Privat-Unternehmen starten Fernzüge Zwei gegen die Bahn

Von Marion Linnenbrink

Für 20 Euro nach Hamburg – das ist seit Montag (23.07.2012) von Köln aus möglich. Mit HKX erhält die Bahn private Konkurrenz im Fernverkehr. Im Herbst will dann auch die Kölner Firma MSM nach Berlin und ebenfalls nach Hamburg Fernzüge anbieten.


Der Zug des privaten Bahnbetreibers Hamburg-Köln-Express, HKX fährt in Köln in den Hauptbahnhof ein

"Willkommen in Köln, Ihr nächster Anschluss HKX nach Hamburg auf Gleis zwei, am Bahnsteig gegenüber" – Die Bahn spielt mit, wenn Montag (23.07.2012) die ersten Fahrgäste in dem neuen Zug nach Hamburg fahren. Wie jeder andere Zug werden auch die Fahrten des Hamburg-Köln-Express, kurz HKX, über Lautsprecher des Kölner Hauptbahnhofs durchgegeben. Nach erfolgreicher Jungfernfahrt war der Zug um 11.03 Uhr mit sechs Minuten Verspätung am Kölner Hauptbahnhof eingetroffen. Am Mittag geht es dann zurück in den Norden.

Drei Jahre intensive Planung


Eva Kreienkamp am HKX-Zug
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Eva Kreienkamp glaubt an Konkurrenz zur DB.

Seit 2009 versucht eine Gruppe deutscher und internationaler Investoren dem Monopolisten Deutsche Bahn AG (DB) Konkurrenz zu machen. Eva Kreienkamp steht als Geschäftsführerin an der Spitze des Kölner Unternehmens und ist glücklich, dass der Start nun endlich geklappt hat.

Eigentlich wollte HKX schon vor über einem Jahr starten, doch es gab Probleme bei der Investoren-Suche, mit der Renovierung der gekauften Züge und auch mit organisatorischen Dingen, wie Trassengebühren oder Zuglängen-Absprache. "Die Deutsche Bahn musste sich auf uns als Konkurrenz erst einmal einstellen. Daher waren einige unserer Anfragen wohl überraschend. Manchmal erhielten wir die Antwort, dass dies oder jenes nicht vorgesehen sei", erinnert sich die HKX-Chefin.

"Hoffentlich ist der Zug pünktlich"

Jetzt hofft sie auf möglichst viele Fahrgäste, wie beispielsweise Thomas Jakobi. Der Hamburger pendelt regelmäßig von Köln nach Hamburg. Wann der Musikjournalist mal ein 29-Euro-Ticket über die DB buchen konnte, weiß er gar nicht mehr. Zurzeit nutzt er die Bahn Card 50, um flexibel zu sein. Eine Strecke kostet ihn so 41 Euro. Im August fährt er aber erstmals mit HKX von Hamburg nach Köln. "Ich weiß, dass ich an dem Tag reisen muss und habe ein Ticket für 20 Euro mit Sitzplatz gebucht", erklärt Jakobi. Der Hamburger hofft vor allem, dass der Zug pünktlich ist.


Dreimal täglich hat HKX das Nutzungsrecht für die Trasse Hamburg - Köln über Gelsenkirchen und Münster bis Ende 2015 erworben. Die Kosten fürs Ticket liegen zwischen 20 und 60 Euro. Kinder zahlen in Begleitung fünf Euro. Wer unterwegs zusteigt, reist maximal für 15 Cent pro Kilometer. Der Preis lockt zwar, aber die Züge müssen auch pünktlich sein, weiß die HKX-Geschäftsführerin. "Wir beobachten, ob unsere Züge ungewöhnlich oft Verspätungen haben", erklärt Kreienkamp. "Wenn täglich immer neue Hindernisse den Zugverkehr beeinträchtigen, dann glauben wir nicht unbedingt an Zufälle", formuliert die Managerin eine leichte Warnung in Richtung Trassen-Mitnutzer DB.

Bahn beobachtet Start von HKX

Die Bahn selbst äußert sich nur kurz und knapp zur neuen Konkurrenz. "Wir beobachten den Start des Mitkonkurrenten, aber wir kennen uns mit Wettbewerb im Fernverkehr auch schon aus", erklärt ein Sprecher. Denn mit InterConnex gibt es im Osten schon seit 2002 einen Mitbewerber mit Fernzügen auf der Strecke Leipzig - Berlin - Rostock.

"Wir wagen uns jetzt ins Herzstück des Bahnverkehrs", erklärt Kreienkamp und sieht keine Vergleichbarkeit zu dem Ost-Anbieter. "Es leben so viele Millionen Menschen entlang der Strecke Köln nach Hamburg, das kann der Bahn nicht egal sein." Eine Auslastung von weit über 50 Prozent ist das Ziel der Investoren. Bis Mitte 2012 haben sie nach eigenen Angaben bereits 16 Millionen Euro investiert.

Fanzüge und Train4you


Schaffner am HKX-Zug
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Das Service-Personal hat viel trainiert auf der Strecke.

Ganz so viel Geld kann und will der zweite Bahn-Konkurrent aus Köln, die MSM Gruppe, nicht in die Hand nehmen. Niko Maedge ist seit Jahren mit Fanzügen zu Eishockey- und Fußballspielen im Privat-Bahn-Geschäft tätig. Auch eventbezogene Fahrten, wie zum Oktoberfest nach München, gehören zu seinem Angebot. "Die Idee nach Hamburg und Berlin regelmäßig zu pendeln, passt in unser Grundkonzept", erklärt der Kölner sein Train4you-Angebot. Das günstigste Ticket soll ab Herbst für 19,90 Euro zu haben sein.

Da die von ihm geplante Trasse über Hannover führt und mit Berlin als Hauptstadt auch noch ein zweites attraktives Ziel im Angebot hat, kommt er HKX nicht unbedingt ins Gehege. Wobei Eva Kreienkamp offen zugibt: "Die Ankündigung von MSM im Herbst zu starten, hat uns handeln lassen. Wir haben das Projekt schon so lange vorangeschoben, da wollten wir dann auch die ersten sein."

Ticketkäufe entscheiden

Guter Service, pünktliche Züge und zufriedene Kunden, darauf hofft HKX natürlich. Und darauf haben die Fahrgäste auch ein gutes Recht. Verspätungen werden nach Maßgabe des Eisenbahn-Bundesamtes mit bis zu 50 Prozent erstattet.

Um das Projekt Privatbahn optimal zu starten trainierte das Service-Personal schon in den vergangenen Wochen täglich auf der Reiseroute. Kaffee servieren bei Tempo 100, Auskünfte am Bahnsteig für die Reisenden geben oder der Sicherheitscheck für Notfälle – auch in diesen Punkten will HKX perfekt starten. Doch nur ausreichende Ticket-Buchungen von Kunden in den nächsten Wochen und Monaten werden zeigen, ob private Bahnanbieter im Fernverkehr dem Monopol der DB tatsächlich gefährlich werden können.

Hamburg-Köln-Express, Einfahrt des Zuges in Münster Video Für 20 Euro im Zug von Köln nach Hamburg (01:24 Min.) WDR aktuell vom 23.07.2012

Für 20 Euro im Zug von Köln nach Hamburg


Stand: 23.07.2012, 13.23 Uhr


Kommentare zum Thema (29)

letzter Kommentar: 27.07.2012, 03:42 Uhr

Urs Schwyzer schrieb am 27.07.2012, 03:42 Uhr:
... Abwarten und TEE trinken ;-)
br44 schrieb am 24.07.2012, 10:51 Uhr:
Natürlich ist Konkurenz gut, aber schützt uns vor den Rosinenpickern. Die neue Firma lebt teilweise von den teueren Leistungen des Zubringerverkehrs. Ergo, wenn alle Rosinen gepickt sind, geht der Rest zu grunde. Es ist also ein Erfolg auf Kosten der Anderen. So lässt es sich gut Angeben mit dem Erfolg. Das Thema wäre wohl etwas für eine Doktorarbeit oder auch für eine Themensendung.
Bahnfahrer schrieb am 23.07.2012, 15:35 Uhr:
Vor nem Monat eine Hin-und Rückfahrt von Essen nach Berlin für 2 Personen inkl. Platzreservierung für 114 Euro (keine Bahncard) gebucht. Nur Fernverkehr. Ich habe nie verstanden, wie es die Leute ständig schaffen für Bahnfahrten so viel Geld auszugeben....
Jüse schrieb am 23.07.2012, 14:46 Uhr:
@ Malocher, klar muss ich sparsam leben und werfe nicht mit dem Geld um mich. Wer für 20,-€ solch ein Angebot machen kann, der muss irgendwo sparen, zumeist am Personal. Sie fahren also für kleines Geld nach Hamburg, freuen sich königlich und der Lokführer ackert für nen Appel und nen Ei. Das nennt man Ausbeutung und die Nutzer dieser Ausbeutung, sind Ausbeuter !
vom Lohn leben können schrieb am 23.07.2012, 14:24 Uhr:
Da frohlocken Mitmenschen, dass es endlich private Konkurenz gibt und dass maßlos Forder der Lokführer nach mehr Einkommen endlich einhalt geboten wird. Ich Frage mich, zu welchem Preis? Wenn die Menschen die mit dem erzielten Einkommen, Ihren Lebensunterhalt nicht sichern können und vom Staat (also von uns Steuernzahlern) noch einen Zuschuß brauchen, zahlen wir alle schlußendlich die Gewinne der Unternehmer.

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