Vorsorgemodelle für den Ruhestand Rente? "Ja! Nein! Vielleicht!"

Von Anke Fricke

Droht vielen Bürgern die Altersarmut? WDR.de hat drei Menschen in verschiedenen Lebenssituationen nach ihren Strategien zur Vorsorge gefragt - mit überraschendem Ergebnis. Eine Finanzberaterin der Verbraucherzentrale gibt unseren Interviewpartnern Tipps, wie sie ihre Altersversorgung verbessern können.


Renteninformation
Bild 1 vergrößern +

Wie viel Rente bleibt im Alter?

Seit Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vorgerechnet hat, dass auch Durchschnittsverdienern eine Rente unter der Grundsicherung droht, ist das Thema Rente wieder in aller Munde. WDR.de stellt exemplarisch die Altersvorsorge von zwei Männern und einer Frau aus NRW vor - die unterschiedlicher kaum sein könnte. Finanzberaterin Barbara Rück von der Verbraucherzentrale NRW hat sich die Rentenpläne angeschaut und gibt unseren Interviewpartnern Tipps, wie sie ihre Altersvorsorge optimieren können. Denn klar ist, die eine Lösung für alle gibt es nicht. Und die Altersvorsorge muss angepasst werden: Ein neuer Job, Kinder, Scheidung oder Krankheit werfen die bisherige Finanzplanung oft über den Haufen.

Fall 1: Rentenversichert seit 32 Jahren


Mann sitzt auf der Couch
Bild 2 vergrößern +

Peter Görgemanns arbeitet seit er 15 ist

Als Peter Görgemanns 1980 seine Ausbildung zum Textilveredler angefangen hat, war er 15 Jahre alt. Seitdem hat der 48-Jährige durchgehend gearbeitet - unterbrochen nur von 15 Monaten Wehrdienst. Die Meisterschule hat der Mönchengladbacher am Wochenende besucht, sodass er auch während der Weiterbildung ständig rentenversichert war.

Gelassen der Rente entgegen


Görgemanns blickt seinem Ruhestand gelassen entgegen: "Ich habe erst einmal keine Angst vor der Rente." Laut seinem letzten Informationsbrief von der Deutschen Rentenversicherung hat der kaufmännische Angestellte schon jetzt einen Rentenanspruch von 978 Euro. Damit würde er heute bereits deutlich mehr bekommen als die 850 Euro, die Ministerin von der Leyen (CDU) mit ihrer Zuschussrente für jeden Bürger durchsetzen möchte. Wenn Görgemanns weiterhin wie in der Vergangenheit in die Rentenkasse einzahlt, steigt seine Rente nach den derzeitigen Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung auf 1.589,72 Euro.

Hoffen auf die Rente mit 65 Jahren


Außerdem hat der 48-Jährige mit seiner Lebensgefährtin eine Eigentumswohnung gekauft, die mit Rentenbeginn abgezahlt ist. Ein zusätzliches Polster schafft eine private Rentenversicherung, in die er monatlich einzahlt. "Außerdem werden im Alter die Lebenshaltungskosten wohl geringer sein", schätzt Görgemanns. Einziger Wermutstropfen: "Ich bin 1964 geboren und damit der erste Jahrgang, der erst mit 67 in Rente gehen kann."

Altervorsorge im letzten Drittel des Berufslebens

Fall 2: Langes Studium, wenig Rentenansprüche


Frau steht vor einem Strauch
Bild 3 vergrößern +

Miriam Stannius erwartet kaum Rente

Miriam Stannius dagegen hat kaum in die Rentenversicherung eingezahlt. Die 42-Jährige hat zwei Studiengänge absolviert. Danach hat die Sozialpädagogin und Sozialwissenschaftlerin freiberuflich gearbeitet, war also nicht versicherungspflichtig. Mit der Geburt ihres Sohnes hörte sie zunächst auf zu arbeiten. Danach war sie zwei Jahre angestellt, bevor sie sich wieder selbstständig machte. Derzeit arbeitet sie als Honorarkraft in der Familienhilfe.

Rentenansprüche von 84,93 Euro

Das Problem: Sie hat kaum in die Rentenversicherung eingezahlt. Nach derzeitigem Stand hat Stannius Rentenansprüche von 84,93 Euro. Würde sie wie in der Vergangenheit einzahlen, errechnet die Deutsche Rentenversicherung ihr eine Altersrente von 543 Euro. Aber: Weil sie als Selbstständige nicht verpflichtet ist, zahlt sie bewusst nicht in die Rentenversicherung ein. "Ich denke, da kommt sowieso nichts bei rum", sagt Stannius.

Immobilie als Altersvorsorge


Stattdessen möchte die Kölnerin lieber eine Immobilie kaufen, um so im Alter abgesichert zu sein. Ganz grundsätzlich mag sie sich mit dem Thema Rente einfach nicht beschäftigen. Sie hat das Gefühl, um einen privaten Vertrag abzuschließen, muss man gut informiert sein, ansonsten zahlt man am Ende drauf und nur der Versicherungsvertreter verdient sein Geld. "Manchmal denke ich, oh Gott, Du musst Dich um die Rente kümmern. Aber dann sage ich mir wieder, das machst Du im nächsten Job", sagt Stannius lachend.

Altersvorsorge bei einer bewegten Erwerbsbiografie

Fall 3: Noch 36 Jahre bis zur Rente


Porträt Andreas Richter
Bild 4 vergrößern +

Andreas Richter sorgt privat vor

Der It-Spezialist Andreas Richter war während des Studiums selbstständig und hat nun seit zwei Jahren wieder einen festen Arbeitsplatz. Vor einer Woche hat der 31-Jährige seinen ersten Informationsbrief der Deutschen Rentenversicherung bekommen. Demnach hat der Systemadministrator Rentenansprüche in Höhe von 147,27 Euro erworben. Würde er in den kommenden 36 Jahren wie in den vergangenen fünf Jahren einzahlen, würde er 2.084,81 Euro bekommen. Damit läge er deutlich über der Durchschnittsrente von 1.230 Euro, die die Deutsche Rentenversicherung für 2011 ermittelt hat.

Mit der Familiengründung begann die Vorsorge

Aber verlassen will sich Richter nicht auf die Zahlen: "Ich sehe gerade, wie meine Großmütter mit ihren normalen Renten kämpfen müssen", so Richter. Daher habe er in seiner Altersplanung die gesetzliche Rente nicht berücksichtigt. Stattdessen hat der IT-Spezialist eine private Rentenversicherung abgeschlossen und zahlt außerdem monatlich in zwei Aktienfonds ein. Dass er sich überhaupt mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigt, liegt an seinen Kindern. "Als vor drei Jahren mein erster Sohn geboren wurde, haben wir unsere Finanzen überprüft", sagt Richter. Mittlerweile ist der zweite Sohn fünf Monate alt und die Familie hat ein Haus in Bergisch Gladbach gekauft.


Gesetzliche Rente wäre schön

Geht die Altersvorsorgestrategie auf, dann ist mit 67 Jahren das Haus abbezahlt und Richter hat sein aktuelles Nettogehalt zur Verfügung. "Wenn dann noch von der gesetzlichen Rentenversicherung etwas kommt, wäre das schön", sagt Richter. Immerhin zahle er derzeit auch viel in die Rentenkasse ein. "Aber man weiß ja nie, was im Leben noch alles passiert."

Kurz die Rente checken
Anke Fricke

Unsere Autorin Anke Fricke hat für den Beitrag ihre eigene Renteninformation hervor gekramt und gleich einen Termin bei der Deutschen Rentenversicherung gemacht. Auch bei ihr ist eine Kontenklärung angesagt!


Stand: 21.09.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (43)

letzter Kommentar: 26.09.2012, 18:54 Uhr

JJK schrieb am 26.09.2012, 18:54 Uhr:
Der Himmel bewahre uns vor den "Finanzberatern" der Verbraucherzentralen - diese vor Inkompetenz strotzenden Angestellten eines Volkseigenen Betriebes haben im Laufe der letzten 15 Jahre nur eines wirklich verbreitet: Verwirrung, Angst und Schwachsinn. Das Rentensystem ist nicht von Münte, Schröder oder anderen demoniert worden, sondern implodierte sozusagen aus sich selbst, weil die zentralen Fehler zu spät erkannt wurden (oder: werden wollten). An allen Kommentaren ist mal wieder zu merken: Die German Angst geht um - und alle blöken wieder nach dem Staat...
KdM schrieb am 26.09.2012, 15:28 Uhr:
Ich nenne nur drei Punkte: Nachhaltigkeit der Rente massiv gesenkt und der Finanzlobby nachgegeben ( das staatl. System funktioniert nämlich besser als viele denken auch wenn anderes immer behauptet wird ). Leiharbeitergesetz durchgedrückt und dadurch viele Angestellte in guten Jobs in die Leiharbeit gedrückt ( nix neue Arbeitsplätze ). Konzerne können Verluste aus dem Ausland (!!) mit Gewinnen im Inland bilanzieren und trieben dadurch die Städte wie Leverkusen und andere in den Ruin! Wer hat das gemacht? Die böse CDU? Nein! Ach klar die bösen Wirtschaftsliberalen die machen sowas!! Neeinnn? Die auch nicht? Staun!!! ....Ja wer denn dann? Die gute alte Tante SPD würde das doch Ihren Wählern aus der Arbeitnehmerschaft nicht antun!? Doch!!! Alles von rot-grün und alle haben es vergessen. Schröder und Konsorten von den Grünen - Trittin, Roth....- waren die unsozialste Regierung der Nachkriegszeit. Und diese Verräter der Arbeitnehmer kämpfen jetzt gegen Altersarmut..sry muß ko..en ...
Sven schrieb am 24.09.2012, 17:45 Uhr:
Wenn man bedenkt, dass nach dem SPD Vorschlag der gesetzliche Rentenversicherte nur 43 % seines Einkommens erhalten soll. Die Beamten hingegen 70%. Dann weiß man aus welchem Bereich die meisten SPD Genossen stammen.
Heiratsschwindler schrieb am 24.09.2012, 17:10 Uhr:
Hallo Leute, warum schimpft ihr denn alle. Ihr wählt doch diese Politiker. Und am schlimmsten sind die, die nicht wählen gehen. Geht endlich alle Wählen und geht so eurer Bürgerpflicht nach. Nur so kann mann etwas ändern. Das müßte doch dem dümmsten einleuchten.
Und morgen.. schrieb am 24.09.2012, 10:12 Uhr:
Ich habe damals gestaunt wie schnell der Müntefering die sog. Rentenreform durchgezogen hat. Wenn ich selber im Trockenen sitze, kann ich auch anderen die Decke wegziehen. Arbeiten lohnt nicht - am Ende bekommt jeder seine 850 € und basta!

Alle Kommentare anzeigen