Tipps der Verbraucherzentrale Erst einmal die Familie und Existenz absichern

Je früher man mit der Altersvorsorge beginnt, desto weniger Geld muss man sparen, um eine passable Rente anzusparen. Aber: Woher soll man in jungen Jahren wissen, wie viel Geld man später braucht?

Zugegeben, wenn man jung ist, gibt es 1.000 Sachen, die man mit Geld machen kann: Reisen, Klamotten kaufen oder einfach das Leben genießen. Aber je früher man anfängt, desto größer ist der Spar-Effekt. Denn Zinsen und Zinseszinsen lassen auch geringe Raten über die Jahre anwachsen.

Oberste Priorität sollte zunächst die Absicherung der eigenen Existenz und der Familie haben. "Dazu gehört die Haftpflichtversicherung, eine Berufsunfähigkeitsrente und bei Angehörigen auch ein Todesfallschutz", sagt Barbara Rück, Finanzberaterin der Verbraucherzentrale NRW.

Familie absichern

Damit die Kinder im schlimmsten Fall abgesichert sind, brauchen Vater und Mutter eine Risikolebensversicherung. Selbst wenn der Vater den Großteil des Familieneinkommens erzielt, würden im Todesfall der Mutter zusätzliche Kosten für die Betreuung der Kinder entstehen. Wie hoch die Lebensversicherungen sein sollten, muss individuell geprüft werden. "Wer ein Haus hat, muss mindestens die Darlehenshöhe abdecken", sagt Rück. Darüber hinaus muss geschaut werden, wie viel Geld die Hinterbliebenen zum Leben brauchen.

Wie viel Altersvorsorge ist nötig?

Als Daumenregel gilt: Wer zum Rentenbeginn 70 Prozent seines Nettogehalts möchte, muss acht bis zehn Prozent seines Bruttogehalts sparen. Zur Altersvorsorge zählen auch die eigenen vier Wände. "Daher ist es sinnvoll, der Entschuldung der Immobilie die oberste Priorität einzuräumen", erklärt Rück. Bevor weiteres Geld angelegt wird, sollte immer überprüft werden, ob nicht Sondertilgungen möglich sind. Denn in der Regel spart man durch eine frühzeitige Kreditrückzahlung mehr Geld als sich durch eine sichere Geldanlage am Kapitalmarkt verdienen lässt.

Private Rentenversicherungen

Bei privaten Rentenverträgen sollten nach dem Todesfall auch die Angehörigen Zahlungen erhalten. Denn oft gehen die privaten Rentenansprüche im Todesfall nicht auf den Partner über, obwohl viele Jahre Teile vom Familieneinkommen in die Versicherung gesteckt wurden. Gerade wenn ein Elternteil wegen der Kindererziehung zeitweise nicht arbeitet, ist es auf die Altersvorsorge des Partners angewiesen.

Kostenstruktur und Rendite von Aktien überprüfen

Aktienfonds lassen sich dagegen direkt vererben. "Aber Aktienfonds sind keine Selbstläufer, sondern eine Geldanlage, mit der ich mich beschäftigen muss", mahnt Rück. Zum einen muss die Entwicklung des Depots beobachtet werden, damit größere Verluste vermieden werden können. Zum anderen sollten Anleger die Kosten- und Gebührenstruktur im Auge behalten.

Betriebliche Altersvorsorge nutzen

Wer eine neue Stelle hat, sollte sich in der Personalabteilung oder beim Betriebsrat erkundigen, ob das Unternehmen eine betriebliche Altersvorsorge anbietet. Handelt es sich um eine arbeitgeberfinanzierte Rente, so sollte man diese auf jeden Fall mitnehmen. "Wird die Betriebsrente dagegen nur vom Arbeitnehmer bespart, muss man sich die Bedingungen genau angucken", rät Rück. Denn gerade jüngere Menschen wechseln noch öfters den Arbeitgeber, und das verursacht Kosten bei betrieblichen Rentenverträgen.


Stand: 21.09.2012, 06.00 Uhr