klimaschutz" und einem "Rückschlag für die Energiewende". Neurath zähle "zu den größten CO2-Schleudern Europas", hieß es in einer Mitteilung. Der Umweltverband BUND griff Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen an: "Dass ausgerechnet Ministerpräsidentin Kraft diesen Klimakiller offiziell in Betrieb nimmt, belegt die widersprüchliche Energie- und Klimaschutzpolitik der Landesregierung."

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Es ist das Vorzeigeprojekt eines Energieunternehmens im Umbruch: Mit der Einweihung des neuen Braunkohlekraftwerks in Neurath, will der Essener Konzern mal wieder Schlagzeilen jenseits von Jobabbau und Kostensenkung machen. Erst am Dienstag (14.08.2012) hatte RWE ein neues Sparprogramm verkündet. Insgesamt fallen über 10.000 Arbeitsplätze weg.

RWE verspricht "umweltverträglichere Stromerzeugung"

Seit 2006 hat RWE 2,6 Milliarden Euro in zwei neue "Braunkohleblöcke mit optimierter Anlagentechnik" (BoA) am bestehenden Standort Neurath in Grevenbroich (Rhein-Kreis Neuss) investiert. Die Blöcke erzeugen seit einigen Monaten im Probebetrieb bereits Strom. Stolz teilt RWE Power mit, in Neurath komme "die heute beste zur Verfügung stehende Technik zur Braunkohlenverstromung" zum Einsatz. Daraus resultiere eine bessere Ausnutzung des eingesetzten Brennstoffs und damit "eine noch umweltverträglichere Stromerzeugung als in älteren Anlagen". So sei der Wirkungsgrad um 31 Prozent besser. Die neuen BoA würden pro Jahr bis zu sechs Millionen Tonnen CO2 weniger ausstoßen als die Altanlagen in Neurath.

BUND rügt Dinosaurier des Kohlezeitalters

Umweltschützer sehen das Kraftwerk ganz anders. "Das vermeintlich modernste Braunkohlenkraftwerk der Welt wird jährlich etwa 16 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre blasen", sagte Dirk Jansen, NRW-Geschäftsführer beim Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Das Kraftwerk sei ein "Dinosaurier des Kohlezeitalters", da unter anderem die anfallende Prozesswärme nicht sinnvoll genutzt werde.


Ein Schaufelradbagger an einem Stahlgerüst
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Ein Schaufelradbagger im rheinischen Braunkohlerevier

Zahlreiche Umweltorganisationen hatten zu einer Mahnwache gegen die Inbetriebnahme aufgerufen. Bereits Anfang August hatten rund 90 Umweltaktivisten die Kohle-Transportbahn im Braunkohletagebau Hambach besetzt. Mit ihrer Aktion protestierten die Umweltschützer gegen Abbau und Verstromung der "klimaschädlichen Braunkohle". Über die Hambachbahn wird Kohle aus dem Tagebau zu den Kraftwerken Neurath, Frimmersdorf und Niederaußem transportiert.

RWE will nicht noch einen Energieträger verlieren

RWE will nach der Atomkraft nicht auch noch die Braunkohle als Energiequelle aufgeben. "Warum sollte Deutschland aus der Kohlekraft aussteigen?", fragte der Vorstandsvorsitzende von RWE Power, Johannes Lambertz, im Frühjahr in einem Interview. "Wir haben in Neurath das modernste Braunkohlekraftwerk, das es weltweit gibt." Deutschland werde die Kohle gerade wegen der Energiewende noch Jahrzehnte lang brauchen. "Die Erneuerbaren liefern keine planbare Leistung, wir brauchen also die Kohlekapazitäten, die rund um die Uhr fast 100 Prozent liefern können, gerade auch wenn die Erneuerbaren bei 0 sind", sagte Lambertz.


Hannelore Kraft
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Ministerpräsidentin Kraft unterstützt neue Kohlekraftwerke.

Politische Unterstützung hat der Energiekonzern. Regierungschefin Hannelore Kraft sagte kurz nach der Landtagswahl: "Wir werden auch weiter fossile Kraftwerke als Brückentechnologie benötigen." Im rot-grünen Koalitionsvertrag setzte die SPD den Satz durch: "Mit der Abschaltung aller Atomkraftwerke ist klar, dass bis zur vollständigen Deckung des Strombedarfs durch die erneuerbaren Energien noch fossile Kraftwerke benötigt werden." In schwebende Gerichtsverfahren wie in den Streit um den Bau des Eon-Kohlekraftwerks in Datteln (Kreis Recklinghausen) will sich die rot-grüne Landesregierung aber nicht einmischen.

Wie unterschiedlich die in Düsseldorf regierenden Parteien das RWE-Kraftwerk in Neurath sehen, zeigt die Rollenverteilung am Mittwoch. Während Ministerpräsidentin Kraft als Ehrengast bei RWE auftritt, verlinken die Grünen auf ihrer Webseite den BUND-Aufruf zur Mahnwache gegen das Projekt.


Stand: 15.08.2012, 12.14 Uhr


Kommentare zum Thema (57)

letzter Kommentar: 20.08.2012, 07:55 Uhr

hajo schrieb am 20.08.2012, 07:55 Uhr:
Zum Beitrag von Anonym am 17.08.2012, 10:29 Uhr: Lieber oder liebe anonym. Machen Sie sich um meinen Wahrnehmungshorizont keine Sorgen, der bekommt schon Einiges mit, auch dass Versicherungen das Geld ihrer Kunden in das regenerative Energiegeschäft investiern. Ist das schlimm? Die Energiewende ist ein absolutes Muss und fordert uns alle und alle gesellschaftlichen Kräfte zum Konsens. Pauschale Bezeichnungen wie blabla sind kontraproduktiv.
Analytiker schrieb am 19.08.2012, 09:58 Uhr:
@Anna was?: Sie können sicher sein, dass ich richtig lesen kann. Ich habe auch mein physikalisches Wissen von einen deutschen Universität und nicht aus einem Parteiprogramm. Die BRD hat einen Jahresverbrauch von ca 600TW/h d.h Duchschittbedarf pro h 68,5 GW. Die Spitzenlast liegt bei ca 139 GW /h . Bei einer Sonnenernergie von 1KW/qm und einen Wirkungsgrad von 20 % (sehr großzügig) braucht man eine Fläche von 695 qkm Kollektorfläche ( tatsächlich deutlich mehr). Wenn man die sehr beliebten Cadmiumtelluridzellen benutzt, braucht man für diese Zellen (5g Tellur/qm) 3475 t Tellur. Das bei einer Weltjahresproduktion von ca 130 t Tellur/Jahr und ca 3000 t abbaufähige Vorräte weltweit. Bei einigen anderen Solartechnologien sieht es ähnlich aus. Sicher kann man Speicherkraftwerke bauen. Doch mit welchem Wirkungsgrad? Was man Braucht : Motor - Pumpe-Steigleitung-Fallrohre-Turbine-Generator. Alles Verlustbehaftet d.h. Wirkungsgrad = schlecht.
der Eulenspiegel schrieb am 17.08.2012, 15:10 Uhr:
Anonym es steht ihnen frei dieses Gutachten zu wiederlegen. Solange sie aber das nicht können ist alles was sie dazu schreiben nur ideologisches bla bla. Dieses Gutachten gilt so lange als wahr und richtig bis das Gegenteil belegt ist.
Anonym schrieb am 17.08.2012, 10:29 Uhr:
hajo schrieb heute, 07:48 Uhr: zu Anonym 16.08. um 8:28 Uhr: bitte mal das Sondergutachten studieren. Es wurde vom Umweltbundesamt, eine Einrichtung des Bundesumweltministeriums, in Auftrag gegeben" Ja und ? Steht denn hinter jedem Gutachter die Summe seiner Einkunftsquellen bzw die mittlerweile üppigen Gelder, die vom Verband der regenerativen Energien zur Pflege der politischen Landschaft in das System der Berater-und Gutachtergilde gepumpt wird. Wenn ich so die Solarwerbung der letzten 2 Jahre verfolge, bekommt man eine Vorstellung wo der Großteil der Subventionen eingestzt wird. Das ist ein untrügerisches Zeichen, schon bei den etablierten Platzhirschen mitzuspielen(die sie auf der anderen Seite ja kritisieren) oder gar den Zenit überschritten zu haben. Ist ihnen überhaupt klar wer jetzt mitspielt? Wahrscheinlich haben sie nicht mitbekommen,dass nun die großen Münchener Versicherungen in das regenerative Energiegeschäft als Renditebringer eingestiegen sind?
hajo schrieb am 17.08.2012, 07:48 Uhr:
zu Anonym 16.08. um 8:28 Uhr: bitte mal das Sondergutachten studieren. Es wurde vom Umweltbundesamt, eine Einrichtung des Bundesumweltministeriums, in Auftrag gegeben. Die pauschale Bewertung mit blabla ist sicherlich nicht haltbar.

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