Neue Zugverbindung Hamburg-Köln: Privater Bahn-Konkurrent greift Fernstrecke an
Die Deutsche Bahn hat seit Montag (23.07.2012) auf einer ihrer wichtigsten Fernstrecken einen Billig-Konkurrenten. Der "Hamburg-Köln-Express" (HKX) startete am Morgen zum ersten Mal von Hamburg-Altona nach Köln.
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Für 20 Euro im Zug von Köln nach Hamburg
(01:24 Min.)
WDR aktuell vom 23.07.2012
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Für 20 Euro im Zug von Köln nach Hamburg
Mit gut zweijähriger Verspätung hat der private Bahnbetreiber HKX auf der wichtigen Fernverkehrsstrecke Hamburg-Köln den Betrieb aufgenommen. Der Start der neuen Verbindung sollte eigentlich schon im Jahr 2010 erfolgen, hatte sich aber immer wieder verschoben. Bei der Jungfernfahrt am Montag (23.07.2012) sei alles wie geplant gelaufen, sagte ein Unternehmenssprecher in Köln. Der erste HKX-Zug startete um 6.35 Uhr in Hamburg-Altona Richtung Köln-Hauptbahnhof und kehrte danach in die Hansestadt zurück. Auf der Hinfahrt blieb der große Ansturm aus. Auf der Rückreise nach Hamburg, so HKX, sei der Zug zu 90 Prozent ausgelastet gewesen.
Bahn AG: HKX-Start nicht verzögert
Mit dem HKX stößt seit langem wieder ein privater Konkurrent der Deutschen Bahn in das Fernverkehrsgeschäft vor. Bisher gab es nur den InterConnex. Der fährt seit zehn Jahren zwischen Leipzig, Berlin und Rostock. Im Regionalverkehr hat die Deutsche Bahn zahlreiche Mitbewerber. Die Bahn widersprach Medienberichten, die besagten, man habe den Start des Mitbewerbers HKX verzögert. "DB-Trassen sind für alle Bahnbetreiber offen und werden entsprechend der Verfügbarkeit und der fristgerechten Beantragung diskriminierungsfrei allen Wettbewerbern zur Verfügung gestellt", betonte das Unternehmen.
Amerikanischer Hauptinvestor
HKX-Hauptgesellschafter ist die "Railroad Development Corporation" (RDC). Das US-amerikanische Investment-Unternehmen ist spezialisiert auf den Eisenbahn- und Verkehrssektor. Es ist nach eigener Darstellung auch an Strecken in den Vereinigten Staaten, in Argentinien und Guatemala beteiligt. Weitere HKX-Gesellschafter sind die "Locomore Rail GmbH" und der kanadische Investor Michael Schabas. HKX betreibt die Strecke Hamburg-Köln mit ehemaligen Rheingold-Intercity-Waggons der Bahn aus den 1970er Jahren. Am Wochenende sollen auch Wagen der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) eingesetzt werden, einer der regionalen Eisenbahntöchter des Privatunternehmens Veolia. Veolia stellt zudem die Lokomotiven und Lokführer. HKX ist ausschließlich für Service und Passagiere zuständig.
Reise in die Vergangenheit

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HKX: Zugreise im Ambiente der 1970er Jahre
Eine Reise mit dem neuen Bahn-Konkurrenten im Fernverkehr erinnert an eine Fahrt in die Vergangenheit. Beim Einsteigen steigt dem Fahrgast eine Geruchsmischung aus Polster, Öl und Schweiß in die Nase. Die Polster in den Abteilen sind zwar frisch bezogen, auch die Toiletten neu eingerichtet, aber sonst ist noch alles so wie damals. "Das erinnert mich an meine Jugend", sagte etwa Fahrgast Hans Ahrnsen (61) aus dem Landkreis Cloppenburg. Für ihn sei das der Reiz. Die meisten Fahrgäste nennen einen handfesteren Grund für die Reise mit dem Bahn-Konkurrenten: den niedrigen Preis.
Deutsche Bahn bleibt gelassen
Zum Start kostet die einfache Fahrt zwischen Köln und Hamburg inklusive Reservierung bei HKX je nach Buchungsdatum zwischen 20 und 60 Euro. Tickets sind ab fünf Cent pro Kilometer zu haben. Die Deutsche Bahn reagierte zum Start gelassen. "Es ist gut, wenn unsere Kunden auch im Fernverkehr vergleichen können", teilte die Konzernzentrale mit.
Fahrgastverband: "Tropfen auf den heißen Stein"
Mit Neugierde verfolgt der Fahrgastverband "Pro Bahn NRW" die neue Alternative zur Bahn: "Wir sind gespannt, wie sich das entwickelt und ob sich das finanziell trägt", sagte Sprecher Oliver Stieglitz WDR.de. Allerdings sei das HKX-Angebot bei bislang maximal drei täglichen Verbindungen nach Köln und Hamburg noch keine wirkliche Konkurrenz für die Bahn, sondern lediglich "ein Tropfen auf den heißen Stein". "Erst wenn HKX die Strecke im Zwei-Stunden-Takt betreiben würde, müsste sich die Bahn Sorgen machen", ergänzte er.
Stieglitz gab darüber hinaus zu bedenken, dass HKX für Geschäftskunden und Fahrgäste, die Wert auf Flexibilität legen, nicht unbedingt eine Alternative ist, da die Tickets tagesgebunden sind: "Aber grundsätzlich kann es der Bahn nicht schaden, wenn Sie Konkurrenz bekommt." Das habe man schon beim Nahverkehr gesehen, wo die Bahn durch Mitbewerber kundenfreundlicher geworden sei.
Stand: 23.07.2012, 17.11 Uhr
Kommentare zum Thema (41)
letzter Kommentar: 26.07.2012, 18:24 Uhr
- Pro Bahn schrieb am 26.07.2012, 18:24 Uhr:
- Die Lehren aus Neuseeland und GB zeigen, das Schienennetz muss in Staatshand bleiben und von ihr gewartet werden. Der Betrieb aber kann privat für begrenzte Zeit pro Strecke oder Gebiet ausgeschrieben werden, um den Staat im Staate den DBB, Transnet und ver.di zu beschneiden. Wenn man im VRR die zeitweise Vergammelung der Züge in der Mehdornzeit durchlebte, so sieht man jetzt einen Paradigmenwechsel, wenngleich noch mehr mit Alkoholverbot in Öffentlichkeit unternommen werden muss. Seit Rauchverbot auf Bahnsteigen herrscht, habe ich noch keinen "Asozialen" im Zug rauchen sehen, davor war es gang und gäbe, trotz Hinweisschilder oder grantigen Minen der Mitreisenden. (Den Mund machte man deswegen besser nicht auf, wie manche Gerichtsfälle der Vergangenheit zeigten).
- Das Zentralorgan schrieb am 26.07.2012, 11:38 Uhr:
- Die Bahn gehoerte mal uns, bis man sie dann planmaessig zugrunde gerichtet hat um sie an die raffgierigen Heuschrecken moeglichst billig zu verkaufen zu koennen. Das neue "Angebot" ist nur ein trauriges Detail in dieser "kalten Enteignung" eines anderen Staatsbetriebes, von "Unseren" Politikern hinter vorgehaltener Hand auch "totale Privatisierung" genannt. Von dieser "Bundesrepublik" und ihren Buergern hat schliesslich niemand etwas zu befuerchten, vom internationalen Finanzganoventum bis zu den kleinen umherziehenden Kupfermarderbanden ist Selbstbedienung angesagt.
- C.Kriener schrieb am 25.07.2012, 09:20 Uhr:
- @Steiner, auch ich freue schon darauf,wenn die privaten Bahnunternehmen bundesweit ihre Züge einsetzen.Diese Wahnsinnspreise der Deutschen Bahn kann der Normalo ja gar nicht mehr aufbringen.
- Hans Emons schrieb am 25.07.2012, 08:11 Uhr:
- Ich bin Bahncardbesitzer und fahre sehr viel. Die Bahn hat ihre Probleme im Service- und Infobereich bisher nicht abstellen können. Auch ist der technische Zustand des Fuhrparks sehr zweifelhaft. ( s. zunehmende Zahl von Unfällen gerade im Fernverkehr ). Zudem ist das Streckennetz sehr überholungsbedürftig und teilweise immer noch veraltet. Die Bahn ist ein sehr schwerfälliges Unternehmen das alle Probleme nur sehr mühsam abstellen kann. Zudem möchte ich noch betonen, dass ich aus Überzeugung gegen den zunehmenden Auto- und Luftverkehr Bahnfahrer bin. Doch sie sich ihrer Veranwortung stellen und schneller und besser reagieren ( Einsatz von neune Zügen ).
- Jochen schrieb am 24.07.2012, 14:35 Uhr:
- Warum sind wir nicht froh, dass es Arbeitnehmer gibt, die nicht bloß billiger Spielball der Arbeitgeberseite sind und für ihre Arbeit noch anständige Löhne durchsetzen können? Machen wir es doch genauso! Jeder möchte für sich selbst ein anständiges Gehalt, aber missgönnt es allen anderen und will ständig alles immer nur billig haben. Damit dreht sich aber die Spirale für uns alle ständig nach unten! Irgendwie kapieren viele das aber nicht. Anders kann ich mir die missgünstigen Kommentare hier nicht erklären. Billiglöhne, von denen man nicht leben kann, gibt es in Deutschland schon zu viele und das schadet langfristig uns allen!
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